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Endenicher Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena sucht Paten für Flüchtlinge

St. Maria Magdalena : Endenicher Pfarrgemeinde sucht Paten für Geflüchtete

Die katholischen Pfarrgemeinde Maria Magdalena sucht weiterhin Paten für Flüchtlinge. Denn von den anfänglich mehr als 100 ehrenamtlichen Helfern sind nur noch etwa ein Viertel aktiv.

Für viele der etwa 100 Gäste der Nikolausfeier im Pfarrheim von St. Maria Magdalena gab es ein Wiedersehen zwischen Geflüchteten und ehrenamtlichen Helfern. Vielfach sind im Laufe der Jahre Verbindungen und Beziehungen entstanden, von denen beide Seiten bis heute profitieren. Bei Glühwein, Kaffee und Kuchen bis hin zum Lebendigen Adventskalender vor den Toren der katholischen Pfarrkirche konnte manch ein Neuankömmling seine Sorgen einige Stunden beiseiteschieben oder vergessen.

Seit 2015 die ersten Flüchtlinge im inzwischen schon nicht mehr existierenden Paulusheim ankamen und untergebracht wurden, sind einige Jahre vergangen. Zwischenzeitlich wohnten dort bis zu 250 Geflüchtete. Heute hat sich die Arbeit der einst mehr als 100 ehrenamtlichen Helfer, die von Helena Nguyen koordiniert wurden, von der damals notwendigen Grundversorgung hin zu einer vielschichtigen Integrationsarbeit entwickelt. „Einiges ist einfach inzwischen richtig gut gelaufen“, erzählt Nguyen. Es gebe Familien, die inzwischen in der eigenen Wohnung in Endenich lebten und genauso zu einer solchen Veranstaltung wie dem Nikolauscafé kommen wie andere, die sich mit ihren Wünschen oder Problemen an die Helferinnen und Helfer gewandt hätten. „Da suchte die inzwischen studierte Tochter einer singhalesischen Familie einen Praktikumsplatz, der sich schnell vermitteln ließ“, freute sich Nguyen über das funktionierende Netzwerk der Flüchtlingshelfenden.

Flüchtlingsthema sei nicht mehr allgegenwärtig

Seit 2014 ist Nguyen die Ehrenamtskoordinatorin der katholischen Pfarrgemeinde Maria Magdalena im Ökumenischen Arbeitskreis Endenich, den sie gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer Uwe Grieser von der Trinitatiskirchengemeinde leitet. Doch von ihren anfänglich mehr als 100 ehrenamtlichen Helfern sind nur noch etwa ein Viertel aktiv. Längst ist das „Flüchtlingsthema“ nicht mehr allgegenwärtig. Weder in den Medien noch im Alltag wird in dem Maße darüber diskutiert, wie es in den Anfängen der Fall war.

Auch wenn in der Realität nur noch wenig Flüchtlinge (vor allem durch das Resettlement-Programm der UNO-Flüchtlingshilfe) nach Endenich, Lengsdorf oder Röttgen kämen, sei es nach wie vor wichtig, dass es weiterhin genügend Ehrenamtler gebe, die sich für die Menschen engagierten, die entweder gerade erst ankommen oder auch für die, die immer noch auf ihre Anerkennung als Asylsuchende warten müssten. Es gebe noch viele Menschen darunter, die weder eine Wohnung fänden noch eine Arbeit aufnehmen dürften. „Die allseits bekannte Wohnungsnot in Bonn“, so Nguyen, „ist auch für uns ein Problem.“ Sie weiß von unhaltbaren Zuständen, in denen Wohnungen von Vermietern nur extrem überteuert oder auch durch Korruption zu bekommen seien. „Wir brauchen Namen, um dagegen vorgehen zu können“, doch mit dieser Aufforderung endet das Gespräch meistens, bedauert Nguyen.

Viele Hilfsmaßnahmen weggefallen

Sie kümmert sich nach der Schließung des Paulusheims im März 2018, womit auch die Kleiderkammer, das Begegnungscafé und viele dort möglich gewesene Hilfsmaßnahmen und Angebote ersatzlos weggefallen sind, vor allem um das Möbellager im stillgelegten Röttgener Kindergarten, das nach Auszug der dort untergebrachten Flüchtlinge nun eine wichtige Anlaufstelle für diejenigen ist, die in der glücklichen Lage sind, sich eine Wohnung einrichten zu können. Kleinere Möbelstücke gehen auch in das Heim an der Lengsdorfer Provinzialstraße, wo zurzeit bis zu 80 Geflüchtete wohnen.

Neben einer wöchentlichen ökumenischen Sprechstunde im Pfarrheim von St. Maria Magdalena (dienstags von 16 bis 18 Uhr) gibt es auch eine Kooperation mit dem Rex-Kino, in dem etwa vier Mal im Jahr ein Film gezeigt wird, nachdem man sich ebenfalls zum Gespräch treffen kann. Doch was dringend benötigt wird, so Nguyen sind Integrationskurse mit Kinderbetreuung, so dass auch Mütter die Chance bekommen, Deutsch zu lernen – immer noch eine der wesentlichen Voraussetzungen, um in der deutschen Gesellschaft anzukommen.

Sie wünscht sich erneut Menschen, die sich in Patenschaften für einzelne oder Familien engagieren. „Aber so eine enge Betreuung tun sich viele nicht mehr an“, hat sie die Erfahrung gemacht. Dabei reiche es vollkommen, wenn man sich vielleicht einmal pro Woche zusammensetze. „Doch das Festlegen und sich binden, fällt manchem schwer“, sagt Helena Nguyen, doch sie gibt die Hoffnung nicht auf.

Wer sich engagieren oder helfen möchte, wendet sich telefonisch an das Pfarrbüro unter 0228 623282 oder per Email an helena.nguyen@luuconnect.de