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Erzbischof Longin von Klin: Ersbischof in Ippendorf beerdigt

Erzbischof Longin von Klin : Ersbischof in Ippendorf beerdigt

Vor Sankt Sebastian in Poppelsdorf läuteten sieben Glocken aus Russland, im Inneren schmückten große Ikonen den Altar, die traditionellen Kerzenleuchter waren durch filigrane Halterungen für die langen, dünnen Stabkerzen ersetzt: Bei einer bewegenden Feier nahmen gestern Hunderte Trauergäste Abschied von Erzbischof Longin von Klin.

Vor dem Altar war der Bischof in einem offenen Sarg aufgebahrt, in den Händen ein Kreuz sowie sein persönliches Liturgiebuch. Das Gesicht war mit einem Tuch bedeckt.

Unter der Regie von Alexej Rybakovs waren bereits Stunden zuvor mehrere russisch-orthodoxe Priester mit der Ausgestaltung der Kirche beschäftigt. Unter der Leitung Seiner Eminenz Metropolit Hilarion Alfejew, dem Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, feierten die Gläubigen stehend fünf Stunden lang den Abschiedsgottesdienst. Kurzfristig sperren musste die Polizei die Kirschallee, als Busse mit weiteren Trauergästen eintrafen. Unter ihnen war auch Stefan Heße als Vertreter des Erzbistums Köln und der Bischofskonferenz. Nach der Trauerfeier wurde Erzbischof Longin von Klin auf dem neuen Friedhof in Ippendorf beigesetzt. Auch dafür wurde der Zufahrtsweg kurzfristig gesperrt.

Der Ständige Vertreter des russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchats in Deutschland war in der Nacht von Montag auf Dienstag im Alter von 68 Jahren in Düsseldorf gestorben. Longin, der mit 33 Jahren nach Deutschland kam, wurde 1981 zum Bischof für Deutschland geweiht. Er war zugleich Leiter der Ständigen Vertretung der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland und der Europäischen Union.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit lebte er seit einigen Jahren in Ippendorf. Eine langjährige und intensive Freundschaft pflegte er mit der Poppelsdorfer Pfarrgemeinde. Bereits Mitte der 1980er Jahre gründete er mit dem damaligen Pfarrer und Ehrendechanten Monsignore Gregor Neumann ein Hilfsprojekt für notleidende Menschen in Russland. Sie sammelten Kleiderspenden und Geld und schickten über Jahre hinweg regelmäßig Konvois mit Hilfsgütern in das Land. "Beide verband nicht nur eine innige Freundschaft, sondern auch ein unbändiges Engagement für diese humanitäre Hilfe", würdigt Dechant Bernd Kemmerling die Arbeit. Unvergessen ist auch die von beiden initiierte Finanzierung der Behandlung eines Jungen, der nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl dringend medizinische Hilfe benötigte.

Longin, mit bürgerlichem Namen Juri Wladimirowitsch Talypin, wurde 1946 in Helsinki geboren. Im November 1979 kam er als Propst ins Rheinland. Seit Dezember 1992 war er nominell Erzbischof von Klin, einer Stadt in der Nähe von Moskau. Mit Blick auf den russisch-ukrainischen Konflikt hatte er noch vor wenigen Wochen zu gegenseitigem Respekt und Frieden aufgerufen. Es würden nicht nur materielle und kulturelle Schätze vernichtet, beklagte der Geistliche. "Auch unsere jahrhundertealten freundschaftlichen und brüderlichen Beziehungen zerfallen", bedauerte er noch im Juni.