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Geschwindigkeitsbegrenzung vor Schulen: Diskussion über ein generelles Tempo 30

Geschwindigkeitsbegrenzung vor Schulen : Diskussion über ein generelles Tempo 30

Weniger Gefahren durch langsames Fahren und weniger Lärm: Dies ist für viele Grund genug, sich für ein Limit von 30 Stundenkilometern in Bonn einzusetzen.

Damit hatten sich die Politiker schon mehrfach auseinandergesetzt, zuletzt ging es vor einem Jahr um den (vertagten) Plan, auf vier Bonner Straßen eine Temporeduzierung ein Jahr lang zu testen und zu messen, ob es auch leiser wird. Neuen Schwung bringt nun die Verkehrsministerkonferenz (VMK) in die Sache, die die Ausweitung von Tempo 30 in geschlossenen Ortschaften diskutiert. Das hätte auch Auswirkungen für Bonn.

Lärmschutz und Sicherheit

Unter dem Motto "Verbesserung des Miteinanders von Mensch und Verkehr" hat die VMK vor wenigen Tagen in Rostock beschlossen, dass es einfacher werden soll, Tempo 30 in Städten einzurichten. Neben Lärmschutz hat sie vor allem die Sicherheit speziell vor Schulen, Kindertagesstätten, Altenheimen und Krankenhäusern im Blick. Die VMK hält es für notwendig, dafür die straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften zu ändern. Eine Arbeitsgruppe soll nun bis Herbst mögliche Gesetzesänderungen ausarbeiten.

"Vor Schulen und Seniorenheimen gibt es in Bonn bereits überwiegend Tempo 30, außer an wenigen Hauptverkehrsstraßen", teilt Stefanie Zießnitz vom Presseamt der Stadt auf Anfrage mit. Vor Kindergärten und Krankenhäusern sei das bisher mangels gesetzlicher Grundlage nicht geprüft worden, "denn bislang geht es bei Tempo 30 immer um die Personenkreise, die selbstständig am Verkehr teilnehmen". Kindergartenkinder würden ja von Erwachsenen in die Einrichtung gebracht.

Vor Schulen immer Tempo 30?

Es stellt sich die Frage, ob sich Tempo 30 grundsätzlich vor Schulen einrichten ließe. Das würde etwa eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der B 9 (Adenauerallee) vor dem Beethovengymnasium bedeuten. Die Stadt hält sich bei solchen Ausnahmefällen zurück und will erst auf eine gesetzliche Grundlage warten, die Tempo 30 an innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen vorschreibt.

Grundsätzlich denkt die Verwaltung, dass Tempo 30 zu geringeren Durchschnittsgeschwindigkeiten, damit zu kürzeren Bremswegen und dadurch zu weniger Unfällen und deren Folgen führt. Es sei aber auch so, dass an Schulen oder Krankenhäusern, wo Tempo 50 gilt, keine Unfallauffälligkeiten bestünden. "Bei der Lärm- und Abgasminderung bestehen Zweifel, da das bei geringen Geschwindigkeiten in erster Linie von der Drehzahl abhängig ist", so die Stadt.

Unfälle wären weniger schwer

Wenn langsamer gefahren wird, reagieren Autofahrer schneller und kommen schneller zum Stehen. "Unfälle sind dann auch durchweg weniger schwer", sagt der Bonner Polizeisprecher Robert Scholten. Ihm ist vor allem wichtig, dass die Autofahrer, die zu schnell unterwegs sind, ihr Verhalten ändern. Und: Eltern sollten ihre Kinder möglichst nicht mit dem Auto direkt vor die Schule bringen. "Überall wo es schwächere Verkehrsteilnehmer gibt, ist langsames Fahren sinnvoll", sagt Scholten.

Sich mit einem generellen Tempo 30 in Städten zu beschäftigen, hält Hartwig Lohmeyer (Grüne) für sinnvoll, "da die Autofahrer dann wissen, worauf sie sich einstellen müssen". Die Städte hätten es dann einfacher, diese Geschwindigkeitsbegrenzung für Straßen durchzusetzen, außerdem könne der Schilderwald gelichtet werden.

Generelles Tempolimit in Städten?

Mit anderen Worten: Tempo 30 würde Regelgeschwindigkeit, alles andere zur Ausnahme. Das kann sich auch Bärbel Richter (SPD) gut vorstellen. Die Autos wären dann zwar langsamer unterwegs. Aber weil der Verkehr dann besser fließe, bräuchte man kaum länger, um von A nach B zu kommen. Voraussetzung sei aber, dass sich jeder ans Tempolimit hält.

Generelles Tempolimit hätte auch Nachteile

Das sieht Werner Hümmrich (FDP) anders: 30 Stundenkilometer in der Stadt würde nicht nur die Autofahrer, sondern auch Bus und Bahn ausbremsen, "was den Nahverkehr unattraktiv macht". Nachteile gebe es dann auch für Taxikunden, die vielleicht mal schnell zum Arzt müssten. Hümmrich denkt, dass Bonn zurzeit eine gute Lösung hat, bei der schnelles Fahren vor Kitas und Schulen meist nicht erlaubt ist.

Bei Krankenhäusern gehe es um Lärmvermeidung - ein Thema, was man noch anpacken müsste. Flächendeckend Tempo 30 in der Stadt hält Georg Fenninger (CDU) dagegen für zu langsam, obwohl es ja schon etliche solcher Zonen gebe. Aus den Niederlanden kennt er Tempo 40: "Das lasse ich mir noch gefallen."

Testphase in Bonn

Die angedachte Bonner Testphase für Tempo 30 betrifft die Königswinterer Straße zwischen Auf dem Grendt und Rastenweg, die Servatiusstraße/Bernkasteler Straße zwischen Schwalbengarten und Friesdorfer Straße sowie Auf dem Hügel zwischen Hermann-Wandersleb-Ring und Am Probsthof außerdem An der Josefshöhe von Kölnstraße bis Herseler Straße.

Nach Angaben der Stadt kommt das Thema, das auf einen SPD-Antrag zum langsameren Fahren bei Nacht zurückgeht, wohl im November wieder auf die Tagesordnung. Nach Angaben von Fenninger und Lohmeyer müsse aber noch einmal beraten werden, ob nicht andere Straßen für den Test ausgewählt werden müssen.