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Erinnerung an Peter Joseph Lenné: Der zweitgrößte Sohn der Stadt Bonn

Erinnerung an Peter Joseph Lenné : Der zweitgrößte Sohn der Stadt Bonn

Die Lenné-Gesellschaft will an das Leben und Werk des berühmten Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné erinnern. Sie hat sich im Januar gegründet und organisiert Spaziergänge zu den zu den wichtigsten Stationen im Leben Lennés.

„Ach, das Peterchen“, soll sich Beethoven in Wien über den jungen Besucher aus Bonn gefreut haben. „Du sprichst wenigstens Bönnsch, dich verstehe ich gut.“ Peterchen wurde wie Ludwig van Beethoven in Bonn geboren. Beide waren Anfang 20, als sie ihre Heimatstadt verließen. „Doch während hier überall an Beethoven erinnert wird, wird der zweitgrößte Sohn der Stadt vernachlässigt“, ärgert sich Kajo Kusen. Deshalb gründete sich im Januar die Lenné-Gesellschaft, um an das Leben und das Werk des großen Gartenarchitekten und Städteplaners Peter Joseph Lenné zu erinnern.

Fast ein halbes Jahrhundert lang prägte Lenné die Gartenkunst Preußens. Seine Handschrift hinterließ er vorrangig in Berlin und Potsdam. Dort gestaltete er weiträumige Parkanlagen nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten mit vielfältigen Sichtachsen. „Hat er nicht ein typisch rheinisch verschmitztes Lächeln?“, fragt Ingeborg Nolden ihre Begleiter, die mit ihr vor der Lenné-Büste am Rheinufer stehen. Dort, unterhalb des Alten Zolls, startet sie an diesem Nachmittag ihren Spaziergang und führt zu wichtigen Stationen im Leben des bedeutenden Bonners.

Am ehemaligen Rheinhafen soll Peterchen mit seinen Geschwistern oft gespielt haben. „Dieser Blick auf das Wasser, die Landschaft und die Weite, diese Perspektiven aus seiner Kindheit haben seine spätere Arbeit stark geprägt“, erzählt die ehemalige Kunst- und Geschichtslehrerin. Auch die Vinea Domini, das in den 1720er Jahren errichtete barocke Lustschlösschen zwischen Altem Zoll und der Zweiten Fährgasse, habe den Jungen immer wieder magisch angezogen.

Auf den Spuren von Peter Joseph Lenné

Nur wenige Schritte entfernt wurde Peter Joseph Lenné am 29. September 1789 als zweites von insgesamt acht Kindern in der Konviktstraße 4 geboren. Sein Vater war Hofgärtner sowie Vorsteher des Botanischen Gartens, der zur kurfürstlichen Universität gehörte. Mutter Anna Catharina war die Tochter des Bürgermeisters von Rheinberg. Lenné war Nachkomme der aus der Gegend von Lüttich stammenden Gärtnerfamilie Le Neu oder auch Le Nain, die 1665 ins Rheinland auswanderte und in Poppelsdorf in kurfürstlichen Diensten stand.

An der renovierungsbedürftigen Fassade des Hauses in der Konviktstraße erinnert eine Tafel daran, dass der General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten dort geboren wurde. Heute wird das Gebäude von der Universität genutzt. „Aber dafür ist es eigentlich viel zu schade“, meint Ingeborg Nolden.

Ginge es nach der Lenné-Gesellschaft, dann würde in dem Gebäude ein Museum eingerichtet. „Wir wünschen uns, dass in diesem Haus nicht nur an den zweitgrößten Sohn der Stadt erinnert wird, sondern es wäre angemessen, hier durch Ausstellungen und Vorträge einen kulturell lebendigen Ort zu schaffen“, sagt der Vorsitzende der Gesellschaft, Kajo Kusen.

Vermutlich besuchte Lenné die Vorgängerschule des heutigen Beethoven-Gymnasiums, bevor er der Familientradition folgend eine Gärtnerlehre bei seinem Onkel, dem Hofgärtner Josef Clemens Weyhe, in Brühl begann. Ab 1809 führten ihn seine zahlreichen Studienreisen nach Süddeutschland, in die Schweiz, nach England, Italien, Wien und schließlich nach Potsdam.

Doch auch in Bonn hat Lenné Spuren hinterlassen. „Ihm ist es beispielsweise zu verdanken, dass der Hofgarten erhalten geblieben ist“, erzählt Nolden den Spaziergängern. Denn nur durch seine Intervention sei verhindert worden, dass das Areal von der Universität bebaut wurde. „Dankbar können wir Bonner auch sein, dass er sich vehement dafür eingesetzt hat, dass die Eisenbahntrasse ebenerdig durch Bonn und nicht auf einem erhöhten Damm verläuft“, ergänzt sie. Und, wenn sie es genau überlegt, „war er mit seiner nachhaltigen Arbeit wahrscheinlich der erste Grüne überhaupt“.