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Bonner Wahlanalyse: Der grüne Siegeszug rollt weiter

Bonner Wahlanalyse : Der grüne Siegeszug rollt weiter

Die Ergebnisse der Bundestagswahl in Bonn bestätigen den Trend. Schmerzhaft ist das vor allem für die CDU in der Bundesstadt.

Am Ende lag es an der Verteilung von mehreren hundert Stimmen, dass Bonn in der künftigen Legislatur von „lediglich“ drei Bundestagsabgeordneten vertreten wird. Denn hätte CDU-Kandidat Christoph Jansen (44.872 Stimmen) den Konkurrentinnen Katrin Uhlig (Grüne, 46.467 Stimmen) und Jessica Rosenthal (SPD, 46.251 Stimmen) noch einige Wähler abspenstig machen können und wäre das Direktmandat an ihn gegangen, so wäre das „vierblättrige Kleeblatt“ für Bonn komplett geworden.

Denn wie sich am Montag herausstellte, war nicht nur Alexander Graf Lambsdorff (FDP) gut über die NRW-Landesliste abgesichert. Ebenso zog die Zweitplatzierte Jessica Rosenthal souverän mit Platz 20 auf der Landesliste in den 20. Deutschen Bundestag ein. Und auch für die Gewinnerin des Direktmandats Katrin Uhlig hätte Platz 15 auf der Liste ausgereicht.

Stadtbezirk Bonn macht den Unterschied

Entscheidend für Uhligs Erfolg war unterm Strich das gute Ergebnis im bevölkerungsreichsten Stadtbezirk Bonn, wo sie mit 28,9 Prozent der Erststimmen vorne lag, während sie in den drei kleineren Stadtbezirken jeweils das Nachsehen hatte. Jessica Rosenthal siegte in Beuel und landete in allen vier Stadtbezirken bei Werten um 25 Prozent. Christoph Jansen, Bezirksbürgermeister in Bad Godesberg, konnte hier mit 29,1 Prozent zwar einen „Heimsieg“ einfahren und lag auch im Stadtbezirk Hardtberg vorne; am Ende aber waren diese Werte wie auch die 21,1 Prozent im Stadtbezirk Bonn aber zu wenig.

So weit zu den Erststimmen. Auch bei den Zweitstimmen wiegen für die CDU die starken Verluste im Stadtbezirk Bonn besonders schwer. Von 27,8 Prozent der Stimmen (2017) stürzte die Union nun mit 19,8 Prozent unter die 20-Prozent-Marke und verlor ein Drittel ihres Stimmenanteils. Herbe Verluste zwischen 5,5 und 7,5 Prozentpunkten gab es für die Christdemokraten aber auch in den drei anderen Stadtbezirken.

Siegeszug der Grünen setzt sich fort

Die Schwierigkeiten der Union korrelieren allenthalben mit dem Erfolg der Grünen, deren Siegeszug nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr eine nahtlose Fortsetzung erfährt. Schadensbegrenzung konnte die CDU in den Vierteln am Stadtrand wie Duisdorf, Lengsdorf, Brüser Berg, Dransdorf, Tannenbusch, Holzlar, Holtorf, Lannesdorf und Mehlem betreiben – blieb aber auch dort jeweils unter der 30-Prozent-Marke. Von vernichtenden Werten deutlich unter zehn Prozent in einzelnen Stimmbezirken der Nordstadt gar nicht zu sprechen, wiegen für die CDU vor allem die schlechten Ergebnisse in Vierteln wie der Südstadt, der Weststadt, in Poppelsdorf, Endenich und Friesdorf (jeweils unter 20 Prozent) schwer.

Weil des einen Leid bekanntlich des anderen Freud‘ sind, kommen die Verluste gerade in diesen Stadtteilen in erster Linie den Grünen zugute. Neben Hochburgen wie der Inneren Nordstadt (42,9 Prozent) und Rekordwerten von nahezu 50 Prozent in einigen Briefwahlbezirken können sie sich etwa in der Weststadt, der Südstadt, in Poppelsdorf, Endenich und Kessenich, wo sie ebenfalls an der 40-Prozent-Schwelle anklopfen, klare Siege auf die Fahne schreiben.

Eine Trendwende kann in Bonn die SPD für sich verbuchen: Die Sozialdemokraten legten in fast allen Wahlbezirken leicht zu, den größten Zugewinn gab es in Lengsdorf/Brüser Berg, wo die Partei von 20,2 auf 24,5 Prozent zulegte.