Schokomobil Ein Schnurrbart für fairen Kakaoanbau

BONN · Das Schokomobil machte am Mittwoch auf dem Friedensplatz Station und warb für faire Kakaoproduktion.

 Das Schokomobil von "Make Chocolate Fair" stahl am Mittwoch den anderen Ständen auf dem Friedensplatz die Show.

Das Schokomobil von "Make Chocolate Fair" stahl am Mittwoch den anderen Ständen auf dem Friedensplatz die Show.

Foto: Alica Müller

"Haben Sie schon mal eine pure Kakaobohne probiert?", fragt Sven Selbert und lacht, als seine Besucher skeptisch zurückweichen. "Die explodiert nicht." Vorsichtig nimmt ein älterer Herr die Bohne, steckt sie in den Mund, kaut kurz und sagt überrascht: "Schmeckt ja schon richtig schokoladig!" Selbert ist Koordinator der "Make Chocolate fair!"-Tour und Fahrer des Schokomobils, das am Mittwoch am Friedensplatz Halt gemacht hat.

Drei Monate lang fahren Selbert und sein Team 10.000 Kilometer weit durch Städte in der ganzen EU und sammeln Unterschriften für eine Petition für fairen Kakaoanbau. Finanziert wird das Projekt vor allem von der EU und in Deutschland vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. "In jedem Stück normaler Schokolade steckt Armut und Leid", sagt Selbert. Der Großteil des für Europa bestimmten Kakaos werde in Westafrika von Kleinbauern produziert. Diese seien abhängig von den Marktpreisen, könnten Mitarbeiter kaum bezahlen und lebten häufig unter der Armutsgrenze. Zudem sei Kinderarbeit in der Kakaoproduktion weit verbreitet. Auch in deutschen Supermärkten könne sich der Käufer nicht sicher sein, ob hinter seiner Schokotafel Kinderarbeit steckt. Im Supermarkt neben dem Stand gibt es die Tafel schon ab 39 Cent zu kaufen. Nur 2,4 Cent davon gehen laut Selbert an die Kakaobauern - "vor dreißig Jahren war das, inflationsbereinigt, noch mehr als doppelt so viel". Der Preis sei aber eigentlich nicht entscheidend. "Man kriegt sogar beim Discounter faire Schokolade für einen Euro."

Um die Kunden auf diese Möglichkeiten aufmerksam zu machen und für die Petition zu gewinnen, hatte das Schokomobil-Team einen Schokobrunnen, ein Glücksrad und eine Fotoecke auf dem Friedensplatz aufgebaut. Knapp 50 Unterschriften waren in der ersten Stunde zusammengekommen. Rund 41 000 waren es im ersten Monat der Tour insgesamt. Damit ist das Schokomobil auf bestem Wege, das selbstgesteckte Ziel zu erreichen: Der Kakaolobby sollen kommendes Jahr bei ihrer Versammlung in Oslo 100 000 Unterschriften für einen Wandel zur fairen Kakaoproduktion überreicht werden.

Zunächst aber geht es noch nach Bielefeld und dann bis Oktober in viele osteuropäische Städte wie Budapest oder Bratislava, aber auch nach Schweden oder Österreich. Am 31. Oktober kommt das Schokomobil wieder am Startpunkt Berlin an. Sven Selbert könnte bis dahin allerdings etwas anders aussehen: Seit Beginn der Tour lässt er sich einen Schnurrbart wachsen, "und der bleibt dran, bis Schokolade fair ist".

Weitere Informationen auf de.makechocolatefair.org.

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