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Die Geheimnisse des Rosenkranzes: Einblicke in die Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Endenich

Die Geheimnisse des Rosenkranzes : Einblicke in die Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Endenich

Kirchen und ihre Schätze: Nicht nur der Marienaltar in St. Maria Magdalena ist sehenswert. Aber perfekt ist diese Endenicher Kirche nicht.

Ups, was ist denn da passiert? Waren die Handwerker nicht ganz bei der Sache? Alfons Adelkamp, kommissarischer Leiter der Münsterpfarre und Pfarrer von St. Maria Magdalena in Endenich, schmunzelt, als er auf die kleine Besonderheit im Boden des Eingangsbereichs der Kirche hinweist. Denn eine der vier Steinfliesen, die zusammen ein Relief bilden, durchbricht das Muster. Sie ist ganz offensichtlich in falscher Ausrichtung eingesetzt worden. Dahinter steckt jedoch viel mehr als nur eine Nachlässigkeit.

„Nur Gott ist perfekt“, erklärt der Pfarrer. „Nur er allein. Nichts auf der Welt wird diese Perfektion je erreichen“, erklärt er. Mit diesem handwerklichen „Malheur“ hätten die Erbauer der Kirche damals für alle Zeiten festgehalten, dass nichts, was von Menschenhand erschaffen wird, jemals an diese Perfektion heranreichen wird.

Bereits im 13. Jahrhundert stand an der Ecke Frongasse/Magdalenenstraße ein kleines Kirchlein. Seit dem 14. Jahrhundert ist Maria Magdalena die Schutzheilige der Gemeinde, die von Pfarrern des Cassius-Stifts betreut wurde. Aus dem Material des mittelalterlichen Bauwerks entstand 1747/48 ein neues, barockes Gotteshaus. Als Endenich dann Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs und mit rund 500 Einwohnern die größte Ortschaft im Bonner Umland war, musste auch eine größere Kirche her.

Nach dem Entwurf von Diözesanbaumeister Franz Statz erstellte Architekt Friedrich Tasche die Pläne für eine neugotische Backstein-Basilika. Am 26. Juli 1891 wurde schließlich der Grundstein gelegt. Der Bau war in zwei Abschnitte unterteilt: Der erste umfasste die Choranlage, Querhaus und drei Langhausjoche und wurde 1893 fertiggestellt. Daran schloss sich der zweite Bauabschnitt mit der Vollendung eines vierten Langhausjochs sowie Turm und Außenfassade an. Diese Arbeiten waren 1914 beendet.

Der Hochaltar ist Mittelpunkt der Kirche

Mittelpunkt der Kirche ist der imposante Hochaltar. Dabei handelt es sich um einen neugotischen Flügelaltar. Im Fokus steht die Kreuzigungsgruppe mit der Pfarrpatronin. Prunkstück des Hochaltars ist die Tabernakeltür. 1981 schuf der Silberschmied Ferenc Jóvari das prächtige Werk mit der Darstellung des neuen Jerusalems. Ein umlaufendes Band aus Goldplättchen deutet die Stadtmauer an, zwölf kunstvolle Emaillieplättchen mit Edelsteinen die Tore, ein großer Bergkristall in der Mitte steht für den Thron Gottes in der Stadt.

Der Zelebrationsaltar von 1965 ist aus Naturstein gefertigt. Die Wuchtigkeit des Materials wird durch einen umlaufenden Fries aus Guss aufgelockert. Hinter dem Hochaltar fällt der Blick auf die neuen Fenster im Chorraum. Szene sind die Auferstehung Jesu (mittig), die Begegnung mit der Patronin (rechts) sowie die Geistsendung (links).

„Für mich ist das eine wirklich harmonisch gestaltete Kirche“, sagt Pfarrer Adelkamp: Die schlichte Neugotik und ein Fenstersystem, das dafür sorgt, dass es im Inneren hell im Winter und strahlend im Sommer ist. Das warme Farbkonzept unterstreicht diesen Eindruck. Dennoch hat Adelkamp einen ganz besonderen Lieblingsort innerhalb der Kirche: den Marienaltar. Er wird von einer prächtigen Statue der Gottesmutter dominiert, deren Finger auf das Herz des göttlichen Kindes weist. Daneben stellen verschiedene Altarbilder die Geheimnisse des Rosenkranzes dar. „Für mich ist der Marienaltar der größte Schatz in dieser Kirche“, betrachtet Pfarrer Adelkamp die verschiedenen Motive auf den Bildern.

Dass es diesen Marienaltar bereits zur Konsekration der Kirche gab, das hat die Gemeinde einer großzügigen Zuwendung zu verdanken. Paula Gräfin von Fürstenberg-Stammheim hatte am 5. September 1891 kurz vor ihrem Tod diesen Altar mit der Auflage gestiftet, dass die Hauptfigur eine „Madonna vom Heiligsten Herzen“ sein sollte.

Etwas ganz Besonderes ist für den heutigen Pfarrer auch der Martini-Kelch. Der gehörte einst Johann Joseph Martini, der von 1871 bis 1913 Pfarrer in Endenich war. „Ein Meisterwerk aus Kevelaer“, erklärt Adelkamp und zeigt die filigran herausgearbeiteten Relief-Verzierungen. Für Matthias Schmitz, der sich seit Jahrzehnten um die Kirche kümmert, gibt es jedoch noch einen weiteren Kirchenschatz. „Das Vortragekreuz“, sagt er. „Das hat mein Urgroßvater Wilhelm Heinen aus Dankbarkeit gestiftet, nachdem seine Frau eine schwere Krankheit überstanden hatte“, erzählt er.

Und noch eine Besonderheit zeichnet die Pfarrkirche aus. Die „Werktagskapelle“ im rechten Kirchenschiff ziert ein großes Bild, das der Kunstmaler Willy Stucke 1938 geschaffen hat. Mittelpunkt ist eine schwebende Jesusfigur, deutlich sind zudem die Endenicher Kirche sowie der Kreuzberg zu erkennen. Rechts und links neben der Christusfigur sind verschiedene Bürger aus dem Ort festgehalten. Auch der damalige Pfarrer Leonhard Dohm (in Endenich von 1913 bis 1944) stand dafür Modell.