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Kommentar zur Zinsagarantie: Eine Bank mit Auftrag

Kommentar zur Zinsagarantie : Eine Bank mit Auftrag

Die klamme Stadt Bonn kann künftig nicht mehr darauf bauen, dass ihre 135-Millionen-Einlage bei der Sparkasse Köln-Bonn auch eine Rendite einbringt. Damit muss Bonn leben. Ein Kommentar.

Da dürfte so mancher Bonner Finanzpolitiker geschluckt haben: Die klamme Kommune kann künftig nicht mehr darauf bauen, dass ihre 135-Millionen-Einlage bei der Sparkasse Köln-Bonn auch eine Rendite einbringt. Solange das Geldinstitut Gewinn macht, kann es gut sein, dass Bonn davon profitiert. Aber das hängt vom guten Willen des Sparkassenvorstands ab, weil es künftig wohl keinen Rechtsanspruch mehr gibt.

Damit muss Bonn leben. Die verschärften EU-Vorgaben im Finanzsektor lassen offenkundig keinen anderen Weg zu, als die stillen Einlagen in echtes Kernkapital umzuwandeln. Die europäische Verordnung dient jedoch allen Bankkunden: Sie verringert die Gefahr, dass Geldinstitute sich mit riskanten Geschäften an den Rand des Zusammenbruchs manövrieren und dann mit Steuerzahler-Milliarden gerettet werden müssen.

Dazu kommt: Sowohl Bonn als auch Köln haben ein vitales Interesse daran, dass die Sparkasse auf soliden Füßen steht. Sie ist eine Art städtisches Tochterunternehmen (auch wenn der machtbewusste Vorstand das nicht gern hört), und sie hat einen öffentlichen Auftrag: Bürger und Firmen der Region mit Krediten zu versorgen und auch weniger betuchten Menschen den Zugang zu einem Girokonto zu ermöglichen. Außerdem unterstützt sie Vereine, Initiativen und Institutionen mit Spenden und Sponsoring-Geldern. Im vergangenen Jahr waren das nach Unternehmensangaben in beiden Städten zusammen 13,5 Millionen Euro - das sind relevante Summen für eine Stadtgesellschaft.

Pikant ist die Umwandlung der stillen Einlagen trotzdem, weil das Verhältnis zwischen Bonn und der Sparkasse angespannt ist. Bekanntlich hat das Geldinstitut die Stadt im Streit um die WCCB-Bürgschaften auf rund 88 Millionen Euro verklagt.