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1600 Menschen auf der Straße: Drei Corona-Demos an einem Abend in Bonn

1600 Menschen auf der Straße : Drei Corona-Demos an einem Abend in Bonn

Am Montagabend sind in der Bonner Innenstadt die „Spaziergänger“ auf zwei Demonstrationen der Ratsfraktionen und der Fridays for Future getroffen. Thema war auch der Einzelhandel: Wegen Fälschungen gelten in Bonn keine 2G-Bändchen mehr.

Die Zahl der Menschen, die montags auf die Straße gehen, steigt: Bei verschiedenen Demonstrationen waren es in der Bonner Innenstadt diesmal rund 1600. Allein die „Spaziergänger“ gegen die Corona-Maßnahmen zogen mit rund 1200 Teilnehmern durch die City zum Hofgarten. Gegen sie stellten sich auf dem Marktplatz das Bündnis der Ratsfraktionen sowie auf dem Münsterplatz die Fridays for Future mit jeweils etwa 200 Personen. Laut Polizei blieb die Situation friedlich.

Großvater durch Corona verstorben

Für eine junge Frau waren die „Spaziergänger“, die auf dem Münsterplatz an ihr vorbeizogen, nur schwer zu ertragen. Die 18-Jährige hat durch das Coronavirus ihren Großvater verloren. Nun stand sie mit dem Megafon in der Hand bei den Fridays, um sich Gehör zu verschaffen. „Ich kann nicht verstehen, wie die Leute nach zwei Jahren Pandemie die wissenschaftlichen Fakten immer noch nicht glauben“, erzählte sie. Darin sieht sie eine Gefahr. „Wer die Wissenschaft in diesem Maße ablehnt und empfänglich für Verschwörungstheorien ist, der kann auch ganz schnell in die nationalsozialistische Richtung abdriften.“

Mit dieser Meinung war sie nicht alleine. Fridays for Future hatte die Versammlung angemeldet, um zu betonen, dass das Leugnen wissenschaftlicher Fakten eine zunehmend größer werdende Bedrohung in der Gesellschaft darstelle. „Wir dürfen nicht zulassen, dass durch eine Minderheit das Vertrauen in die Wissenschaft verloren geht. Zusammen können wir die Coronakrise und die Klimakrise bewältigen. Aber nur, wenn wir auf die Wissenschaft hören und Seite an Seite für unsere Werte einstehen“, sagte Annika Bohlen (24).

Laute Parolen treffen aufeinander

Im Pulk junger Leute klang das pointierter. Immer wieder stimmten sie Sprechchöre an: „Nationalsozialismus raus aus den Köpfen“ und „Wer mit Nazis demonstriert, hat die Krise nicht kapiert“. Die Antwort der „Spaziergänger“ kam prompt: „Nazis raus“, war dort von einigen zu hören. Ein Redner des Bündnisses gegen Rechts nahm diese Situation spontan auf. Wer mit Rechten demonstriere und sich gleichzeitig davon distanziere, sei ein Heuchler.

Auf dem Marktplatz war es ruhiger. Diesmal hatte die CDU zur Kundgebung geladen, die Bonner Ratsfraktionen wechseln sich dabei ab. So ergriffen neben Christdemokrat Guido Déus auch Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne), der Linke Jürgen Repschläger und Paula Erdmann von Die Partei das Wort. Während letztere satirisch „Impf! Impf! Impf!“ forderte, fand Déus zurückhaltendere, aber deutliche Worte. „Wir dürfen denjenigen, die demokratiefeindlich sind, nicht den Platz vor unserem Rathaus überlassen.“ Man wolle nicht alle in einen Topf werfen und Sorgen und Nöte der Menschen ernst nehmen. Aber: „Impfungen und Solidarität sind der Weg aus der Pandemie“, so Déus. Dass es um Leben und Tod gehe, machte die Junge Union im Anschluss an die Reden deutlich. Deren Mitglieder zündeten einige Kerzen an und hielt eine Mahnwache für die Opfer der Pandemie.

Gefälschte 2G-Bändchen und Impfausweise

Auch die Wirtschaft war vertreten. Karina Kröber vom Bonner City-Marketing berichtete von der prekären Lage des Einzelhandels. Hinzu sei nun gekommen, dass die 2G-Bändchen, die man verteilt hatte, um Kontrollen in den Läden zu erleichtern, jetzt nicht mehr nutzen könne. „Wir müssen wieder aufwendiger den Einlass kontrollieren“, erzählte sie. Denn in der Stadt seien gefälschte Bändchen in größerer Menge aufgetaucht. „Deshalb kann ich Sie nur bitten: Wenn Sie jemanden erwischen, der bei Bändchen oder auch Impfnachweisen pfuscht, sagen Sie etwas“, appellierte Kröber.

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