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Eisbahn am Alten Zoll in Bonn: Betreiber hat Ärger mit Denkmalschutz

Auflagen zum Denkmalschutz : Der Eisbahn am Alten Zoll in Bonn droht das Aus

Die Denkmalschützer der Stadt wollen nicht, dass Eisbahnbetreiber Ottmar Kaiser im Stadtgarten ein Zelt aufbaut. Es störe etwa den Blick auf den Rhein. Kaiser möchte das aber nicht akzeptieren - was nun den Betrieb gefährdet.

Klirrendes Eis unter den Kufen: Mitten in der ersten Hitzewelle dieses Sommers ist der Gedanke an die winterliche Eisbahn im Stadtgarten überaus erfrischend. Nur drei Monate vor dem Start ins Eisvergnügen steht die Attraktion allerdings auf der Kippe, bedauert Betreiber Ottmar Kaiser.

Zwar habe die Bauverwaltung die Genehmigung für den temporären Bau zunächst erteilt. Allerdings dürfe er im hinteren Teil in diesem Jahr kein Zelt mehr aufbauen – aus Gründen des Denkmalschutzes. „Das kann ich nicht akzeptieren“, sagt Kaiser. „Schon gar nicht in diesem Jahr mit den Abstandsgeboten.“ Vor mehr als zwei Monaten hat er Widerspruch eingelegt. Weitere Unterlagen wurden angefordert. Eine Antwort steht aus.

Rund 30 000 Besucher pro Jahr

2012 ist Kaiser, der übers Jahr vor allem die Sportmeile in Buschdorf betreibt, mit der Eisbahn von der Museumsmeile in den Stadtgarten vor dem Koblenzer Tor gezogen. Kein einfacher Standort, denn es fehlt an Laufkundschaft, die Kakao, Glühwein und Bratwurst konsumiert. Anders als in Köln, wo sich die Eisbahn zwischen den Buden des Weihnachtsmarktes hindurchschlängelt. „Ich lebe von den Eisläufern und muss ihnen deshalb möglichst optimale Bedingungen bieten“, sagt Kaiser. Mit den im Schnitt rund 30 000 Besuchern pro Jahr ist er recht zufrieden.

Allerdings werden nicht nur die Sommer in Bonn heißer, sondern auch die Winter milder und feuchter. Kaiser: „Von 66 Tagen hatten wir in der letzten Saison an 40 Tagen Regen“. Seine Eisbahn hat er deshalb vollständig überdacht. Bei leichtem Regen haben sich sonst alle Läufer immer unters Zeltdach gerettet. Bei starkem Regen musste die rutschige Bahn aus Sicherheitsgründen geschlossen werden.

Auf diese Fläche soll das kleinere Zelt der Eisbahn hinkommen. Es endet dann an der Hecke. Foto: Martin Wein/Martin Wein,Rheingasse26 53113 B

Zelte versperren Blick auf Rhein und Koblenzer Tor

Damit begann 2019 das Problem. Zuerst störte sich die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt an den bunten Pagodenzelten. Die seien zu hoch und versperrten den Blick auf den Rhein und das Koblenzer Tor. Dass der Rhein zehn Meter tiefer fließt und der Blick darauf ohnehin von einer Hecke versperrt wird, spielte keine Rolle. Kaiser ließ die Eisfläche verkleinern und mietete statt Pagoden zwei niedrigere weiße Zelte an.

2020 kam die Sanierung des Stadtgartens in Gang und damit auch die stärkere Öffnung der Sichtachse zum Ufer. Entgegen ursprünglicher Pläne ist sie bislang noch nicht abgeschlossen. Die Ampel an der B9 wurde nicht zum Tor hin versetzt. Der für dieses Jahr geplante Aufzug zum Ufer soll wohl in der ersten Hälfte 2021 installiert werden (der GA berichtete).

Trotzdem stören die Zelte der Eisbahn die Denkmalschützer nun noch mehr. Zwar genehmigt die Stadt die Aufstellung der großen Alubauten mit Maßen von 32 mal 40 Metern an der Front zur B 9 hin. Das kleinere Aluzelt mit einer Grundfläche von zwölfmal 23 Metern dahinter und damit allenfalls vom Alten Zoll aus sichtbar sei aber nicht drin.

Auf GA-Anfrage beharrt die Verwaltung darauf, durch die Überdachungen würden Blickbeziehungen zwischen Kurfürstlichem Schloss, Hofgarten und Altem Zoll sowie zum Rhein gestört. „Dies ist auch bei einer temporären Nutzung relevant, die immerhin über drei Monate geht“, schreibt Markus Schmitz aus dem Presseamt. Mit der in diesem Jahr laut Presseamt „erstmalig beantragten zusätzlichen Anlage Scateway mit ihrer vorgesehenen pagodenförmigen Überdachung“ sei ein Umfang erreicht, „dem die Denkmalbehörde nicht mehr zustimmen kann“.

Dass dieser Scateway schon in den Vorjahren am Rhein stand, 2019 verkleinert wurde und seitdem keine Pagodenform mehr hatte, ist im Denkmalamt offenbar nicht bekannt. Aus der Verwaltung heißt es, man habe eine Verkleinerung gefordert und erst am 21. Juli nachvollziehbare Unterlagen erhalten. Die würden nun mit dem LVR-Amt für Denkmalpflege erörtert. Dort ist man noch deutlich kritischer: Das Amt möchte den Stadtgarten unter Denkmalschutz stellen – gegen das Votum der Stadt.

Ob Kaiser sich in diesem Jahr aufs wirtschaftliche Glatteis wagt, ist fraglich. Schon auf der geplanten Eisfläche von rund 1500 Quadratmetern sei es schwierig, das Abstandsgebot zum Schutz vor Infektionen mit dem Corona-Virus mit den benötigten Besucherzahlen in Einklang zu bringen. „Wenn noch einmal 276 Quadratmeter fehlen, wird sich das nicht tragen“, denkt er. Wenn eine Entscheidung nicht bald falle, sei auch der Vorlauf für Gruppenbuchungen zu knapp.