Kommentar Den Preis zahlen alle

BONN · Kindergärtnerinnen, Busfahrer und Müllmänner werden alles andere als üppig bezahlt. Dass sie ihr Streikrecht ausüben, um höhere Vergütungen durchzusetzen, ist völlig legitim.

Alle zwei Jahre zelebrieren Gewerkschaften und öffentliche Arbeitgeber das gleiche Tarifstreit-Ritual, bei dem der Rest der Bevölkerung sozusagen in Geiselhaft gerät, weil Mülltonnen ungeleert bleiben, Busse ausfallen oder Kindergärten schließen. Die meisten Bürger reagieren mit Verständnis - zumindest solange es nur bei Warnstreiks bleibt. Sie gönnen den Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes die Gehaltserhöhung, die ja nicht zuletzt gut für die Konjunktur ist.

Die Bürger zahlen aber auch einen Preis dafür: die unaufhaltsam wachsende Verschuldung ihrer Stadt, die schon jetzt nicht mehr in der Lage ist, ausreichend zu investieren - in die Qualität der Schulen zum Beispiel. Nach den Sozialtransfers sind die Personalkosten der zweitgrößte Brocken in den jährlichen Ausgaben.

Die aktuelle Tarifforderung würde allein bei den Beschäftigten Mehrausgaben von elf Millionen Euro verursachen; die Beamten sind dabei noch gar nicht eingerechnet. Natürlich sind Tariferhöhungen notwendig. Aber die Gewerkschaften müssen das richtige Maß wahren. Geht die Entwicklung so weiter, bleibt den Kommunen nur, Aufgaben zu privatisieren oder zu streichen - und damit Stellen abzubauen.

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