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"Die blockierte Stadt - Folge 8": Der Busbahnhof - Für die ideale Lösung ist kein Platz

"Die blockierte Stadt - Folge 8" : Der Busbahnhof - Für die ideale Lösung ist kein Platz

Wer am Bonner Hauptbahnhof ankommt und in einen Bus umsteigt, bekommt nicht gerade den besten Eindruck vom Entrée der Stadt. Der Busbahnhof ist unübersichtlich, die schmalen Bahnsteige sind weder barrierefrei noch besonders komfortabel für die wartenden Fahrgäste.

Die pilzförmigen Unterstände aus den 1970er Jahren haben auch schon bessere Tage gesehen, ebenso die Kioske. Durch das nur 15 Meter breite Nadelöhr vor dem Bahnhof zwängen sich Busse, Straßenbahnen, Autos und mutige Radfahrer. Einen Radweg gibt es nicht. Deshalb ist schon seit Jahren eine Neugestaltung des Zentralen Omnibus-Bahnhofs (ZOB) samt neuer Verkehrsführung im Gespräch.

Das Ziel:

Der Busbahnhof soll umgebaut werden, um ihn sicherer, übersichtlicher und barrierefrei zu machen. Außerdem sollen die Umsteigemöglichkeiten - sowohl zu anderen Bussen als auch zur Straßenbahn - verbessert werden. Mit dem Umbau des Busbahnhofs würde der gesamte Verkehr vor dem Bahnhof neu geordnet. Es soll ein durchgängiger Radweg in beide Richtungen geschaffen werden.

Was bisher geschah:

Der Busbahnhof ist eng mit zwei anderer Blockierern verbunden - mit der Südüberbauung (der GA-berichtete in dieser Serie) und dem Cityring (nächste Folge). Ursprünglich sollte eine "große Lösung" für den Bahnhofsbereich her, mit dem Abriss der alten Südüberbauung, einem Neubau mit veränderten Maßen, einem Verkehrskonzept und Planungen für die restlichen Freiflächen rund um den Bahnhof.

Dazu gibt es bereits eine ganz Reihe von Gutachten, Verkehrssimulationen und Untersuchungen. Außerdem hatte sich die Bürgerwerkstatt zur Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes auch mit dem Thema Verkehr beschäftigt und Anfang 2006 konkrete Forderungen formuliert.

2007 wurden Pläne für einen verkleinerten Busbahnhofs vorgelegt, der Autoverkehr sollte von der Wesselstraße aus durch die Südunterführung Richtung Poppelsdorfer Allee abfließen. Ein Jahr später landeten Rat und Verwaltung in einer Sackgasse. Die damalige Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann beschloss, die Pläne wegen zu erwartender Verkehrsprobleme nicht weiter zu verfolgen und den Busbahnhof "zunächst" in seiner bisherigen Größe zu erhalten.

2010 legte ein Gutachter erneut ein Verkehrskonzept mit verschiedenen Varianten vor. Der Rat beauftragte die Verwaltung am 27. Mai 2010 mit einem Vorentwurf für die Planung, und zwar in Varianten mit und ohne Südüberbauung. Den Vorentwurf "mit Bestand Südüberbauung" genehmigte der Rat im Januar 2013 verbunden mit dem Auftrag, ihn "hinsichtlich Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit und Leistungsfähigkeit weiterzuentwickeln und eine optimierte Lösung den Gremien zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen".

Die Pläne:

Am auffälligsten an den Plänen ist, dass künftig kein Verkehr mehr zwischen Südüberbauung und Busbahnhof hindurch rollen soll. Der Busbahnhof rückt quasi näher an die Fußgängerzone heran. Der Autoverkehr, der aus Richtung Münsterbasilika über die Wesselstraße kommt, soll künftig nach links schwenken und auf Höhe des Kaiserplatzes um den Busbahnhof herumfließen.

Der Busbahnhof selbst bekäme eine große Mittelinsel und weiter Haltestellen an den Rändern. Außerdem sollen die Straßenbahnen der Linien 61/62 in beide Richtungen direkt am Busbahnhof abfahren. Die Haltestelle gegenüber vom historischen Bahnhofsgebäude fiele dann weg. Platz für den Radweg lässt sich nur schaffen, indem vor dem Bahnhof eine von drei Fahrspuren für Autos wegfällt.

Wo es hakt:

Größter Bremsklotz war und ist die Südüberbauung. "Mit diesem städtebaulich fehlgeplanten Gebäude ist vor dem Bahnhof kein Entwurf zu machen", sagte Architekt Stefan Schmitz aus Köln, der 2009 einen preisgekrönten Entwurf für die Neugestaltung des gesamten Bereichs zwischen Thomas-Mann-Straße und Kaiserplatz vorgelegt hatte.

Ein Gesamtkonzept mit einer deutlich verkleinerten, neuen Südüberbauung schien lohnenswert. Deshalb wurde lange - und letztlich vergeblich - gewartet. Es gibt außerdem viele, die vor dem Bahnhof mitreden wollten: Drei regionale Verkehrsunternehmen, die Deutsche Bahn, der ADFC, die Behindertengemeinschaft, die Parteien und verschiedene Bürgerinitiativen.

Die Interessen widersprechen sich zum Teil. Davon, dass künftig für alle Verkehrsteilnehmer reichlich Platz ist und der Verkehr staufrei fließt, gehen die Planer gar nicht aus. Es wird keine optimale Lösung geben. Ein wichtiges Detail aus dem letzten Ratsbeschluss könnte aber zum Problem werden. Da steht nämlich drin, dass an allen Knotenpunkten "mindestens eine ausreichende Leistungsfähigkeit" sichergestellt werden müsse.

Ausreichend bedeutet in der Fachsprache, dass "im Kraftfahrzeugverkehr ein ständiger Reststau vorhanden ist. Die Wartezeiten für alle Verkehrsteilnehmer sind beträchtlich. Der Verkehrszustand ist noch stabil." Bei Simulationen hat das Konzept bisher nicht mal die Note "ausreichend" bekommen, führt die Verwaltung in ihrer Vorlage für die Ratssitzung am 31. Januar 2013 aus, sondern die nächste, geringere Qualitätsstufe.

Diese Stufe bedeutet: allmählich wachsender Stau und sehr lange Wartezeiten. Von Qualitätsstufe A - "Die Mehrzahl der Verkehrsteilnehmer kann ungehindert den Knotenpunkt passieren. Die Wartezeiten sind sehr kurz" - kann man offenbar im Bahnhofsumfeld nur träumen.

Wie geht es weiter:

Die Verwaltung hat im Januar "umfangreiche weitere Untersuchungen" angekündigt und muss dem Rat und seinen Gremien eine optimierte Lösung zur Beratung und Beschlussfassung vorlegen. Ein Termin steht noch nicht fest.

Die GA-Prognose:

Am unattraktiven Busbahnhof wird sich früher oder später etwas ändern müssen. Die Stadt hat Gestaltungsspielraum, weil ihr die Flächen gehören, und es sollte möglich sein, sich mit den Stadtwerken über Lage und Länge der Bussteige zu einigen. Ob die aktuellen Plänen tatsächlich das "Ende eines 35-jährigen Provisoriums" bedeuten, ist fraglich.

Denn dazu müsste es auch eine Mehrheit für die erforderlichen Einschnitte und Veränderungen beim Autoverkehr geben. Verkehr aus der Innenstadt herauszuhalten, ist aber nicht im Sinne der Geschäftsleute.

Kleinste denkbare Lösung wäre die Renovierung und Neugestaltung des Busbahnhofs auf seiner alten Fläche. Das wird kommen. Doch es brächte vor allem für die ohnehin schon benachteiligten Radfahrer keinerlei Vorteile.

Info: Was halten Sie von der Debatte um die Neugestaltung des Busbahnhofs? Diskutieren Sie online mit oder schreiben Sie an den General-Anzeiger, 53100 Bonn, Stichwort Leserbriefe.

Nächste Folge: Der Cityring.