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Kommentar zum Plakatstreit im Beueler Zoch: Die Stimme des Volkes

Kommentar zum Plakatstreit im Beueler Zoch : Die Stimme des Volkes

Die Kontroverse um das Plakat-Verbot für die Realschule Beuel beim Umzug an Weiberfastnacht hält an. Auch innerhalb der Bonner Parteien.

Vox populi – die Stimme des Volkes: Sie hat im Karneval eine besondere Bedeutung. Die Figur des Narren stellt in ihrem Ursprung die politische Ordnung in Frage. So referiert es auch der Festausschuss Bonner Karneval in seinen Erklärungen, wie Politik und Karneval seit dem 15. Jahrhundert in engem Zusammenhang stehen. Die historischen Wurzeln der Karnevalisten liegen also in der zugespitzten Botschaft. Und diesen Kern der Narretei hat die Stadtverwaltung angerührt, in dem sie de facto eine Zensur herbeigeführt hat, als sie der Realschule das Zeigen von Asbest-Plakaten verboten hat.

Ob es nun die Zugleitung oder die Bezirksverwaltungsstelle waren, die das Verbot ausgesprochen oder benannt haben, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Mit dem Satz „Narrenwort ist frei, und die Meinungsfreiheit ist ein sehr hohes Gut“ unterstreicht der Oberbürgermeister im Grunde dieses Privileg der Bürger. Und er sollte künftig dafür Sorge tragen, dass derlei Eingriffe in die Meinungsfreiheit nicht mehr im einzigen von der Stadt organisierten Umzug in Beuel erfolgen.

Natürlich gibt es Grenzen des guten Geschmacks und es mag ein schmaler Grat sein herauszufinden, wo sie genau liegen. Der politisch-moralische Kompass sollte auch im Karneval funktionieren. Über die einseitigen Schuldzuweisungen der Beteiligten in Richtung des Bezirksbürgermeisters Guido Déus und die CDU braucht man gar nicht groß zu streiten. Letztlich war es eine Ratsmehrheit, die den bei Teilen der Schulgemeinde ungeliebten Beschluss des Umzugs der Schule aus ihrem sanierungsbedürftigen Gebäude in die einstige Anne-Frank-Schule in Vilich beschlossen hat. Die Botschaft ist also unpräzise. Aber Satire bedeutet immer Überspitzung. Und für die Karnevalstage muss man fünfe auch mal gerade sein lassen.

Es ist im konkreten Fall überdies so, dass die Stadt angibt, das angemeldete Motto der Realschule „Wir haben ein neues Nest, leider voller Asbest“ bereits als zu weitgehend empfunden zu haben. An dieser Stelle handelt es sich um eine Tatsachenbeschreibung, denn der Schadstoff ist ja – wenn auch in gebundener, also nicht direkt gesundheitsgefährdender Weise – tatsächlich in den Mauern der ehemaligen Hauptschule verbaut und nachgewiesen worden.