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Melbbad-Verein in Bonn: Eine Birke für den Neuanfang

Melbbad-Verein in Bonn : Eine Birke für den Neuanfang

Freie Schwimmbahnen, an der Rutsche nie anstehen müssen und das alles bei freiem Eintritt! Wer kein Problem damit hatte, dass das Wasser auch von oben kam, der konnte am Sonntag im Melbbad ein paar nette Stunden verbringen.

Der Förderverein als Ausrichter des Melbbadfestes ist schlechtes Wetter inzwischen gewöhnt. "Das ist das dritte Jahr in Folge, dass es regnet", sagte der neue Vorsitzende Jürgen Gebel.

Einige wetterfeste Schwimmfreunde hatten sich dort eingefunden, auch einige Kinder, die sich über die am Drei-Meter-Turm montierte aufblasbare Rutsche in die Fluten stürzten. Die Feuerwehr war mit Fahrzeugen angerückt und hatte zwei Schläuche ausgelegt, die im hohen Bogen Wasser auf das Nichtschwimmerbecken niederregnen ließen. Absagen, wie es die Friesdorfer angesichts der Wetterprognosen getan hatten, wollte man das Fest nicht.

"Wir wollen auch ein Zeichen setzen für den Fortbestand des Melbbades", sagte Gebel, "mit Öffnungszeiten, die für den Nutzer attraktiver sind als jetzt." Die Zeichen von Seiten der Stadt seien für die Bäder ja eher schlecht. "Aber die Signale, die die OB-Kandidaten aussenden, sprechen eher für den Erhalt der meisten Bäder." Das müsse auch im Interesse der Uni sein: Zur Attraktivität eines Wissenschaftsstandortes gehörten auch Freizeitmöglichkeiten, so Gebel.

Die Hausärztin Meiken Löffler, die gestern im Wasser war, plädierte aus gesundheitlichen Gründen dafür, die Bonner Bäder offen zu halten. "Ich empfehle meinen Patienten oft zu schwimmen." Und mit Blick auf die Fälle beinahe ertrunkener Kinder war ihre Einstellung klar: "Es müssten eher zehn Bäder mehr aufmachen." Nur so könnten Kinder schwimmen lernen. Die Öffnungszeiten allerdings seien eine Katastrophe. "Aber das ist auch gewollt, dass die Besucherzahlen einbrechen", meinte Löffler. Denn das würde der Stadt in Sachen Bäderschließung in die Karten spielen.

Mittags wohnten die Besucher einer Baumpflanzung bei: In Erinnerung an Gebels Vorgänger Jürgen Broich pflanzte der Fördervereinsvorstand auf der Wiese am Hang eine junge Birke ein. Die hatte die Poppelsdorfer Friedhofsgärtnerei Peter Heinen gestiftet. Broich hatte als Vierjähriger mit seinem Großvater zusammen den Grundstein für das Melbbad gelegt - und dort auch den ersten Baum gepflanzt. Im Frühjahr ist er verstorben. Die Birke solle für einen Neuanfang in Sachen Bäderkultur in Bonn stehen, sagte Gebel.

Im Anschluss an die Pflanzung überreichte Sascha Kaufmann, Leiter der Poppelsdorfer Sparkassenfiliale, dem Förderverein einen Scheck über 1000 Euro, als "Startschuss für den neuen Vorstand". Das Geld kommt aus dem Prämiensparen Zweckertrag. Im Lauf des Nachmittags leitete Thomas Zimmermann, Leiter der Tanzschule Lepehne-Herbst, Aquafitness im Wasser an.

Der Förderverein

Den Verein "Unser Melbbad" gründete Jürgen Broich im Juni 2001, als erstmals über eine Schließung diskutiert wurde. Aktuell zählt er 2013 Mitglieder. Nach wie vor stemmt sich der Verein gegen die Schließungspläne der Stadt Bonn. Laut dem jetzigen Vorsitzenden Jürgen Gebel will man mit dem Stadtsportbund ein Konzept für attraktivere Öffnungszeiten erarbeiten.

Im Bad selbst steht ihm zufolge die Sanierung des Daches der Umkleide an, damit im Winter kein weiteres Wasser eindringen kann. Weitere Infos: www.melbbad.net