Ulrich-Haberland-Haus Endenich Erste Studenten des Wohnheims treffen sich nach 50 Jahren wieder

Bonn · "Oh, den Festsaal habe ich doppelt so groß in Erinnerung." Christian Schlupp erging es am Donnerstagabend nicht viel anders als seinen 49 Kommilitonen, die vor genau 50 Jahren zum Wintersemester 1963/64 die ersten Bewohner des frisch gebauten Studentenwohnheims Ulrich-Haberland-Haus (UHH) in Endenich Auf dem Hügel waren.

 Die Studenten des Wintersemesters 1963/64, die im Wohnheim in Endenich wohnten, treffen sich erstmals wieder - und schwelgen in Erinnerungen.

Die Studenten des Wintersemesters 1963/64, die im Wohnheim in Endenich wohnten, treffen sich erstmals wieder - und schwelgen in Erinnerungen.

Foto: Barbara Frommann

80 der ursprünglich 98 Erstbewohnern hatten die Organisatoren, Hans Reick (72) und Paul Huesmann (74) nach langer Recherche ausfindig gemacht. Immerhin 50 sind der Einladung gefolgt.

Während der Gemeinschaftsraum immer noch derselbe ist, so hat sich das Haus doch deutlich verändert. Auch wenn es damals das modernste Wohnheim der Unistadt Bonn war, so musste es doch 2002 komplett saniert und modernisiert werden, wie Robert Anders vom Studentenwerk Bonn berichtete. Aus den ehemals 98 Einzelzimmern entstanden 16 Doppelapartments und 38 Halbapartments. So nennt man die Unterkünfte, die heute über eigene Duschen und Toiletten verfügen. Nur die Küche müssen sich je neun Kommilitonen teilen.

"Die Zimmer waren damals so klein, da blieb einem gar nichts anderes übrig als brav zu sein und zu studieren", scherzte etwa Klaus-Hinrich Howold, der aus Freising an gereist war. Für Reick, der Schulleiter in Essen war, war das damals wie der Umzug in eine andere Kultur: "Davor lebte ich in einer Gartenlaube in Friesdorf - mit einem Wasserhahn im Garten, der im Winter zufror, und einer Toilette im Haus meiner Vermieter."

Eine reine Männergesellschaft war das Haus damals, Damenbesuch war nur bis 22 Uhr erlaubt. Danach, so erinnern sich alle lachend, saß der Tutor am Eingang und passte auf, dass keine Freundin über Nacht blieb. "Damals gab es ja noch den Kuppelparagrafen", so Reick. Der so bezeichnete Paragraf 180 des Strafgesetzbuches hatte in der Tat weitreichende Folgen: Wer damals ein Zimmer an Studenten vermietete und dabei nicht peinlich genau darauf achtete, dass der Herren- oder Damenbesuch rechtzeitig wieder verschwand, konnte sich durchaus dem Vorwurf der Kuppelei ausgesetzt sehen.

Für ein Studentenwerk hätte das gar die Schließung bedeuten können. "Ich durfte nicht mal tagsüber Herrenbesuch empfangen", sagte Ute Struck (70). Sie hatte ein Zimmer in der Schumannstraße, ihr späterer Mann Wilhelm (73) wohnte im UHH. Der Zahnmediziner und die Pädagogin kannten sich noch aus Thüringen, trafen sich bei einem legendären Klavierkonzert der Elly Ney in der Beethovenhalle wieder - und blieben bis heute zusammen.

"Das Besondere an diesem Wohnheim war der Gedanke der Selbstverwaltung", sagte Reick. Das Gemeinschaftliche, das war einer der Kerngedanken von Ulrich Haberland. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Bayer AG und Honorarprofessor an der Uni Bonn spendete dem Studentenwerk damals den Bau des Hauses. "Es gab etliche Arbeitsgruppen, und man musste sich oft mit Themen befassen, die gar nicht zum Studium gehörten", erzählte Reick.

Er konnte sich noch daran erinnern, dass er mal ein Referat über die Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus gehalten habe. "Es wurden auch mal ein indischer und ein ghanesischer Abend organisiert - und wir haben viel gefeiert." Die Themen gingen den jungen Leuten nicht aus: Als es mal um die "Produkte der Region" ging, habe man die Weinregale im Stüssgen "geplündert" und die rheinischen Weine verkostet: "Und je mehr man davon trank, desto besser schmeckten die uns", erzählt Howald grinsend.

Gemeinschaftsveranstaltungen sind im UHH auch heute noch üblich, berichten Josephine Pötzsch (21) und Claudia Adams (25). Da gibt es Verantwortliche für die Bar oder auch für Spieleabende. Die beiden zeigen den Gästen mit anderen Mitbewohnern bereitwillig ihre kleinen "Halbapartments".

Unter den Erstbewohnern war auch Norbert Oellers. Der bekannte Bonner Germanist und Herausgeber der Schiller-Nationalausgabe kann sich noch gut an seine Zeit im Wohnheim erinnern - und seine ersten Schritte als Schiller-Fachmann. Sein Professor Benno von Wiese habe ihm damals schlicht gesagt: "Da gibt es noch ein großes Loch in der Schiller-Forschung. Machen Sie mal." "Insgesamt ist doch aus uns allen was geworden", meinte Reick augenzwinkernd. Immerhin: 46 promovierten, 15 sind Professoren.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Bitteres Geschäft für die Stadt
Kommentar zum Viktoriakarree in Bonn Bitteres Geschäft für die Stadt
Aus dem Ressort