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Kontaktloses Bezahlsystem im Bonner Nahverkehr: Ein Klick, ein Piep, los geht die Fahrt

Kontaktloses Bezahlsystem im Bonner Nahverkehr : Ein Klick, ein Piep, los geht die Fahrt

In Bonner Bussen und Bahnen können Fahrgäste nun kontaktlos bezahlen. Bei diesem Vorzeigeprojekt hat der klassische Fahrschein ausgedient.

Einzelfahrschein, Gruppenkarte oder doch eher ein 24-Stunden-Ticket? Wer nur selten mit Bus oder Bahn unterwegs ist, der geht im Dschungel aus Zonen und Tarifen schnell verloren. Jetzt muss sich jedoch niemand mehr Sorgen machen, das falsche Billett gelöst zu haben.

Bargeld- und kontaktlos werden die richtigen Fahrscheine per Karte, Smartphone oder Smartwatch gebucht: Ein Klick, ein Pieps, und die Fahrt geht los. Alles andere wird digital über das Pilotprojekt BONNsmart erledigt. Damit führt Bonn als erste Stadt in Deutschland ein neues Abrechnungssystem für kontaktloses und mobiles Ein- und Auschecken in Bussen und Bahnen ein.

„Das ist eine Supersache“, freut sich Verena Maus, die den Ablauf bereits aus London kennt. „Die Handhabung ist kinderleicht, die Abrechnungen sind korrekt“, zieht sie Fazit. „Das System ist nicht nur einfach zu bedienen, sondern es spart auch viel Zeit“, ergänzt sie.

Zoe Nan wartet ebenfalls mit dem Smartphone in der Hand am Busbahnhof. „Auf diesen Service will ich nicht mehr verzichten“, sagt die 24-Jährige und lacht. „Ich habe mein Handy sowieso immer in der Hand. Das Einchecken erledige ich quasi nebenbei.“

Annegret Wollner steht der neuen Technik noch skeptisch gegenüber. Nach dem langen Lockdown ist sie an diesem Tag erstmals wieder in der Stadt. „Ich gehöre zu denen, die einen Fahrschein in der Hand haben wollen. Wenn ich jünger wäre, würde ich mir das System vielleicht erklären lassen“, betrachtet sie die neuen Lesegeräte.

Die Stadtwerke haben alle 230 Busse und rund 100 Bahnen mit sogenannten Validatoren ausgestattet. An diesen Lesegeräten checkt sich der Fahrgast ein. So wie an der Supermarktkasse hält er einfach sein Zahlungsmittel, das über einen NFC-Chip für Nahfeldkommunikation verfügen muss, davor. Sofort erscheint ein grünes Häkchen auf dem Bildschirm, und ein akustisches Signal bestätigen die erfolgreiche Anmeldung.

Derzeit muss sich noch jeder mit einem eigenen Gerät einchecken. Buchungen für Partner oder Freunde sind noch nicht möglich. Erst in einer zweiten Phase nach dem Sommer wird es Auswahlmöglichkeiten an den Validatoren geben, erklären die Stadtwerke auf GA-Anfrage. Dann können auch mehrere Fahrscheine sowie beispielsweise Fahrradkarten gebucht werden. Papiertickets werden damit überflüssig.

BONNsmart kümmert sich automatisch um die Abrechnung nach dem günstigsten Tarif für die gewählte Strecke auf Basis des 24-Stunden-Tickets. Die Fahrgäste erhalten für jede Fahrt eine Transaktionsnummer und haben so Zugang zu den einzelnen Zahlungsbelegen. Weitere Gebühren fallen nicht an. „Unsere Fahrgäste müssen nur eine Sache beachten“, erklärt Projektleiter Reiner Brämer: „Getappt wird in jedem Fahrzeug. Wer umsteigt, validiert zu Beginn und zum Ende jedes Fahrtabschnitts.“ Wichtig ist auch, dass sich der Fahrgast sowohl zu Beginn als auch am Ende der Fahrt identifiziert.

Die Kontrollen erfolgen ebenfalls digital. Dafür scannt das Personal das Zahlungsmittel und erkennt sofort, an welcher Haltestelle eingestiegen wurde. Dafür haben die Stadtwerke neue Geräte angeschafft, die von der Kreditwirtschaft zertifiziert sind. „Alle Karteninformationen werden bei jeder Transaktion nach den höchsten Sicherheitsstandards verschlüsselt“, versichert das Unternehmen.

„Der Nahverkehr wird attraktiver, wenn wir den Zugang so bequem und kundenfreundlich wie möglich gestalten. BONNsmart ist ein Baustein mit dem wir die Verkehrswende vor Ort vorantreiben“, betont Anja Wenmakers, Geschäftsführerin von SWB Bus und Bahn.

Zwar ist das System flächendeckend erst seit einigen Tagen am Start, die meisten Busfahrer haben dennoch bereits positive Erfahrungen gemacht. „Für uns ist das schon eine enorme Erleichterung“, sind sie sich bei ihrer Pause am Busbahnhof einig. „Bisher gab es keine Nachfragen“, sagen sie. Erste Erfahrungen haben auch die Stadtwerke. „Gerade auf den Kurzstrecken wird das Angebot, kontaktlos zu zahlen, besonders gerne angenommen“, so eine Sprecherin.

Wollner ist jetzt doch neugierig geworden. „Das sieht gar nicht so schwer aus“, beobachtet sie die Passagiere, die in den Bus einsteigen. „Vielleicht kann ich meinen Enkel überreden, einmal mitzufahren und mir alles zu zeigen. Man muss mit der Zeit gehen.“

Derzeit gibt es das neue System in den Bus- und Bahnlinien der Stadtwerke. Ausgenommen von dem Service sind die Linien 16 und 18, da die nicht am Projekt beteiligte KVB Mitbetreiberin ist. Auch in der Buslinie 637 kommt BONNsmart nicht zum Einsatz, da die RVK diese Linie betreibt.