Graffiti-Projekt für junge Geflüchtete Die triste alte Post wird bunt

Nordstadt · Das ehemalige Postareal in der Nordstadt verwandelt sich in bunte Gemälde. Junge Geflüchtete machen das mit der Unterstützung professioneller Künstler. Und haben sich bei den Motiven einiges gedacht.

Die jungen Sprayer bei der Arbeit: Bald wird von der tristen Optik der Mauer nichts mehr zu sehen sein.

Die jungen Sprayer bei der Arbeit: Bald wird von der tristen Optik der Mauer nichts mehr zu sehen sein.

Foto: Elisa Wendorf

Die einst tristen Außenwände des ehemaligen Postareals in der Bonner Nordstadt bekommen ein neues Flair: Seit Montag besprühen junge Geflüchtete mit der Unterstützung professioneller Künstler die über 120 Quadratmeter große Fläche an der Ecke Dorotheenstraße und Kaiser-Karl-Ring mit Graffiti. Mit den Motiven drücken die Jugendlichen, die nun in und um Bonn herum leben, ihre Erfahrungen und Sehnsüchte rund um ihre Flucht und das neue Leben in Deutschland aus.

Initiiert wurde das Projekt vom Verein „Lachen verbindet“ aus Bonn, mit dem Leitmotiv, das interkulturelle Zusammenleben in der Stadt zu voranzubringen. Laut Vereinsmitgründer Jakob Hackenberg eigne sich Graffiti dafür besonders gut, „weil es sprachenübergreifend ist. Die Geflüchteten haben die Möglichkeit, das Erlebte dadurch bildlich darzustellen und zu verarbeiten, und sich durch ein Bild, das im öffentlichen Raum sichtbar ist, besser mit dem Stadtteil zu identifizieren“.

Zugang zur Wandfläche des ehemaligen Postareals erhielten die Teilnehmer durch die Eigeninitiative von Hackenberg, der den neuen Eigentümer des Grundstücks fragte, ob sie die Fläche nutzen könnten und daraufhin eine Zusage erhielt. Gefördert wird das Projekt von der Hans-Riegel-Stiftung. Mitarbeiter der Graffiti-Agentur Highlightz und freischaffende Künstler aus der Region unterstützen die Jugendlichen beim Besprühen der Wände.

Die Bildideen entstanden in einem vorangegangenen Workshop mit jungen Menschen aus Syrien, Iran, Afghanistan und der Ukraine, die bereits unterschiedlich lange in Bonn leben. Gemeinsam sprachen die die 14- bis 22-Jährigen über die Themen, die sie in ihrer neuen Heimat beschäftigen. Dazu zählen Gemeinschaft, der Rhein, aber auch Umweltverschmutzung und der Klimawandel.

Ein Fluss erstreckt sich über die ganze Wand

Entstanden sind zahlreiche bunte Motive: vom Fluss, der sich über die ganze Wand erstreckt und ins Meer mündet, über eine Friedenstaube bis hin zu einem Baum und einer Hand, die sinnbildlich für die Sorge um die Natur stehen. Eine ganz besondere Bedeutung hat das von einer 14-jährigen Ukrainerin entworfene Motiv der Musiknoten des Liedes, das sie während ihrer Flucht nach Deutschland gehört hat.

Zum Besprühen der Wände in dieser Woche kamen bereits neue Jugendliche dazu. Besonders motiviert dabei war der 17-Jährige Mojtaba. Er kommt aus Afghanistan und lebt seit vier Monaten in Deutschland. Über Freunde, die am vorangegangenen Workshop teilgenommen haben, ist er auf die Aktion aufmerksam geworden. Momentan lebt er in Düren, für das Projekt nimmt er die Fahrtzeit nach Bonn gerne in Kauf.

Auch der 19-jährige Syrer Walid hat großen Spaß am Projekt. Er lebt seit etwas über einem Jahr in Deutschland und besucht die Abendrealschule. Er hat die Motive mit entwickelt.

Noch bis Freitag werden die Wände mit den Erfahrungen und Sehnsüchten der Jugendlichen bemalt. Der Spruch, der sich über die gesamte Wand entlang erstrecken wird, lässt sich jedoch schon jetzt erahnen: „Wir machen bunt!“.

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