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Kunst im Bonner Frauenmuseum: Der Eisberg schmilzt im Innenhof

Kunst im Bonner Frauenmuseum : Der Eisberg schmilzt im Innenhof

Die Ausstellung „Ikonen der Nachhaltigkeit“ stellt im Frauenmuseum das Klima ins Zentrum. Museumsleiterin Marianne Pitzen sieht in der Kunst das Potenzial, um Wirtschaftsformen zu beinflussen.

Ein riesiger Eisberg türmt sich im Innenhof des Frauenmuseums. Erika Beyhl hat dafür Metallplatten, Kunststoffbahnen, Glas, Stein sowie Marmor aufeinander gestapelt. Stabil ist die Konstruktion allerdings nicht. Entfernt man auch nur einen kleinen Baustein, stürzt das ganze Werk zusammen. „Wir müssen endlich erkennen, wie labil die Natur ist“, erklärt die Künstlerin. „Eins fügt sich ins andere. Fehlt etwas, dann gerät alles aus den Fugen. Die Eisberge schmelzen, und unsere Müllberge wachsen.“

Mit ihrem Werk beteiligt sich Beyhl an der Ausstellung „Ikonen der Nachhaltigkeit – Sustainable Icons“, die seit Freitag im Frauenmuseum anlässlich des Weltklimagipfels zu sehen ist. „Kunst ist immer auch politisch“, begründet Marianne Pitzen vom Frauenmuseum das Engagement der 13 Künstlerinnen, die sich mit ganz unterschiedlichen Arbeiten dem Thema Nachhaltigkeit sowie Umwelt- und Ressourcenschutz gewidmet haben.

„Wir setzen das Potenzial der Kunst ein, um die zukunftsweisenden Lebens- und Wirtschaftsformen verantwortlich mitzugestalten“, sagt Pitzen. Denn die vernunftorientierten Erkenntnisse wissenschaftlicher Forschung zum Klimawandel würden erst dann zu Veränderungen im Handeln der Menschen führen, wenn sie auch sinnlich-emotional erfasst würden. Dabei haben Beyhl und Pitzen klare Erwartungen an den Klimagipfel. „Wir hoffen, dass die Ziele nicht nur deutlich formuliert, sondern endlich angegangen werden“, sind sie sich einig.

Dazu gehört auch die Diskussion über den Kohleausstieg. Inge Broska hat jahrelang die Zerstörung der Dörfer für den Tagebau in Gatzweiler beobachtet. Sie hat den Abriss von Häusern und Kirchen nicht nur mit Bildern dokumentiert, sondern ist in den Müllhalden auch auf Spurensuche gegangen. Gefunden hat sie Alltagsgegenstände, die sie in einem kleinen Museum präsentiert. Einige Exponate – Gemüse und Obst, das vor Jahrzehnten eingeweckt wurde – stellt sie jetzt neben ihren Fotografien im Frauenmuseum aus.

Dem „Lebenselixier Wasser“ hat sich Charlotte Esch gewidmet. In ihrer Installation aus neun Leinwänden zeigt sie, wie aus den Weltmeeren am Ende nur noch ein einziger Tropfen Wasser übrigbleibt. Ursula Groten hat den Wald in den Mittelpunkt gerückt. „Geliebt, besucht, gehütet ... in Gefahr“ hat sie ihre farbintensive Arbeit genannt. Einen großen Teller mit reifen Sommerbeeren, Tomaten sowie gelben und roten Rüben – noch ist unser Tisch reich gedeckt. Doch wenn die Bienen durch den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden weiter sterben, wirkt sich das auf unser Nahrungsangebot aus. „Unsere Nahrung kann giftfrei und ohne Gentechnik erzeugt werden“, ist Sandra Ney, Ernährungswissenschaftlerin und Künstlerin, überzeugt. „Daher zeigen meine Bilder Obst, Gemüse und Bestäuberinnen in ihrer vollen Schönheit.“

Ergänzend zu den verschiedenen Exponaten wird ein Video über die Kraft des Wassers sowie der Trailer zum Film „Code of Survival“ gezeigt. Der komplette Film ist in der Beueler Brotfabrik zu sehen.