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Kultur- und Wissenschaftszentrum: Die Geschichte des Bonner Joseph-Woelfl-Haus

Kultur- und Wissenschaftszentrum : Die Geschichte des Bonner Joseph-Woelfl-Haus

Alles dreht sich um Musik: Das Joseph-Woelfl-Haus an der Meßdorfer Straße ist ein bedeutendes Kultur- und Wissenschaftszentrum. Die Eigentümer widmen sich dabei dem Leben und Werk des Wiender Komponisten.

Jeder Winkel erzählt Geschichte: Der prächtige Festspielsaal im Hof, der Dachboden, auf dem einst mäusesicher Getreide lagerte, oder die Einrichtungen im Kaisersalon, in der Wiener Bauernstube oder der Frankenstube. "Die Vergangenheit ist hier allgegenwärtig", sagt Hermann Dechant und öffnet lachend die Tür seines Jahrhunderte alten Hauses an der Messdorfer Straße.

Einst wurden hier die Pferde für die Thurn-und-Taxis-Post auf dem Weg nach Trier gewechselt, später Kartoffeln und Karotten in der Gemüseputzhalle gewaschen, und in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts sorgte die singende Wirtin der Gastwirtschaft als "Callas von Messdorf" für Aufmerksamkeit weit über den Ort hinaus.

Dieser Tradition sind die heutigen Besitzer treu geblieben. Denn hier dreht sich immer noch alles um die Musik. Schließlich haben Margit Haider-Dechant und Hermann Dechant dort nicht nur ein neues Zuhause gefunden. Sondern sie haben hier das Joseph-Woelfl-Haus als Kultur- und Wissenschaftszentrum geschaffen, um einem breiten Publikum das Leben und Werk des Wiener Komponisten (1773-1812) zu vermitteln und gleichzeitig zu erforschen.

2015 gründete Haider-Dechant dann die Joseph-Woelfl-Gesellschaft Bonn mit derzeit 180 Mitgliedern. "Er wird viel zu wenig wahrgenommen. Zu Lebzeiten wurde er von 120 Verlegern verlegt, mehr noch als Haydn und Beethoven." Der Wiener Komponist sei nicht so populär wie seine Kollegen Mozart und Beethoven, weil er sich nicht als Nationalkomponist profiliert habe, erläutert die Pianistin. Er wirkte in fünf Ländern und sprach sechs Sprachen: "Er war der erste europäische Komponist."

Musikerpaar lebte in Wien

Viele Jahre hat das Musikerpaar in Wien gelebt. "Beethoven ging von Bonn nach Wien, und wir kamen eben von Wien nach Bonn", sagt die Konzertpianistin Haider-Dechant und schmunzelt. Über Beethoven hätten sie einst ihre Liebe zur klassischen Musik entdeckt. Auch alle wichtigen Wirkungsstätten Woelfls wie Paris und London seien schnell erreicht.

Bei der Suche nach dem passenden Domizil in der neuen Heimat hat allerdings nicht das historische Gebäude den Ausschlag geben, "sondern der prächtige Garten", so Hermann Dechant. "Ich habe im Internet Bilder vom Hof und dem verwilderten Garten gesehen und zu meinem Mann gesagt, das nehmen wir", erinnert sich die Musikwissenschaftlerin. Das war 2009, als das Ehepaar Bonn als neuen Wohnort auserkoren hatte.

Hermann Dechant – Dirigent, Flötist, Musikwissenschaftler, Komponist und Musikverleger – kannte die Rheinmetropole bereits sehr gut. Mit den Bamberger Sinfonikern sowie als Studienleiter des Bundesjugendorchesters war er regelmäßig hier. Seine Frau, Konzertpianistin, Musikwissenschaftlerin und Professorin, musste er nicht lange überzeugen. "Beethoven hat meine Liebe zum Klavier geweckt. Natürlich hatte seine Geburtsstadt für mich einen ganz besonderen Reiz", erläutert sie.

Neuer Lebensabschnitt startete holprig

Allerdings startete der neue Lebensabschnitt im Rheinland für die beiden holprig. "Wir kamen mit zehn Tonnen Büchern, drei Klavieren, einer Orgel und einem Cembalo von Wien hierhin. Aber der Umbau war noch nicht fertig", erinnert sich Margit Haider-Dechant. Drei Wochen lang lebte das Paar in einem Hotel in Rheinbach, bis der erste Raum in der ehemals guten Stube bezugsfertig war. Nach und nach wurde der ganze Hof restauriert.

Aus der Gemüseputzhalle wurde ein Festsaal, geschmückt mit einer Rekonstruktion eines Woelfl-Porträts. Dort wie im Hof finden Konzerte statt. "Die Bonner sind ein wirklich aufgeschlossenes Publikum." Eine Herzensangelegenheit für das Ehepaar ist die Jugend. Hermann Dechant leitete das Bundesjugendorchester 20 Jahre lang, seine Frau lehrte an der Musikhochschule Linz.

"Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung wollen wir talentierte junge Musiker fördern", so die Dozentin. "Und wir wollen Kunst humorvoll aufarbeiten, mit Menschen länderübergreifend ins Gespräch kommen und Bonn als Stadt des Klaviers bekannt machen." Dazu zählt auch, dass sich die Woelfl-Gesellschaft am Programm des Beethoven-Jahres beteiligen wird.