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Reformationsjahr in Bonn: Die Frauen in Luthers Schatten

Reformationsjahr in Bonn : Die Frauen in Luthers Schatten

13 Bonnerinnen inszenieren das „Festival der Reformatorinnen“. Eine wichtige Figur in ihrem Stück tritt gar nicht auf die Bühne.

Ein Theaterabend, an dem es nur um die Reformation geht – im Reformationsjahr 2017 klingt das nicht ungewöhnlich. Dass Martin Luther in dieser Inszenierung gar keine Rolle spielt, hingegen schon: Stattdessen haben 13 Bonnerinnen dargestellt, welche Rolle die Frauen in der Bewegung hatten. Die Uraufführung des „Festivals der Reformatorinnen“ fand am Samstagabend im Haus der Evangelischen Kirche statt.

„Frauen waren in der Reformation nicht nur begleitend, sie waren essentiell“, meint Regisseurin Heike Werntgen. „Sie sind in der Geschichte dann leider unter den Tisch gefallen. Dabei sind sie es Wert, gehört zu werden.“ Zu Beginn der Vorstellung stellten sich die historischen „Reformatorinnen“ vor – im Schatten Martin Luthers haben schließlich nur wenige Bekanntheit erlangt. „Wir wollen heute Abend die totgeschwiegenen Frauen vor Ihnen wieder lebendig werden lassen“, leitete Dagmar Gruß die Veranstaltung ein. Die Pfarrerin und Synodalbeauftragte für Frauenfragen des Evangelischen Kirchenkreises Bonn spielt die elsässische Reformatorin Katharina Zell. „Kirchengeschichtsbücher bleiben Märchenbücher, wenn sie die Rolle der Frauen verschweigen – die Reformatorinnen haben mitgedacht und mitgehandelt.“

Verbunden werden die Geschichten der Frauen durch eine Wirtin. In ihrem Lokal treffen die historischen Personen aufeinander, lernen sich kennen, streiten und diskutieren. In ihre Dialoge haben die Frauen viele biografische und geschichtliche Fakten gepackt, teilweise sind Originalzitate eingebaut. Das führt zu einigen umständlichen Formulierungen, ist aber auch lehrreich. Die Publizistin und Reformatorin Argula von Grumbach, gespielt von Stefanie Graner, erklärt etwa: „Es gab schon vor Luthers Übersetzung 18 deutsche Bibelausgaben.“

In den Textbüchern stecke ganz schön viel Arbeit, erzählte Dagmar Gruß. „Jede von uns konnte sich ihre Rolle von einer Liste mit Reformatorinnen aussuchen. Einige Frauen dachten zunächst, sie bekämen dann ein fertiges Textbuch“, sagte sie. „Dabei mussten die Texte erst komplett selbst erarbeitet werden.“ Sie habe dazu etwa die Staatsbibliothek zu Berlin besucht, um historische Dokumente anzusehen. Insgesamt hätten die Frauen sich über ein Jahr intensiv mit den Reformatorinnen beschäftigt.

Die historisch passende Musik kommt von der Gruppe „Anderersaits“: Sie singen und spielen auf einer Harfe, Flöten, Violinen und anderen Renaissance-Instrumenten.