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Wohnungsmarkt in Bonn und der Region: Einblicke in den Alltag eines Immobilien-Maklers

Wohnungsmarkt in Bonn und der Region : Einblicke in den Alltag eines Immobilien-Maklers

Ihr Berufsstand leidet unter einem schlechten Image. Das liegt auch an der laschen Qualifikationsvoraussetzung. Was macht einen vertrauenswürdigen Makler aus, und woran erkennt ein Kunde unseriöse Geschäftspraktiken?

Teure Autos, edle Uhren und feinster Schmuck; eine Wohnungsbesichtigung und Dutzende Interessenten; eine Stunde Arbeit und dafür eine fürstliche Entlohnung. Wieland Münch lacht: „Ich kenne die Klischees. Aber mit meiner Arbeit hat das nun wirklich nichts zu tun“, sagt der Geschäftsführer des Bonner Maklerhauses Limbach Immobilien.

„Unser Alltag besteht nicht nur aus der Besichtigung einer Immobilie, sondern aus jeder Menge Vorarbeit, ehe es zu einer Vermarktung kommt“, sagt Münch, der acht Mitarbeiter beschäftigt: „Aber diese Arbeit sieht man als Kunde nicht.“

Um das Image seines Berufsstandes, sagt er, sei es leider wirklich nicht gut bestellt. Und wie in anderen Branchen auch machten einige wenige schwarze Schafe den vielen seriös arbeitenden Kollegen das Leben schwer. Einen Grund sieht Münch in der fehlenden Qualifikation mancher Kollegen. Denn Makler ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder, der eine – juristisch gesehen – weiße Weste hat und einen Gewerbeschein besitzt, kann Immobilien vermitteln.

„Ein Maklerkursus ersetzt keine Ausbildung“

Auch wenn seit 1. August für Immobilienmakler eine Weiterbildungsverpflichtung im Umfang von 20 Stunden innerhalb von drei Jahren gilt, halten die meisten Experten dies für viel zu wenig. Münch: „Ein Maklerkursus ersetzt keine Ausbildung. Eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann ist eine Mindestanforderung, um den Beruf vernünftig und seriös ausüben zu können.“ Noch besser sei eine Zusatzqualifikation zum Sachverständigen für die Bewertung von Immobilien, meint Münch, der diesen Studiengang selbst an der Deutschen Immobilien-Akademie abschloss.

Ortswechsel: In Hennef steht ein älteres frei stehendes, gut 120 Quadratmeter großes Wohnhaus zum Verkauf. 280.000 Euro möchte der Verkäufer für das in die Jahre gekommene Objekt haben. Die Lage nahe am Stadtzentrum ist zentral, aber ruhig, das Grundstück mit knapp 800 Quadratmetern Fläche großzügig bemessen. Das Angebot scheint zwar kein Schnäppchen, aber entsprechend der Marktsituation fair bewertet zu sein. Der Besichtigungstermin allerdings entwickelt sich in eine nicht vermutete Richtung.

Als der Makler erkennt, dass das Interesse der Kundschaft groß ist, lässt er die Katze aus dem Sack. Ein anderer Kunde habe bereits freiwillig für das Haus 300.000 Euro geboten. Wenn man bereit sei, diese Summe zu überbieten, habe man allerbeste Chancen auf den Zuschlag. Das junge Paar zögert anfangs, kannte es bislang doch nur das Feilschen um den Preis in die andere Richtung. Schließlich aber bietet es doch 315.000 Euro, da es sich die Immobilie nicht von einem anderen Mitbewerber vor der Nase wegschnappen lassen möchte.

Seriöse und weniger seriöse Angebote

„Absolut unseriös“ sei das Verhalten des Maklers, urteilt Münch. Zwar kämen gelegentlich solche Fälle vor, dass Kaufinteressenten auf den gewünschten Preis freiwillig noch etwas drauflegten, aber gängige Praxis sei dies nicht.

Vielmehr eingebürgert habe sich im festen Glauben an einen leer gefegten Markt die Verkaufstaktik, ein Objekt mit völlig überzogener Kaufpreisvorstellung anzubieten. „Auch das wird sich rächen“, meint Münch. „Verkäufer mit Fantasiewünschen werden schnell merken, dass sich nicht jeder Preis realisieren lässt.

Deswegen stellt unser Büro immer eine solide Bewertung der Immobilie an den Anfang einer Vermarktung. Und nur, wenn sich unsere Einschätzung mit dem Wunsch des Käufers deckt, übernehmen wir die Vermarktung. Wer den Preis eines Objekts immer wieder reduzieren muss, beschädigt die Immobilie, denn viele Kunden, die länger suchen, beobachten den Markt sehr genau und denken sich: Da stimmt doch was nicht.“

Und wer genau beobachtet, erkennt auch schnell den Unterschied zwischen seriösen und weniger seriösen Angeboten. Wer in einer Immobilienanzeige allgemein gehaltene Aussagen wie „solide Bausubstanz“, „alle Fenster isolierverglast“ oder „die hübschen Badezimmer lassen dem künftigen, handwerklich begabten Eigentümer noch viel Spielraum für eigene Gestaltungsvorstellungen“ liest, sollte beim Besichtigungstermin besonders kritisch hinschauen und nachfragen.

Denn auch die marodesten Häuser haben irgendwo eine solide Substanz, und wenn es bloß das Fundament ist. Isolierverglaste Fenster müssen nicht neu sein. Sie gab es schon in den 1960er Jahren. Und ein Badezimmer, das dem neuen Besitzer gestalterischen Spielraum lässt, hat sicherlich die beste Zeit längst hinter sich.