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Kampagne "Rücksicht im Straßenverkehr": Die Gefahr lauert am Straßenrand

Kampagne "Rücksicht im Straßenverkehr" : Die Gefahr lauert am Straßenrand

Die Stadt zieht ein erstes Resümee ihrer Kampagne "Rücksicht im Straßenverkehr". Ziel ist es, Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen für mehr gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr zu sensibilisieren.

17 Zentimeter! So weit stand der rote Kleinwagen mit den Rädern auf dem Bürgersteig. Weil an parkenden Autos auf der Königswinterer Straße in Küdinghoven häufig die Außenspiegel abgefahren werden, war das Fahrzeug in der Parkbucht so weit rechts geparkt, dass es geringfügig auf den kombinierten Geh- und Radweg ragte. Die Stadt zog dort ein erstes Resümee ihrer Herbstaktion im Zuge der Kampagne "Rücksicht im Straßenverkehr".

Marlies Koch von der Fahrradgruppe im Stadtplanungsamt sowie Carsten Sperling vom Stadtordnungsdienst demonstrierten an diesem konkreten Fall, wie die Inhalte der Kampagne vermittelt wird. "Hier blockieren häufig Kurzparker den Radweg", sagte Sperling. "Wir möchten auf die Einsicht der Autofahrer bauen, denn das geschieht meist nur aus Unachtsamkeit und nicht aus böser Absicht."

Die Aktion ist Teil der Kampagne, die das Bundesverkehrsministerium mit der Unfallforschung der Versicherer, dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat und der gesetzlichen Unfallversicherung sowie den Städten Berlin und Freiburg entwickelt hat. Nachdem es dort erprobt wurde, gehört Bonn nun zu den ersten Städten, die das Modell übernommen haben. Ziel ist es, Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen für mehr gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr zu sensibilisieren.

Ziel ist die Reduzierung der Unfallzahlen mit Beteiligung von Radfahrern

"So wollen wir langfristig auch eine Reduzierung der Unfallzahlen mit Beteiligung von Radfahrern erreichen", sagte Koch. Statt mit erhobenen Zeigefinger oder Schuldzuweisungen zu arbeiten, sollten Verkehrsteilnehmer aufgefordert werden, Vorsicht und Rücksicht zu üben und sich von den positiven Ergebnissen überzeugen lassen. Eine Woche lang kontrollierte ein Sondereinsatzteam des Stadtordnungsdiensts gemeinsam mit der Bonner Polizei im gesamten Stadtgebiet gezielt, ob Radwege und Schutzstreifen zugeparkt wurden oder Radfahrer genügend Rücksicht beim Befahren der Fußgängerzonen nehmen. Dabei wurden viele Aufklärungsgespräche geführt, aber auch einige Verwarnungen ausgestellt.

Bei der Auswahl der kontrollierten Straßen und Plätze berücksichtigte man die Auswertung des "Fahrradklimatests" vom vergangenen Jahr. Die seit 2012 jährlich durchgeführte Befragung führt aus Sicht der Radfahrer neben der Königswinterer Straße als am häufigsten zugeparktem Straßenabschnitt den Bertha-von-Suttner-Platz als meistgenannte Gefahrenstelle an. Es folgen die Oxford-, Kaiser-, Bornheimer und Kölnstraße. Bei den gefährlichen Knotenpunkten aus Sicht der Radfahrer steht der Hauptbahnhof an erster Stelle.

Brennpunkt Königswinterer Straße

Die Königswinterer Straße im Bereich der dortigen Volksbank ist als Brennpunkt bekannt, weil dort ein kombinierter Rad- und Fußweg markiert ist, der unterschiedliche Belag aber einen für beide Gruppen getrennt verlaufenden Weg suggeriert. Dazu kommt, dass die Angst vor abgefahrenen Außenspiegeln nicht ganz aus der Luft gegriffen ist. "Das können Sie hier fast täglich beobachten", berichtete ein Anwohner, der die Kontrolle vom Fenster aus verfolgte.

Ob solche massive und unterschwellig aggressiv wirkenden Gardinenpredigten, wie sie sich der Halter des roten Wagens von einem der Fahrradpolizisten anhören musste, allerdings wirklich die Einsicht im Sinne der Aktion steigern können, schien wohl auch Sperling zu bezweifeln. Nach einer kurzen Intervention versprach er in Abstimmung mit dem Beamten, ein bereits ausgesprochenes Bußgeld wieder rückgängig zu machen. Bleibt zu hoffen, dass trotzdem die Einsicht überwiegt.

Der Fahrradklimatest 2015 läuft noch bis 19. Oktober. Weitere Infos auf www.bonn.de/@radverkehr