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Mahnwache für Flüchtlinge: Demonstranten in Bonn machen Nachtschicht

Mahnwache für Flüchtlinge : Demonstranten in Bonn machen Nachtschicht

Die Teilnehmer einer Mahnwache auf dem Marktplatz in Bonn machen seit Samstag auf die Lage von Flüchtlingen an den Grenzen Europas aufmerksam – und das 24 Stunden am Tag.

Für die Nächte haben sich die Demonstranten Holz mitgebracht. Damit machen sie ein Feuer in einer Tonne. Seit Samstag halten sie auf dem Marktplatz eine Mahnwache, um auf das Leid der Flüchtlinge an den Grenzen Europas aufmerksam zu machen. Alleine in Griechenland harren mehr als 40.000 Menschen aus. Einige Camps waren in den vergangenen Wochen abgeriegelt worden, weil sich dort Menschen mit dem Coronavirus infiziert hatten. Wer dort festsitzt, hat kaum eine Chance, sich zu schützen.

„Stoppt das Sterben“ fordert ein Plakat, das am Stand auf dem Marktplatz hängt. Rund um die Uhr ist jemand dort. Die etwa 50 Freiwilligen konnten sich für Schichten in dem Zelt eintragen. Organisiert hat die Mahnwache das Bonner Aktionsbündnis für grenzenlose Solidarität, das sich aus verschiedenen Gruppen zusammensetzt – darunter die Seebrücke, Sea Eye, Ende Gelände und AusgeC02hlt.

Bündnis fordert Stadt auf sich klar zu positionieren

Am Dienstagmorgen sitzen vier junge Frauen auf den Sofas und den Stühlen im Zelt. Eine von ihnen ist Ida Hömberg, die sich um die Pressearbeit des Bündnisses kümmert. Mit Blick auf das, was sich in den letzten Monaten an der Lage der Menschen in den Camps geändert hat, sagt sie. „Der Druck auf die Politik scheint nicht so groß zu sein. Ich habe das Gefühl, sie hat die Absicht, das Thema auszusitzen.“ Mitte April hatte die Bundesregierung 47 Kinder und Jugendliche aus Griechenland nach Deutschland geholt. „Als sei es damit getan. Das ist Symbolpolitik“, sagt Hömberg.

Bereits Anfang April hatte Oberbürgermeister Ashok Sridharan in einem Brief an Hilfsorganisationen die Bereitschaft der Stadt ­signalisiert, bis zu zehn unbegleitete Minderjährige aufzunehmen. In Bonn ist noch keiner. „Das Land hat uns bisher noch keine zugewiesen“, heißt es dazu aus dem Presseamt.

Das Bündnis sehe die Stadt in der Pflicht, sich klar zu positionieren und mehr Flüchtlinge aufzunehmen, sagt Hömberg. Von Passanten erhielten sie am Marktplatz oft positive Reaktionen. Es komme aber auch immer wieder mal vor, dass Leute im Vorbeigehen Parolen in das Zelt rufen. „Solche Vorurteile gehen an die Substanz“, sagt Hömberg. Warum haben sie sich eigentlich dazu entschlossen, eine Woche lang 24 Stunden zu demonstrieren? „Um darauf aufmerksam zu machen, wie drastisch die Situation ist“, sagt Hömberg. Eine der Schichten beginnt am Abend um 21 Uhr, dann gibt es alle vier Stunden eine Ablösung: also um 1 Uhr und dann wieder um 5 Uhr. Was macht man so um 4 Uhr auf dem Marktplatz? „Gute Frage“, sagt Hömberg. „Um diese Zeit war ich selber noch nicht hier.“

In Zeiten von Corona gelten auch für Demonstranten besondere Regeln: Mehr als vier Personen dürfen nicht gleichzeitig im Zelt sein. Untereinander und zu den Passanten müssen sie eineinhalb Meter Abstand halten. Flyer dürfen sie nur auslegen, nicht verteilen. Am Samstag endet die Aktion. Bis dahin schläft der Protest nicht – oder nur wenig.