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Margret Schmitz ist Sammlerin: Ein Leben mit 300 Engeln mitten in Bonn

Margret Schmitz ist Sammlerin : Ein Leben mit 300 Engeln mitten in Bonn

Mit drei Engeln im Schaufenster einer Bäckerei am Tegernsee beginnt Margret Schmitzs Faszination. MIttlerweile hat sie mehr als 300 Engel gesammelt und aufgehört zu Zählen.

Es waren einmal drei kleine Engel. Kaum einer größer als eine Walnuss. Irgendwo am Tegernsee müssen sie in der Auslage einer Bäckerei als Dekoration gestanden haben – so genau weiß Margret Schmitz das nicht mehr. Ihr waren bis dahin noch nie Engel aufgefallen, die ein Musikinstrument spielen. Und plötzlich sahen sie drei kleine Porzellanwesen mit Harfe, Geige und Flöte an. Margret Schmitz war damals kaum 30 Jahre alt. Heute ist sie 81 und teilt mit ihrem Mann und rund 300 Engeln eine großzügige Altbauwohnung in der Bonner Südstadt. Es könnten auch mehr sein, Frau Schmitz hat aufgehört zu zählen.

Hätten sich nicht ihre damals noch kleinen Töchter Ruth und Karin je einen der geflügelten Musikanten mit aufs Zimmer genommen, wäre es wohl nie dazu gekommen, dass man Friseurmeisterin Schmitz heute die „Engelmutter“ nennt. „Mich hatte der so allein dastehende Engel so traurig angesehen“, erinnert sich die fidele Rentnerin an den Kauf ihres zweiten Engels, an dem sie nicht vorbeigehen konnte. Das eher große in Samt gekleidete Exemplar mit einem Gesicht aus Wachs machte sie zur Sammlerin. „Wenn heute nur ein einziger Engel irgendwo auf einem Flohmarkt steht, dann sieht der mich, oder ich ihn.“ Auf jeden Fall hat sie ihn gesehen, wie es ihre Sammlung eindrucksvoll beweist: Es finden sich große und kleine Engel, Engel aus Porzellan oder Metall, Engel mit Wachsgesichtern und kunstvoll geflochtenen Haaren. Es gibt nackte Engel und Engel in Trachten. Manche beten, andere schlagen übermütig Purzelbäume. Sie kommen aus Manufakturen wie Leidl, Göbel oder Rosenthal. Die weißen Dresdner Porzellanfiguren mit ihren typisch spitzen Flügeln hat Margret Schmitz kunstvoll bemalt.

Kleines Museum im früheren Friseursalon

Dass sie die Porzellanmalerei gelernt hat, sieht man nicht nur ihren Engeln an, sondern auch den Tellern, Tassen, Elefanten und anderen Porzellangebilden, die in Vitrinen zur Schau gestellt sind. Ein kleines Museum im ersten Stock ihres Hauses in der Arndtstraße, wo früher auch ihr Frisiersalon zu finden war. Es gibt in der Adventszeit wohl keinen Platz in der Wohnung von Margret und Ehemann Karl (87), der nicht als Stellfläche für Engel dient. „Das ist natürlich nicht immer so. Ich bin ja nicht verrückt“, sagt sie und lacht. Kurz zuvor hat sie noch als Engel mit langem blonden Haar, weißem Kleid und goldenen Flügeln zusammen mit dem Nikolaus in einem Altenheim die Senioren zu Tränen gerührt.

Sie liebt es, Menschen eine Freude zu bereiten. Die gläubige Katholikin beginnt in der Woche nach Allerheiligen damit, ihre bis dahin gut verstauten Figürchen auszupacken und zu arrangieren. In der Adventszeit lädt sie meist zweimal in der Woche Freunde und Bekannte inmitten der Engelsschar zu Rheinischem Kesselsknall oder Sauerbraten ein. „Sie glauben gar nicht, wie die Augen zu leuchten beginnen, wenn unsere Gäste das Esszimmer betreten“, erzählt sie.

Sie ist zutiefst davon überzeugt, dass die Anwesenheit der vielen Engel den Menschen gut tut. In geselliger Runde erzählt sie dann ihre Engelsgeschichten. Oft sind es Erzählungen von zähen Verhandlungen um ein eigentlich unverkäufliches Exemplar, das sie „angeguckt“ hat. „Wenn das passiert, so Schmitz, „dann gelingt es mir auch meist, den Besitzer davon zu überzeugen, dass sich sein Engel unter den vielen Artgenossen in meiner Sammlung wohler fühlt.“ Auch ihre vier Enkel seien bis in ihr heutiges Erwachsenenalter fasziniert von einem so erhandelten Exemplar, das leuchtend als geradezu ätherisches Wesen erscheint mit seinen aus vielen Tausend haarfeinen Kunststofffäden bestehenden Flügeln, die abwechselnd in allen Regenbogenfarben funkeln.

Margret Schmitz war es so auch gelungen, einen damaligen Abteilungsleiter des Bonner Hobbymarkts Knauber davon zu überzeugen, dass sein Engel in der Dekoration stehender Engel unglücklich so alleine ist. „Mit Engeln hat man eigentlich immer schöne Erlebnisse“, sagt Frau Schmitz. Ihr Mann lächelt, er weiß, dass seine Frau zu den Engeln ein inniges Verhältnis pflegt. „Abends, wenn wir schlafen gehen“, so Frau Schmitz, „sage ich zu allen Engeln, dass sie jetzt Auslauf haben, aber morgen früh bitte wieder an der selben Stelle.“ Sie lacht ihr jugendliches Lachen. Wenig später richtet sie konzentriert den Haarreif eines kleinen Dresdner Engels gerade und beteuert: Sie könne sich nicht erklären, warum der immer wieder verrutsche, obwohl ihn doch niemand berührt habe.