Übergabe der Ermekeilkaserne Ende einer 133-jährigen Militärgeschichte

BONN · Trommelwirbel kündigt das Heeresmusikcorps 300 aus Koblenz an. Mit "Am wunderschönen Rhein" begrüßten sie gestern Nachmittag die Honoratioren und Nachbarn zur feierlichen Schlüsselübergabe der Ermekeilkaserne.

Matthias Leckel spricht Grußworte als Präsident des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr. Es folgen Reden, die Flaggenparade, dazwischen der Fridericus-Rex-Grenadiermarsch, dann die Nationalhymne, bevor es an die kühlen Getränke geht. Und Schluss. Die 133-jährige Militärgeschichte der Ermekeilkaserne ist beendet. Der zivilen Nutzung steht nur noch ein adäquater Kaufpreis im Weg.

Die Bundeswehr ist endgültig ausgezogen. Als Vorboten für eine allgemeine Entwicklung will Verteidigungsminister Thomas de Maizière den gestrigen Festakt aber nicht verstanden wissen. Frage an ihn: "Wie sieht die Zukunft Ihres Ministeriums in Bonn aus?" De Maizière antwortet knapp: "Die Hardthöhe bleibt voll."

Vom Rande des ehemaligen Exerzierplatzes aus, wo Gäste im Schatten der Pavillons sitzen, beobachtet der letzte Kasernenkommandant, Michael Kuntscher, die Festlichkeiten. "Das ist ein bewegender Moment", sagt er. "Dieser Standort hatte schon viel Charme."

Alle Redner gehen auf die historische Bedeutung der Kaserne ein. Hier ist die Geburtsstätte der Bundeswehr, hier erhielten die ersten Freiwilligen ihre Ernennungsurkunden - unter ihnen der Vater de Maizières. Oberbürgermeister Jürgen Nimptschs Wink mit dem Zaunpfahl, die Kaserne sei seinerzeit für 600.000 Reichsmark von der Stadt verkauft worden, versteht Jürgen Gehb, Vorstand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Verwalter der Liegenschaft, wohl.

Indes macht er Nimptsch keine großen Hoffnungen: Er sei verpflichtet, dieses "Filetstück" für einen marktüblichen Preis zu verkaufen. De Maizière war zuversichtlich, dass sich die "beiden Profis" einigen würden.