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Dürre und Hitze in Bonn und der Region: Wie Tiere und Pflanzen leiden

Bäume verlieren Blätter : So wirkt sich die Dürre auf Tiere und Pflanzen aus

Die anhaltende Hitze und Trockenheit hat Spuren in der Tier- und Pflanzenwelt hinterlassen: Weil ihnen Wasser fehlt, werfen Bäume ihre Blätter ab. Kröten bekommen kaum Nachwuchs und Bodenlebewesen ziehen sich zurück.

Die rote Farbe auf der Karte des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt es an: In Bonn und der Region herrscht aktuell extreme Dürre, teilweise sogar außergewöhnliche Dürre. Die beiden Fachbegriffe nutzen die Forscher des Zentrums für Umweltforschung für die Beschreibung der Bodenfeuchtigkeit. Und die ist in der Region nun schon im dritten Sommer in Folge außergewöhnlich niedrig. Das zeigt der Dürremonitor des Zentrums auf seinen Karten an.

Die Dürre hat Folgen für die Natur in der Region. Das bestätigt Peter Schmidt, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station Bonn Rhein/Erft auch Naturschutzprojekte durchführt. Die Veränderungen in der Pflanzenwelt seien auch für Laien zu erkennen, sagt er: „Wenn man jetzt durch den Kottenforst geht, dann sieht man, dass Laubbäume schon jetzt Blätter abwerfen.“ Das würden sie wegen Trockenstress und Krankheiten tun. Normalerweise würde der Laubfall erst in zwei Monaten beginnen. Der Waldschadensbericht der Förster zog im Frühling Bilanz nach zwei trockenen Sommern. Demnach war im vergangenen Sommer mehr als jede zweite Fichte in der Region abgestorben. Stefan Brus, der für den BUND in Bonn die naturnahe Wiese in Buschdorf betreut, hat beobachtet, was die Dürre für Pflanzen und Insekten ausmacht: „Die Dürre 18 hat die Sommerblüte vertrocknen lassen. Die Insekten finden dann auch keine Nahrung mehr.“

Dürre ist außergewöhnlich

Laut dem Helmholtz-Zentrum ist die Bodenfeuchte so niedrig wie es zwischen 1951 und 2015 nur in ein bis zwei Jahren vorgekommen ist. Wenn es nach den Regenfällen der vergangenen Woche aktuell auch weniger staubt im Garten, zeigt sich schon jetzt, dass der Boden schon seit langer Zeit weniger Wasser speichert, als wir das aus den vergangenen Jahrzehnten gewohnt sind.

Am Grundwasserpegel zeigt sich die Trockenheit erwartungsgemäß, so der Wahnbachtalsperrenverband. Die Pressestelle sagte auf Anfrage: „Die Grundwasserstände (Grundwasserwerke Untere Sieg in Sankt Augustin-Meindorf und im Hennefer Siegbogen) sind ähnlich wie in den trockenen Jahren 2018 und 2019 und es sind keine dramatischen Absenkungen durch die Trockenheit zu befürchten.

Die Trockenheit wirkt sich auch auf Bäume aus, so Schmidt: „Arten wie die Walnuss zeigen schon jetzt häufiger Pilzbefall. Die Bäume stehen unter Stress.“ Spaziergänger sehen jetzt mehr Licht unter den Baumkronen. Die Bäume haben schon einen Teil ihrer Blätter abgeworfen und nicht nur das, so Schmidt: „Man sieht teilweise schon, dass die Feintriebe von Buchen und Eichen absterben.“ Das können Bäume zwar häufig ausgleichen, es koste aber Energie. Stefan Brus vom BUND sagt: „Die langen Trockenperioden machen es schwer. In den vergangenen Jahren hatten wir sehr trockene Frühjahre. Wenn das Laub gebildet wird, fehlt das Wasser.“

Bäume stehen unter Stress

Die Fichten werden es wohl nicht überleben. Das schätzt auch der Wahnbachtalsperrenverband. Ralph Krämer, Abteilungsleiter Einzugsgebietsschutz, vermutet, dass die Fichten, die auf einem knappen Drittel des 480 Hektar großen Waldes des Verbandes wachsen, in den nächsten drei Jahren völlig vom Borkenkäfer befallen sein und daher sukzessive verschwinden werden. „Aufgrund der Trockenheit und Dürre im dritten Jahr in Folge können die Bäume zur Abwehr der Käfer kein Harz mehr bilden, die Fichten sterben ab. Durch die anhaltende Trockenheit wird die Problematik weiter verstärkt.“, heißt es in der Antwort des Verbands.

Der Verband macht auch auf die Folgen der Trockenheit für die Landwirtschaft aufmerksam. Dort sind geringere Erträge, zum Beispiel beim Grünfutter, zu erwarten.

Ödlandschrecken neu in Bonn

Einige Tierarten kommen jedoch auch bestens mit der Trockenheit zurecht. Auch diese Veränderungen hat die Biologische Station schon registriert. Immer öfter hüpfen nun Blauflügelige Ödlandschrecken über Wege und Ödlandflächen in Bonn. Peter Schmidt erläutert, wie die kleine Heuschrecke zu erkennen ist: „Wenn sie auf einem Weg sitzt, dann ist sie steinfarben, also praktisch mit dem Auge nicht auszumachen. Wenn sie auffliegt, dann erkennt man sie.“

Auch sogenannte Weinhähnchen kämen jetzt häufiger in Bonn vor. Bis vor rund 30 Jahren sei die Art nur in Weinbaugebieten bekannt gewesen. Weinhähnchen würden aber keine Schäden wie etwa die gefräßigen Wanderheuschrecken hinterlassen, die alle paar Jahrzehnte in Nordafrika ganze Felder abgrasen.

Dem Bonner Nicolaj Klapkarek sind die Tiere bereits 2006 im Freibad Rüngsdorf aufgefallen. Er schreibt: „In der Tat kann man die Tiere in trockenen und warmen Sommern häufiger abends und nachts singen hören als in feuchten und kühlen Sommern. Gerade dieses Jahr habe ich das erstmals 1990 in der Region festgestellte Weinhähnchen auch wieder in Wachtberg Ließem und Niederbachem hören können.“

Wenig Wasser für Krötenlaich

Schlimm trifft die Trockenheit die Amphibien. Sie haben es schwer, ihren Nachwuchs durchzubringen, erklärt der wissenschaftliche Referent: „Normalerweise legen Kreuz- und Wechselkröten mehrmals ab Ende April Laich in flache Gewässer ab. Doch seit dem Sommer 2018 trocknen kleine Bäche und Tümpel im Sommer immer öfter aus und dann stirbt der Laich.“ Der BUND Bonn sorgt sich ebenfalls um Amphibien, wobei nicht jede Art gleich betroffen sein wird von der Dürre, so Bus: „Krötenarten, die in tieferen Gewässern laichen, haben bessere Chancen, als solche, die flache Pfützen bevorzugen. Das ist ein Selektionsmerkmal.“

Trockenheit im Boden macht es auch den Maulwürfen schwer. Die schwarzen Pelztiere hat die Deutsche Wildtierstiftung zum Tier des Jahres 2020 ernannt. „Das Röhrensystem, in dem sie leben, liegt etwa zehn bis 40 Zentimeter tief im Boden. Bei starker Trockenheit, wenn sich die Bodenlebewesen in feuchtere, tiefere Lagen zurückziehen, gehen die Tiere noch tiefer“, so die Wildtierstiftung. Schmidt macht deutlich, wie sich die Trockenheit allgemein auf Bodenorganismen auswirkt: „Die Vorgänge im Boden verlangsamen sich.“ Vor allem Kleinstlebewesen seien auf Feuchtigkeit angewiesen, aber nicht nur die. Der Nabu erläutert in seinem Steckbrief zum Regenwurm: „Wird es ihnen im Sommer zu trocken oder im Winter zu kalt, graben sie sich tief in die Erde hinein, ringeln sich zusammen und fallen in eine Art Sommer- beziehungsweise Winterschlaf.“

Rekordwerte beim Trinkwasserverbrauch

Die Menschen in der Region reagieren auf Hitze und Trockenheit in diesem Sommer mit höherem Wasserverbrauch. Das zeigt sich am Wasserverbrauch, der in diesem Sommer Spitzenwerte erreicht. Am 7. August 2020 hat der WTV die bisher zweithöchste Tagesspitzenabgabe an Trinkwasser gemessen: 189.450 Kubikmeter. Einen Tag vorher waren es rekordverdächtige 189.062 Kubikmeter. Im Schnitt liegt die tägliche Abgabemenge bei rund 130.000 Kubikmetern. Der Rekord mit 193.400 Kubikmetern Wasser wurde am 3. August 1990 gemessen, so der WTV. Die Talsperren seien aber mehr als ausreichend groß und für ein „Doppeltrockenjahr“ ausgelegt.

Wer es den Tieren und Pflanzen in diesen Tagen leichter machen will, muss nicht zum Gartenschlauch mit Trinkwasser greifen, sagt Schmidt. „Aus ökologischer Sicht wäre es sinnvoll, möglichst viel Regenwasser über das Erdreich versickern zu lassen.“ Praktisch bedeute das für Haus- und Grundstücksbesitzer, möglichst wenige Flächen zu versiegeln und den Garten mit Regenwasser zu gießen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dürre: Achten Sie auf diese Tiere und Pflanzen