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Tausende Quellen handschriftlich verfasst : Ehemaliger Stadtarchivar veröffentlicht Buch über Bonn im Mittelalter

Tausende Quellen handschriftlich verfasst : Ehemaliger Stadtarchivar veröffentlicht Buch über Bonn im Mittelalter

Manfred van Rey hat den ersten Band seiner „Studien zur Geschichte von Bonn im Früh- und Hochmittelalter“ veröffentlicht. Schreiben ist nur eine von vielen Leidenschaften des früheren Bonner Stadtarchivars.

Es war ein für damalige Verhältnisse ungewöhnliches Projekt, das zur Gründung des Frauenklosters auf der Rheininsel Rolandswerth führte. 60 Personen aus etwa ebenso vielen Ortschaften rund um Bonn schenkten im Jahr 1143 für die Aufnahme ihrer Töchter in diesem Benediktinerinnenkonvent Besitztümer. Einige mussten einen Kredit aufnehmen, um ein Stück Land erwerben zu können, das sie dann abgeben konnten. Diese Mädchen stammten alle nicht aus adligem Hause, und das war der große Unterschied zu den bis dahin entstandenen Frauenklöstern etwa in Dietkirchen und Vilich.

Jetzt befindet sich die Insel nicht mehr auf Bonner Gebiet, warum also findet sie in einem Buch über die Geschichte der Stadt Erwähnung? „Die Insel gehörte zur Pfarrei Mehlem“, erklärt Manfred van Rey, früherer Direktor des Bonner Stadtarchivs, der das Buch geschrieben hat. Und Mehlem gehört seit 1969 zu Bonn. Van Rey fand diese Information in einer der vielen Urkunden und Dokumente, die er für seine Recherche gelesen und per Hand abgeschrieben hat.

Zweites Buch soll im kommenden Jahr veröffentlicht werden

Er hätte genügend Material, um drei oder mehr Bücher zu füllen, aber es bleibt bei zweien, die seinen Namen tragen. Das erste hat er jetzt veröffentlicht, es beschreibt Klöster und Kirchen von der vermutlich merowingischen Dietkirche im Bonner Norden bis zu den Gründungen im 12. Und 13. Jahrhundert. Das Werk stellt ihren Wert auch als Wirtschaftsunternehmen dar und enthält Exkurse zum Beispiel zu Religiosität und Pilgerfahrten. Das zweite folgt voraussichtlich im kommenden Jahr und behandelt das weltliche Leben in der genannten Zeit.

Bei beiden Büchern handelt es sich um „Studien zur Geschichte von Bonn im Früh- und Hochmittelalter“, und im aktuellen Band hat van Rey sich dieser Materie aus Sicht der Stifte, Klöster und Pfarreien genähert. Der Autor begründet das mit der fast ausschließlich kirchlichen Quellenlage aus der Zeit: Er fand Urkunden und Schriften vor allem in den Klosterarchiven, beim Brand des Bonner Stadtarchivs 1689 gingen dagegen viele Dokumente verloren. Insgesamt annähernd 8000 Quellen vom 6. bis zum 16. Jahrhundert hat er erfasst und ediert. Die 40 Aktenordner nehmen einiges an Platz in seiner Wohnung ein.

Die Bücher sind ein Mammutprojekt für den bald 80-Jährigen

In seinen beiden Büchern behandelt der Historiker, der im Juni 80 Jahre alt wird, die Quellen bis ungefähr ins Jahr 1300 – die restlichen 300 Jahre will er vor allem aus Altersgründen anderen überlassen, die auf seine Niederschriften zugreifen können. Denn schon die beiden jetzigen Bücher stellten ein Mammutprojekt dar, dessen Idee schon 40 Jahre alt sei. Die Stadt Bonn, erklärt van Rey, hatte 1980 entschieden, dass zur 2000-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 1989 vier Bände zur Historie entstehen sollten.

Die Bücher zum 17. Und 18. Jahrhundert sowie zur Gegenwartsgeschichte lagen bis dahin auch vor. Das Werk zur Römerzeit verzögerte sich, weil gleich zweimal der Hauptautor wechselte. Es erschien 2012, van Rey hatte die Redaktion übernommen. Für den Bereich Mittelalter sollte er selbst zuständig sein, aber parallel zu seiner Arbeit im Stadtarchiv war ihm das nicht möglich. Erst im Ruhestand hatte er Muße, sich auf Quellensuche zu begeben. „Sieben Jahre lang habe ich nichts anderes getan, als Urkunden abzuschreiben“, sagt er. „Sie müssen unendlich viel Geduld aufbringen.“ Vor zehn Jahren habe er mit dem Schreiben begonnen.

Aber nur an einem Buch zu arbeiten, reicht ihm scheinbar nicht. Parallel zur mittelalterlichen Geschichte Bonns schreibt er an Werken über seine anderen Leidenschaften, Münzen und Medaillen sowie das Beethovenfest. „Ich schreibe ausgesprochen gerne“, sagt Manfred van Rey. Und als Historiker recherchiert er gerne akribisch. „Dafür muss man geschaffen sein.“

Das Buch „Studien zur Geschichte von Bonn im Früh- und Hochmittelalter. Stifte, Klöster und Pfarreien“ von Manfred van Rey ist im Stadtarchiv Bonn erhältlich, ISBN. 978-3-922832-84-3. Es kostet 30 Euro.