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Drei Bonner wurden mit Drogen im Koffer gefasst

Drei Bonner wurden mit Drogen im Koffer gefasst

Drei Männer sitzen seit Ende Dezember in Malaysia im Gefängnis. Sie waren mit synthetischen Drogen im Gepäck am 31. Dezember festgenommen worden

Es sprach sich in Tannenbusch wie ein Lauffeuer herum: Drei junge Bonner sind mit synthetischen Drogen im Gepäck am 31. Dezember in Malaysia festgenommen worden. Nun sitzen sie im Gefängnis und ihnen droht die Todesstrafe.

Rund um das Tannenbusch-Center scheint jeder die Gerüchte zu kennen, wenngleich zwei Geschichten die Runde machen. Das Trio - zwei Deutsche aus Einwandererfamilien und ein Marokkaner - wollte von der Türkei aus angeblich Pässe nach Malaysia schmuggeln. Am Flughafen sollen sie angesprochen worden sein: Sie hätten ja so wenig Gepäck, ob sie einen Koffer mitnehmen könnten. "Das haben sie gemacht, sind kontrolliert worden und dann kam raus, dass in dem Koffer vier Kilogram Crystal waren", schildert ein guter Bekannter des Trios, der nicht genannt werden will.

Das ist die Geschichte, die die eine Hälfte der Tannenbuscher erzählt. Die andere schildert den Fall anders: Die drei (23, 24 und 25 Jahre alt) sollen den Drogenschmuggel von der Türkei nach Malaysia geplant haben, in der Hoffnung "'ne Million zu machen". Natürlich hätten sie angegeben, dass ihnen der Koffer untergeschoben worden sei. "Wenn man mit Drogen erwischt wird, sagt man doch nicht, dass das der eigene Koffer ist, oder?"

Ob eine der kursierenden Geschichten der Wahrheit entspricht, weiß zurzeit niemand. Fest steht: Die drei wurden in Malaysia wegen angeblichen Drogenschmuggels verhaftet, aber nur zwei haben nach GA-Informationen die deutsche Staatsbürgerschaft. Und nur um die kümmert sich die deutsche Regierung.

"Die Fälle sind dem Auswärtigen Amt bekannt. Die deutsche Botschaft in Kuala Lumpur ist damit befasst, steht mit den Betroffenen und Angehörigen in Kontakt und betreut diese konsularisch. Die Betroffenen werden anwaltlich vertreten", teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes auf GA-Anfrage mit. Weitere Angaben machte sie nicht. Wie der GA erfuhr, sitzen die jungen Männer in Untersuchungshaft. Vertreter des Konsulats sollen sie nach GA-Informationen zu den Verhören begleiten und darauf achten, dass sie korrekt behandelt werden.

Nach Recherchen des GA lebte der 25-Jährige zunächst in Tannenbusch und zog dann nach Lengsdorf. Er ist bisher wegen Drogendelikten nicht aufgefallen, hat allerdings drei Eintragungen unter anderem wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Sein 23-jähriger Kumpel, der in Meckenheim und Bonn zur Schule gegangen ist, ist bei Polizei und Justiz unbekannt, und auch der Dritte im Bunde, 24 Jahre alt und wohnhaft in Tannenbusch, ist noch nicht bestraft worden. Ermittlungen der Drogenfahndung gegen ihn wurden eingestellt.

Vor drei Wochen habe er das letzte Mal mit seinem Sohn gesprochen, sagte der Vater von einem der jungen Männer im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Und er sah sehr unglücklich aus, als er erklärte: Sein Sohn habe nach Amerika in Urlaub fliegen wollen, mehr wisse er nicht.

Für die drei jungen Männer und ihre Angehörigen ist ein Alptraum wahr geworden, denn in Malaysia wird Drogenhandel mit dem Tode bestraft. Laut Amnesty International (AI) ist die Todesstrafe für den Handel mit Drogen ab einer bestimmten Menge sogar zwingend vorgeschrieben. Für Drogenhandel werden laut Amnesty in Malaysia die meisten Todesstrafen verhängt.

Insgesamt wurde die Todesstrafe im Jahr 2010 dort 114 Mal ausgesprochen, hingerichtet wurde im selben Jahr ein Verurteilter. Insgesamt ist die Vollstreckung der Todesstrafe dem Amnesty-Bericht zufolge in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen.