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Bonner Geschichte: Der kleine große Bahnhof

Bonner Geschichte : Der kleine große Bahnhof

Als Carl Schellen um das Jahr 1880 den Bonner Bahnhof im Stil der italienischen Neo-Renaissance entwarf, wusste er noch nichts von der Bedeutung dieses Bauwerkes in der späteren Bundeshauptstadt. Am 22. April wird der Bonner Bahnhof 130 Jahre alt - und hat in seiner Glanzzeit nach der Gründung der Bundesrepublik eine ganze Reihe gekrönter Häupter und Staatsgäste empfangen.

Großer Bahnhof im kleinen Hauptstadtbahnhof eben. Die Geschichte der Bahnlinie und ihres Hauptbahnhofes beginnt bereits 1836. Ein Jahr nach der ersten Fahrt einer deutschen Bahn trifft sich der "Verein zur Errichtung der Eisenbahn von Bonn nach Köln" zur ersten Generalversammlung. Am 13. Februar 1844 wird die Strecke von der Domstadt in die beschauliche rheinische Universitäts- und Pensionärsstadt Bonn eingeweiht.

Der frühere Leiter des Stadtarchivs, Dietrich Höroldt, schreibt über den Vorläufer des Schellen-Baus: "So schnell man sich trotz einiger Gegenstimmen für den Bau der Bahnlinie entschied, so heftig umkämpft war der Standort des Bonner Bahnhofes. In einer heftigen Anzeigen- und Flugschriften-Fehde diskutierten die Bonner damals, ob der Endpunkt der Bahn zwischen Kölntor und Rhein, also in der Gegend der heutigen Beethovenhalle, oder auf dem Mühlheimer Feld, seinem heutigen Standort, angelegt werden sollte."

Wie in den Annalen zu lesen ist, sprach der preußische Finanzminister von Bodelschwingh ein Machtwort und legte den heutigen Standort fest. Doch das damalige preußisch sparsame Empfangsgebäude erwies sich mit zunehmender Bedeutung der Nord-Süd-Strecke als zu klein. Für den Neubau sprach die existierende Bahnstrecke Bonn-Euskirchen, die eine Umsteigemöglichkeit zur Eifel-Strecke Köln-Saarbrücken bot. So wurde 1883 der Grundstein für den heutigen Bahnhof gelegt, der im Laufe der Jahre immer wieder erweitert und modernisiert wurde.

Bereits 1900 und 1904 erfolgten erste grundlegende Änderungen im ursprünglichen Baukörper. Dazu gehörten der nördliche und südliche Personentunnel und von der Eingangshalle aus ein direkter Durchgang zum Bahnsteig. Auch wurde die Gepäckabfertigung entsprechend dem wachsenden Verkehrsvolumen verbessert und erweitert.

Bereits ab 1906, als Kaiser Wilhelm II. Bonn besuchte, galt das Konzept einer Bahnanlage mitten durch den Stadtkern als überholt, und schon damals wurde erstmalig über eine Tieflage nachgedacht. 1938 folgte der ein- bis zweigeschossige Trakt am Bahnsteig 1. Weitere Umbauten und Modernisierungen am Bahnhof schlossen sich in den Jahren 1940 und 1949 an.