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Landesmuseum Bonn: Die Bronzestatuen der Römer

Landesmuseum Bonn : Die Bronzestatuen der Römer

Dass der römische Kaiser Gordian III. gerade einmal sechs Jahre (238 - 244) an der Macht sein sollte, hatten sich die Bronzegießer schon damals gedacht. "Sein Kopf wurde an die Statue nur angenietet, damit er leicht ausgewechselt werden konnte", sagt Frank Willer. Der Restaurator und seine Frau Susanne Willer, Referentin für römische Archäologie im Bonner Landesmuseum, haben in den vergangenen Jahren mehr als 4000 Fragmente von Bronzestatuen untersucht.

"Dadurch haben wir einen ganz neuen Einblick in die römische Epoche und das Bronzehandwerk bekommen", sagt Frank Willer.

Bisher wusste man nicht, dass die bronzenen Statuen von Göttern, Herrschern oder einflussreichen Privatpersonen nicht nur am Mittelmeer, sondern auch nördlich der Alpen produziert worden waren. "Wir können nun mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass die Menschen auf regionale Handwerker zurückgegriffen haben", sagt Willer.

Bei der aufwendigen Analyse der Fragmente stellten die Forscher fest, dass die Materialien für die Legierung Bronze, hauptsächlich Kupfer und Zink, entweder aus Deutschland oder den französischen Alpen kamen. "Bei Mainz verlief eine Nord-Süd-Grenze", weiß Willer.

Der einfache Grund dafür sei die Wirtschaftlichkeit: Es wäre kaum möglich gewesen, eine meterhohe Reiterstatue unversehrt von Italien in die römische Provinz zu transportieren.

Interessante Erkenntnisse über die Verarbeitung brachte auch die Computertomographie: Mit Röntgenstrahlen durchleuchtete das Forscherteam des Landesmuseums den Gordian-Kopf und konnte so in dessen Inneres schauen. Weil er um 295 im Castell Niederbieber völlig zerstört wurde, hatten Archäologen ihn später restauriert.

"Die alten Handwerksspuren kann man aber noch immer erkennen", sagt Susanne Willer. Weil die Statue mit Bienenwachsformen gegossen wurde, hat das Wachs Spuren in der Bronze hinterlassen.

Eine weitere Technik war, durch die Wachsform eine weitere aus Ton anzufertigen, die dann mit Nieten an der Wachshülle festgehalten wurde. "Die Löcher, die dadurch in der Bronzestatue entstanden sind, besserte man später aus", erklärt Susanne Willer. Während viele der etwas "plumpen" Germanen das mit Bronzeperlen machten, war eine Art Inlay wesentlich eleganter.

"Das funktioniert wie bei der heutigen Zahnmedizin", sagt Frank Willer. In das Loch wurde früher Wachs gedrückt, wodurch ein passgenaues Einlegestück entstand. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden ab März 2014 in einer Ausstellung im Landesmuseum zu sehen. Zudem sollen sie in einer Online-Datenbank festgehalten werden.