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Diplomatenschule in Bonn: Neue Nutzung - Ausbildungsstätte des Zolls

Ausbildungsstätte des Zolls : Neue Nutzung für ehemalige Diplomatenschule in Bonn steht fest

Viel wurde über die Nutzung der ehemaligen Diplomatenschule in Bonn diskutiert, viele Jahre stand das Anwesen leer. Nun ist die Zukunft geklärt: Der Zoll richtet dort eine Aus- und Fortbildungsstätte ein.

Viele Jahre stand die ehemalige Aus- und Fortbildungsstätte des Auswärtigen Amtes im Gudenauer Weg in Ippendorf leer, die Zukunft war unklar. Nun steht fest: Die frühere Diplomatenschule wird eine von sechs neuen Aus- und Fortbildungsstätten der Zollverwaltung des Bundes. Wie der Zoll am Mittwoch mitteilte, sollen an dem Standort perspektivisch mehr als 70 Beschäftigte eingesetzt und jährlich rund 275 Anwärter aus- und fortgebildet werden. Neben Bonn entstehen auch in Hanau, Hamburg, Roth sowie in den ostdeutschen Städten Erfurt und Rostock neue Standorte. In Leipzig wurde der Ausbildungsbetrieb bereits im August 2019 aufgenommen. „Das ist ein gutes Signal für den Osten und eine kluge Investition in die Zukunft des Zolls“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Der Zoll will in den kommenden Jahren rund 9000 neue Beschäftigte einstellen. Die Anzahl der Neueinstellungen habe sich vor dem Hintergrund wachsender Aufgaben erhöht, teilte der Zoll mit und nennt den Brexit, die Mindestlohnkontrollen sowie die Bekämpfung von Schwarzarbeit und Geldwäsche als Beispiele. Daher müssten nun auch neue Ausbildungskapazitäten geschaffen werden.

Ehemalige Diplomatenschule als Unterkunft und Drehort

Die langfristige Nutzung des Anwesens, das der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gehört, war lange ungewiss, Diskussionen gab es immer wieder. Nach Verlegung des Regierungssitzes 1999 von Bonn nach Berlin zog die Aus- und Fortbildungsstätte zum Jahresbeginn 2006 ebenfalls in die neue Hauptstadt. Rund elf Jahre lang stand das Gebäude schließlich leer. Von 2016 bis 2019 hatte der Bund die ehemalige Diplomatenschule der Stadt Bonn zur Unterbringung von Flüchtlingen überlassen. Seitdem stand es nach Bima-Angaben erneut leer. Zumindest temporär wurde das Anwesen genutzt: Im vergangenen Sommer teilte die Bima mit, dass das Anwesen als Kulisse für die dritte Staffel der deutschen Neflix-Serie „How to sell drugs online (fast)“ dienen soll.

Das Stichwort „ehemalige Diplomatenschule“ fiel zuletzt auch immer wieder in der Diskussion um sozialen Wohnungsbau in der Stadt. Die Bürgerinitiative, die sich gegen die Bebauuung am Melbbad aussprach, brachte im vergangenen Jahr die Diplomatenschule als Alternative ins Spiel und nannte sie einen „idealen Standort für die Beschäftigten des Klinikums“.

Dörner: „Eine gute Nachricht für Bonn“

Nun wird die ehemalige Lernstätte jedoch erneut ein Ort für Aus- und Fortbildungen. Für Oberbürgermeisterin Katja Dörner „eine gute Nachricht für Bonn“, wie sie in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert wird. „Ich bin froh, dass nun der Dornröschenschlaf der ehemaligen Diplomatenschule auf dem Venusberg absehbar ein Ende hat und die Liegenschaft sehr hochwertig genutzt wird“, sagte Dörner und bedankte sich beim Bundesfinanzministerium sowie allen Beteiligten, „dass sie Bonn als zweites politisches Zentrum der Bundesrepublik weiter stärken“. Ähnlich äußert sich der Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann (SPD): „Das ist auch angesichts der Diskussion um das Bonn-Berlin-Gesetz ein wichtiges Zeichen für die Region.“

Für Katja Dörner passt die Ausbildungsstätte gut in das Profil Bonns als Bildungsstandort. „Ich bin sicher, dass sich aus den vielfältigen Bildungseinrichtungen in Bonn Synergien ergeben, von denen alle profitieren.“ Als Erfolgsfaktor sieht sie auch die Nähe zum Hauptsitz der 2016 gegründeten Generalzolldirektion mit mehr als 400 Beschäftigten, die am Propsthof angesiedelt ist.

Starttermin noch unklar

Wann der Betrieb der neuen Zollschule in Bonn aufgenommen werden kann, ist noch unklar. Auch zu möglichen Umbauarbeiten des Gebäudes konnte der Zoll noch keine Angaben machen. „Aussagen zum Umfang der jeweiligen Investitionsmaßnahmen und zu den Fertigstellungszeitpunkten sind derzeit noch nicht möglich“, sagte Dietmar Zwengel vom Hauptzollamt. Für nähere Angaben müssten zunächst die im Haushaltsrecht vorgegebenen Verfahren abgeschlossen werden. „Dieser Prozess ist bereits eingeleitet“, sagte er.