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E-Autos in Bonn: Diese Hindernisse machen E-Autofahrern zu schaffen

E-Mobilität in Bonn : Diese Hindernisse machen E-Autofahrern in Bonn zu schaffen

Fahrer von E-Autos treffen beim Aufladen ihrer Fahrzeuge in Bonn auf Hindernisse. Mal sind die Ladeparkplätze von Benzinern besetzt, mal ist der Hausanschluss nicht zum Aufladen geeignet.

Die Stadt Bonn möchte nachhaltig werden, die Jugend der Bundesstadt protestiert bei Fridays For Future und einige Bonner haben ihren Benziner oder Diesel gegen ein E-Fahrzeug getauscht. Doch letztere werden vielerorts in Bonn ziemlich ausgebremst.

Darunter auch Klaus Souren. Er hat sich Ende September einen Plug-In-Hybrid-Wagen gekauft - man kann das Fahrzeug also per Elektroantrieb oder auch als Benziner fahren. Eine praktische Mischung, wie Souren findet. „Das Fahren mit diesem Wagen ist sehr angenehm. Natürlich versuchen wir solange, wie möglich, rein elektrisch zu fahren“, sagte Souren dem GA. Den Benzintank sieht er eher als Reserve an. Da Klaus Souren in Dottendorf lebt, hat er in seiner näheren Umgebung drei E-Ladesäulen, die er nutzen kann. Eine befindet sich in Friesdorf, eine in Kessenich und eine weitere in Dottendorf. Doch die letztgenannte kann er nicht nutzen.

Die Ladesäule, die die Stadtwerke Bonn dort aufgestellt hat, befindet sich direkt auf einem Parkplatz auf dem Quirinusplatz. Der Parkplatz vor der Säule ist aber nicht für E-Autos reserviert. „Da parkt einfach jeder, E-Autobesitzer können deshalb ihre Fahrzeuge nicht laden“, so Souren. Bislang habe er es nicht geschafft, sein Fahrzeug dort zu laden. „Tut sich nichts, war die Investition der Stadtwerke umsonst. Das wäre eigentlich sehr schade und würde der alternativen E-Mobilität schaden“, so Souren.

Dass die Situation am Quirinusplatz nicht von Dauer sein soll, erklärt Markus Schmitz vom städtischen Presseamt. „Die Stadt hat eine entsprechende Beschilderung bereits im August angeordnet und Schilder bestellt. Diese konnten leider noch nicht montiert werden, weil die Vertragsfirma derzeit Lieferschwierigkeiten hat“, so Schmitz. Denn es sei normalerweise immer so, dass im Umfeld einer E-Ladestation auch entsprechend viele Parkplätze für Fahrzeuge mit einem E-Kennzeichen reserviert werden. Andere Autos dürfen dann dort nicht geparkt werden.

Ein Falschparker muss auf einem Parkplatz für E-Fahrzeuge mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von zehn Euro rechnen, heißt es von der Stadtverwaltung. „Behindert der Fahrer dadurch andere, zum Beispiel einen E-Autofahrer, der sein Fahrzeug laden möchte, beträgt das Verwarnungsgeld 15 Euro“, erklärte Markus Schmitz.

Das Verwarnungsgeld steigt mit der Dauer des Parkes dann entsprechend an. Nach drei Stunden werden 20 Euro fällig, werden E-Autobesitzer behindert 30 Euro. „Ist für den E-Autofahrer die Ladesäule nicht nutzbar und auch in der Nähe kein Ladeplatz frei, muss der Falschparker damit rechnen, dass sein Auto abgeschleppt wird. Dann kommen mit Abschleppkosten, Knöllchen und Verwaltungsgebühren schnell bis zu 250 Euro auf ihn zu“, so Schmitz.

Aktuell bieten die Stadtwerke in Bonn 58 öffentliche und 137 gewerbliche Ladepunkte; 47 davon hat SWB Energie und Wasser in diesem Jahr neu installiert. Neu dazugekommen sind unter anderem Ladepunkte in der Nordstadt (Vorgebirgsstraße), in Endenich (Magdalenenplatz), in Dottendorf (Quirinusplatz) oder auch in Bad Godesberg (Koblenzer Straße), wie der stellvertretende SWB-Sprecher Michael Henseler erklärte. Mehr als 100 000 Kilowattstunden BonnNatur Strom seien in diesem Jahr bis Oktober über die öffentlichen und gewerblichen Ladestationen der SWB Energie und Wasser bezogen worden.

Henseler kündigte an, dass die Stadtwerke bis Ende 2020 mehr als 100 öffentliche Ladepunkte betreiben möchte. Im Sommer teilten die SWB dem GA allerdings noch mit, bereits bis Ende 2019 100 Ladepunkte betreiben zu wollen. Sicher sei indes, dass bis Ende 2019 und Anfang 2020 drei sogenannte DC-Schnellladestationen mit jeweils 150 Kilowatt Leistung im Bonner Stadtgebiet errichtet werden sollen. „Kompatible Fahrzeuge können damit in unter einer halben Stunde wieder voll aufgeladen werden“, so Henseler.

Das Laden an einer Ladestation der Stadtwerke kostet 0,59 Euro Startpauschale und 0,39 Euro pro geladener kWh Energie, wie die SWB mitteilen. „Die Kosten für eine vollständige Ladung der Batterie ist daher abhängig von der Batteriekapazität des jeweiligen Fahrzeugs. Eine vollständige Ladung des eGolfs (35 kWh) kostet beispielsweise 14,24 Euro“, erklärte Henseler.

Doch nicht nur das Laden an einer Ladesäule kann für E-Auto-Besitzer problematisch sein, sondern auch das Laden an der heimischen Steckdose. Denn das ist laut Experten nicht ratsam, nicht nur, weil das Aufladen sehr lange dauert, sondern auch, weil es gefährlich ist. „Prinzipiell ist das Laden von Elektrofahrzeugen an einer Haushaltssteckdose aufgrund der hohen thermischen Belastung in den Leitungen nicht zu empfehlen, da hierbei Brandgefahr besteht“, sagte Henseler. Die Stadtwerke bieten daher eine sogenannte Wallbox an, die mit Fehlerstrom- und Überspannungsschutz ausgestattet ist. Doch dies hört sich einfacher an, als gedacht. Denn es muss erst nachgefragt werden, ob das heimische Stromnetz überhaupt für das Laden von E-Fahrzeugen ausgelegt ist. „Bei Wallboxen größer 3,7 Kilowatt muss grundsätzlich beim Netzbetreiber BonnNetz mittels einer Versorgungsanfrage angefragt werden, ob die am Hausanschluss verfügbare Leistung für die Installation der Wallbox ausreicht“, erklärte Michael Henseler.

Problematisch wird der Einbau bei Wohnungseigentümergemeinschaft - denn dort muss jede einzelne Partei zustimmen, wenn eine leistungsstarke Ladestation installiert werden soll. Bei Mietverhältnissen muss der Eigentümer eine Genehmigung erteilen. Sollten die Grundvoraussetzungen nicht gegeben sein, könnten sich nämlich Bauarbeiten und verschiedene Prüfungen anschließen.