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Informationsabend für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit: Die Stadt muss 837 Menschen unterbringen

Informationsabend für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit : Die Stadt muss 837 Menschen unterbringen

250 Bonner kommen zum Informationsabend für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit in den Ratssaal.

Menschen sitzen auf dem Boden, bevölkern die Treppe, lehnen sich an die Wände an oder stehen in den Türen. Glücklich sind diejenigen, die einen der komfortablen Sitzplätze mit Tisch im Ratssaal des Bonner Stadthauses bekommen haben. Der große Andrang beim Informationsabend für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit zeigte deutlich, wie groß die Bereitschaft der Bonner ist, sich zu engagieren.

"Mit einem solchen Ansturm haben wir nun wirklich nicht gerechnet und es kommen noch immer mehr. Heute schauen wir mal darüber hinweg, dass die Fluchtwege verschlossen sind", sagte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch angesichts von rund 250 Bürgern - und kündigte gleich zu Beginn eine zweite Auflage an.

Dann ging es nicht nur um die Frage, wie und wo man sich engagieren kann, sondern auch um harte Fakten. Kurt Berger, Leiter des Amtes für Soziales und Wohnen, hatte Zahlen mitgebracht: "Aktuell müssen wir hier in Bonn 837 Flüchtlinge unterbringen, diese Zahl ist vom vergangenen Montag und damit ganz frisch." Das Gros der Flüchtlinge komme aus Syrien, Serbien und Albanien nach Bonn. Ingesamt stammten die Flüchtlinge, die in der Bundesstadt leben, aus 36 Nationen. Die Bonner seien daran gewöhnt, Flüchtlinge aufzunehmen: "In Bonn variierte die Zahl der hier lebenden Flüchtlinge immer stark. In den 1990er-Jahren lebten hier zeitweise 3000 Flüchtlinge in 36 Übergangswohnheimen. 2011 hatten wir für 60 Flüchtlinge zwei Übergangsheime - seit 2012 steigt die Anzahl der Flüchtlinge wieder stark an", berichtete Berger.

Generell verfolge die Stadt das Prinzip, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen, möglichst verteilt auf das gesamte Stadtgebiet. Der "enge Wohnungsmarkt" sei allerdings nicht gerade förderlich, geeignete Unterkünfte für die Flüchtlinge zu finden. "Es gibt zwar viele leere Häuser, die aber leider nicht den Vorgaben entsprechen", schilderte Amtsleiter Berger. Außerdem seien aktuell mehr als 3000 Menschen in der Bundesstadt als wohnungssuchend vorgemeldet. Berger erklärte den Zuhörern außerdem, wie die Verteilung von Flüchtlingen auf die Bundesländer nach dem sogenannten "Königsteiner Schlüssel" geregelt ist.

Michael Wald, Leiter des städtischen Ausländeramtes, erläuterte den Ablauf von Asylverfahren und Coletta Manemann, Integrationsbeauftragte der Stadt, hob die große Bedeutung ehrenamtlicher Tätigkeit hervor, die auch in der Flüchtlingsbetreuung unentbehrlich sei.

Im Anschluss stellten sich mehr als zehn Initiativen vor und warben um Ehrenamtler. Später gab es im Foyer die Gelegenheit, sich im persönlichen Gespräch noch näher informieren zu lassen. Das Fazit: Wer sich in Bonn für Flüchtlinge engagieren möchte, sieht sich einem großen Angebot verschiedener Vereine und Organisationen gegenüber.

So gibt es beispielsweise das Netzwerk Syrienhilfe, Yasa für die Förderung der Kultur, die Beueler Initiative gegen Fremdenhass, den Ökumenischen Arbeitskreis der Gemeinden Endenich, das Patenmodell Dransdorf, Refugees Welcome, MediNetz Bonn, Soroptimist International, die Flüchtlingshilfe Syrien der Evangelischen Johannes-Kirchengemeinde Bad Godesberg, die "Safe me"-Kampagne oder auch Amnesty International Bonn.

Die Kontaktadressen der Vereine und Organisationen finden sich im Internet. Außerdem soll seitens der Stadt ein weiterer Informationsabend für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit stattfinden.