1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Bonner Kopf: Der "Krankenhausoberer" macht viele neugierig

Bonner Kopf : Der "Krankenhausoberer" macht viele neugierig

Sein Titel „Krankenhausoberer“ reizt Patienten und Besucher des Bonner Gemeinschaftskrankenhauses immer wieder zum Nachfragen. Den recht ungewöhnlichen Titel trägt der Diplom-Theologe und Pfleger Christoph Bremekamp jetzt seit 20 Jahren.

Wenn Christoph Bremekamp durch das Gemeinschaftskrankenhaus am Bonner Talweg geht, wird er oft auf sein Namensschild angesprochen. „Krankenhausoberer“ steht vor seinem Namen. „Was bedeutet das?“, fragt ihn der eine oder andere dann neugierig. „Eine gute Frage, schließlich bin ich ja erkennbar kein Ordensmitglied“, antwortet Bremekamp. Die Antwort, wie es zu diesem Titel kam, ist komplex. Dazu später mehr. Immerhin seit 20 Jahren führt er ihn schon. Eine Bezeichnung, die für einen „Weltlichen“ wie für ihn als Diplom-Theologe und gelernten Krankenpfleger schon eher ungewöhnlich sei, sagt der 61-Jährige und lacht.

Zum heutigen Gemeinschaftskrankenhaus kam Bremekamp 1996, als er mit der Aufgabe betraut wurde, die Fusion des St. Elisabeth-Krankenhauses an der Prinz-Albert-Straße und des St. Petrus-Krankenhauses am Bonner Talweg maßgeblich zu organisieren. 2003 kam das einstige St. Johanneshospital dazu. Damals wurde das St. Elisabeth-Krankenhaus von den Franziskanerinnen zu Waldbreitbach und das St. Petruskrankenhaus von den Barmherzigen Brüdern Trier betrieben. Bremekamp arbeitete bereits für die Franziskanerinnen und hatte mit dem Orden erfolgreich eines der ersten stationären Hospize nahe Düsseldorf realisiert. Ein Pilotprojekt, das damals für Schlagzeilen sorgte und inzwischen – erfreulicherweise - viele Nachahmer gefunden hat. Bremekamp kam also wie gerufen für die „nicht einfache“ Fusion der Krankenhäuser in Bonn mit jeweils langer Tradition. „Das war ein schmerzhafter Prozess für alle“, räumt Bremekamp ein. Eine Fusion, die aber angesichts der Wandels der gesundheitspolitischen Vorstellungen der Gesellschaft und auch des wirtschaftlichen Drucks unumgänglich geworden war. Bremekamp ist froh, dass damals niemand entlassen werden musste.

Die Träger des Gemeinschaftskrankenhauses heute sind nach wie vor die Barmherzigen Brüder gGmbH sowie die Marienhaus-Kliniken GmbH und die Stiftung Bürgerhospital zum Heiligen St. Johannes dem Täufer. Obgleich die Häuser des heutigen Gemeinschaftskrankenhauses einen enormen Wandel durchmachten, eins eint sie bis heute: Die Arbeit, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tagtäglich dort leisten, ist nach wie vor geprägt von christlichen Werten.

Studium in Trier

Werte, die Bremekamp quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat. Geboren in Oberhausen wuchs er mit seinen beiden Schwestern in Asbach in einem offenen, katholischen Elternhaus auf. Sein Vater, ein Kaufmann, war mit der Familie aus gesundheitlichen Gründen aus dem Kohlenpott, wie man das Ruhrgebiet auch nannte, in den Westerwald gezogen. Nach seiner Ersten Heiligen Kommunion diente Bremekamp in seiner Heimatgemeinde lange als Ministrant. Nach dem Abitur am Eitorfer Gymnasium fasste er den Wunsch, katholische Theologie zu studieren. Das Priesteramt kam für ihn indes nicht in Frage. Warum nicht? „Priester zu werden setzt für mich persönlich voraus, dass man sich dazu berufen fühlt. Diese Berufung habe ich für mich nicht wahrnehmen können.“ Das Leben und Arbeiten in einem Orden habe ihn allerdings immer interessiert. Er nahm sein Studium zunächst in Trier auf und freute sich, dort als Student in dem Benediktinerkloster St. Mathias wohnen zu können. „Die klösterliche Umgebung, das Spirituelle so nah zu erleben, das hat mich sehr geprägt“, sagt er. Es wirkt anscheinend bis heute nach: Wer Bremekamp begegnet, ein stets den Menschen zugewandter Mann, spürt, wie sehr der christliche Glaube das Fundament seines Wirkens bildet.

Ach ja, wie kam er nochmal zum Titel „Krankenhausoberer“? Im Jahr 2000 gingen seine Vorgänger, Bruder Linus und Schwester Oberin Gabriele, in den Ruhestand. Bis dahin gab es die Bezeichnung Krankenhausoberer für einen weltlichen Mitarbeiter nicht. Doch die Krankenhausträger wollten die Tradition dieser Bezeichnung nicht aufgeben. „Diese Tradition als Repräsentant der christlichen Werte in der Krankenhausleitung führe ich nun fort“, so Bremekamp. Ein Wermutstropfen trübt allerdings sein kleines Dienstjubiläum als Krankenhausoberer: Die Pläne für den weiteren Ausbau des Krankenhauses am Bonner Talweg sowie die Zusammenführung beider Standorte wurden aus wirtschaftlichen Gründen zunächst gestoppt und werden nun überarbeitet. Grundsätzlich hält Bremekamp die Zusammenlegung beider Häuser an einen Standort aber für den richtigen Weg. Seine Hoffnung ist, die Umsetzung noch in seiner aktiven Zeit mitzuerleben.

Gerne hätte er auf die Erfahrungen verzichtet, die er seit Beginn der Corona-Pandemie sammeln musste. Vor allem, dass weltweit so viele Menschen an Covid-19 trotz aller Bemühungen der Ärzte und Pflegekräfte dann doch verstorben seien, stimme ihn traurig,“ sagt Bremekamp, der sich selbst als eine „besonnene“ und „resiliente“ Person bezeichnet. Mut mache ihm in diesem Zusammenhang das Engagement und die Tatkraft aller Mitarbeitenden im Gemeinschaftskrankenhaus. „Wie wir alle zusammen bisher in dieser Pandemie zusammengearbeitet haben und wie sich vernetzte Strukturen in unseren Häusern heute bewähren, das lässt mich positiv in die Zukunft blicken.“

Abschalten kann Bremekamp, wenn er nach Hause kommt, gut. Seine große Leidenschaft: Crossradfahren und Reisen mit dem Wohnmobil. Sein Lieblingsland: Italien. Lesen gehört ebenfalls zu den Leidenschaften des Vaters von zwei Söhnen. Sein aktueller Tipp: „Ein verheißenes Land“ des ehemaligen USA-Präsidenten Barack Obama.