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Kommentar zum WCCB: Der Bund ist in der Pflicht

Kommentar zum WCCB : Der Bund ist in der Pflicht

Was hat Bonn, das Berlin nicht hat? Rund 1000 Mitarbeiter der Vereinten Nationen, die hier leben, arbeiten und Konferenzen organisieren. Dass es ein prestigeträchtiges Alleinstellungsmerkmal ist, der einzige deutsche UN-Standort zu sein, spüren auch die städtischen Betreiber des World Conference Centers Bonn.

Der Hauch des Internationalen, der im Bundesviertel weht, ist für kommerzielle Konferenzveranstalter attraktiv – zumal sie mit dem früheren Plenarsaal des Bundestages auch noch ein einmaliges, geschichtsträchtiges Umfeld buchen können. Entsprechend groß scheint die Nachfrage zu sein.

Für die finanziell gebeutelte Stadt bleibt das WCCB trotzdem ein Zuschussgeschäft – vor allem wegen des hohen Preisnachlasses für UN-Konferenzen. Die sind in Ordnung, denn das ganze Projekt dient ja in erster Linie dem Zweck, ein angemessenes Kongresszentrum für die Vereinten Nationen zu schaffen. Darum stellte der Bund das Grundstück bereit und beteiligte sich an der immer teurer werdenden Fertigstellung des Skandalbaus. Und darum ist es auch nur recht und billig, dass aus Berlin jährlich 3,5 Millionen Euro für den Konferenzbetrieb fließen sollen – denn es ist keine kommunale, sondern eine nationale Aufgabe, den UN-Standort Bonn zu entwickeln. Monate nach der öffentlichkeitswirksamen Ankündigung der Bundesregierung wird es jetzt allerdings Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen.

Die Folgen des WCCB-Skandals werden die Bonner auf Jahrzehnte belasten. Falls die Stadt den Prozess gegen die Sparkasse KölnBonn wegen der Bürgschaft verliert – und danach sieht es aus –, steigen die Kosten für das Kongresszentrum auf bis zu 300 Millionen Euro. Eine gewaltige Summe, die Bonns Finanzprobleme weiter verschärft. Um so wichtiger, jetzt alle Chancen zu nutzen, die das moderne Gebäude bietet. Vor allem zahlungskräftige Großkunden sind interessant, um den Zuschussbedarf zu reduzieren. Ein naheliegender Gedanke wäre zum Beispiel, wenn die Bonner Dax-Riesen Post und Telekom ihre Jahreshauptversammlungen im WCCB abhalten würden.