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Radfahren in Bonn: Erster Grünpfeil für Radler

Radfahren in Bonn : Erster Grünpfeil für Radler

Ein neues Verkehrsschild soll Radfahren in Bonn schneller und attraktiver machen. Oberbürgermeisterin Katja Dörner enthüllte am Dienstag in der Nordstadt den ersten Grünpfeil für Radfahrer. ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold ist mit der Bewertung vorsichtig.

Auf dem Schild neben der Ampel an der Ecke Dorotheenstraße/Kaiser-Karl-Ring prangt ein Grünpfeil, wie ihn Autofahrer kennen – darunter ist aber ein Fahrrad abgebildet. Oberbürgermeisterin Katja Dörner hat das neue Verkehrsschild am Dienstagmittag in der Nordstadt enthüllt. Der Arbeitskreis Mobilität im Mackeviertel hatte es für die Ampel an der Kreuzung in Richtung Römerstraße beantragt. Mitglied Nikolai Luber sagte: „Es ist schön, wenn ein Antrag der Bürger Gehör findet.“ Der Kaiser-Karl-Ring sei eine Hauptverkehrsachse, auf der seine Tochter jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule fahre.

Der Grünpfeil ist Autofahrern bekannt. Für Radfahrende wurde das Verkehrszeichen mit der Novelle vom April 2020 in der Straßenverkehrsordnung verankert. Es gelten die gleichen Regeln: Wenn neben der Ampel ein grüner Pfeil auf schwarzem Grund befestigt ist, muss man anhalten, darf aber abbiegen, wenn rot ist - vorausgesetzt, die Bahn ist frei. So können sich Radfahrer in Zukunft Wartezeiten sparen.

„Das Radfahren soll attraktiver werden“, sagte Dörner. Der Grünpfeil sei ein „Baustein“, um dieses Ziel zu erreichen. Außerdem plant die OB abgetrennte Radfahrstreifen und den Ausbau von Radschnellrouten in der Rheinaue.

Die Stadt prüft bis zum Frühsommer an 316 Knotenpunkten in Bonn, ob ein Grünpfeil für Radfahrende angebracht werden kann. Ausschlusskriterien sind Bahnübergänge, Kreuzungen mit vielen Unfällen und wenn dem Gegenverkehr freie Fahrt nach links signalisiert wird. Auch die Nähe zu Schulen, Kindergärten und Altenheim beeinflusst die Planung.

Stadtbaurat Helmut Wiesner ist optimistisch: „Das ist keine Testphase.“ ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold ist mit der Bewertung des neuen Verkehrsschilds vorsichtiger: „Ich würde erst das Ergebnis der Bundesanstalt für Straßenwesen dazu abwarten. Nicht, dass es doch Unfälle gibt.“ Die Untersuchung zum Grünpfeil für Radfahrer befindet sich in den letzten Zügen, sagte ein Sprecher der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach. Grundsätzlich sei das Ergebnis positiv. Wann ein Grünpfeil für Radfahrer angeordnet werden kann, soll in der Straßenverkehrsordnung noch ergänzt werden. Das Bundesverkehrsministerium bereite das gerade vor.

In Köln wurden die ersten Grünpfeile bereits im Juli 2020 aufgehängt. „An manchen Stellen haben die Pfeile gut gewirkt, an manchen wurden sie wieder abgeschraubt, weil es Unsicherheiten gab“, sagte Suthold. Auch die Einführung des Grünpfeils für Autos nach der Wende sei nicht ohne Probleme abgelaufen, erklärte er: „Die Ostdeutschen kannten das schon, die Westdeutschen taten sich schwer.“

Der Grünpfeil sei eben kein Vorfahrtsschild. „Man muss erst anhalten, die Verkehrssituation überschauen und dann kann man abbiegen“, sagte Suthold. Die Bonner Polizei registrierte im letzten Jahr 405 Verstöße an Grünpfeilen, bei denen Autofahrer nicht angehalten hatten. Der Verstoß koste 70 Euro und gebe einen Punkt, sagte ein Sprecher. Bei Gefährdung oder Schädigung erhöhe sich das Bußgeld auf bis zu 180 Euro.