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Bauprojekt am Bonner Bahnhof: Die Südüberbauung leert sich

Bauprojekt am Bonner Bahnhof : Die Südüberbauung leert sich

Mit dem Abriss des Gebäudes will Investor Ten Brinke im Januar beginnen. Die Alteigentümer machen jetzt Räumungsverkauf oder ziehen um. Die Passage im Bonner Loch ist ebenfalls schon fast leer.

In der Praxis von Zahnarzt Sven Hupfauf stapeln sich die Umzugskartons. Nach 25 Jahren lässt er die Südüberbauung hinter sich und zieht mit seinem Team in die Fürstenstraße. Die Hausnummer 2 bleibt, ebenso die zentrale Lage. „Ich bin ein Innenstadtmensch, insofern fällt mir der Umzug leicht“, sagt Hupfauf.

Er ist einer der 38 Eigentümer, die ihre Flächen inzwischen zu 100 Prozent an Investor Ten Brinke verkauft haben. Albert Ten Brinke habe „mit viel Geschick und zum richtigen Zeitpunkt“ gehandelt, findet Hupfauf. Der Zahnarzt hätte der Bausünde Südüberbauung durchaus eine zweite Chance gegeben: mit neuer Fassade und einer großen Handelsfläche im Erdgeschoss. Solche Ideen ließen sich aber nicht umsetzen.

Nun sind die letzten Wochen des Mitte der 1970er Jahre errichteten Gebäudes eingeläutet. „Wir rechnen fest damit, dass der Abriss Mitte bis Ende Januar beginnen kann“, sagt Moritz Tank, Projektleiter bei Ten Brinke. Zurzeit laufen noch Abstimmungen mit Stadt und Stadtwerken. Erste Arbeiten im Inneren des Gebäudes sollen im November beginnen.

„Ich bin gerne in diesen Räumen gewesen. Hier oben ist es einfach schön; wir haben eine wunderbare Aussicht“, sagt Sven Hupfauf. Wer die schmuddelige Passage im Erdgeschoss der Südüberbauung hinter sich gelassen hatte, betrat eine helle, moderne Praxis mit viel Kunst an den Wänden. Die farbenfrohen Werke ziehen ebenfalls mit um. Nur die Eisenbahn, die unter der Decke fuhr und große und kleine Patienten ablenkte, passt nicht in die neue Praxis, weil die Räume niedriger sind. „Da müssen wir ein neues Kunstwerk schaffen“, sagt der Zahnarzt.

Am 9. November findet die erste Sprechstunde an der Fürstenstraße statt. Wie es am Bonner Bahnhof weitergeht, das wird der Zahnarzt bei seinem täglichen Weg durch die Innenstadt aufmerksam verfolgen.

Brautroben bald in Mehlem?

Auch Nachbarn bereiten sich auf den Auszug vor. In den Fenstern von Prestige Braut- und Abendmoden weisen große Schilder auf den Räumungsverkauf hin. Erst vor drei Jahren hat Inhaberin Virginia Czory das Traditionsgeschäft übernommen. Wer die große Robe oder den Traum in Weiß suchte, der steuerte das Geschäft in der Südüberbauung an. „Die Kunden kannten uns. Wir sind noch bis zum 31. Oktober hier, dann müssen wir leider ausziehen“, sagte die Inhaberin. In der Bonner Innenstadt habe sie keine geeigneten Räume gefunden. „Wir brauchen für die Kleider viel Platz, deshalb muss die Location groß genug sein.“ Zurzeit denkt Czory über einen Umzug nach Mehlem nach.

Die Internetseite des Hotels Continental ist noch aktiv, es lassen sich allerdings keine Zimmer mehr buchen. Nach GA-Informationen ist der Hotelbetrieb seit Ende der vergangenen Woche eingestellt. Hotelgäste können auf die beiden Partnerhotels, den Kaiserhof in Bad Godesberg und das Hotel Domizil an der Thomas-Mann-Straße, ausweichen.

Noch kein neuer Standort für Cala-Dor

Neben dem zum Busbahnhof hin gelegenen Imbiss City-Pick wird den Nachtschwärmern bald auch eine weitere Snack-Institution fehlen: die Mini-Pizzeria Cala-Dor, die ihr Domizil im Erdgeschoss der Südüberbauung hat, und das schon fast von Anfang an. „Seit 1980 sind wir hier“, sagt Mitarbeiter Menelaos Papachristos. „Unsere Kunden sind traurig, dass bald Schluss ist.“ Sein Chef suche nach einem neuen Standort.

Auch die Passage unten im Bonner Loch hat sich bereits deutlich geleert. Neben einem Friseur und dem Kiosk ist weiterhin die Wache Gabi als gemeinsame Anlaufstelle von Polizei und Stadtordnungsdienst zu finden. Der Umzug in die Cassiusbastei ist laut Presseamt der Stadt für Januar geplant. Ende Januar sollen die Räume im Bonner Loch leer sein.