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Essensausgabe Bonn: Foodtruck muss nach Beschwerden Standort wechseln

Angebot in Bonn : Essensausgabe muss nach Anwohnerbeschwerden Standort wechseln

Eine kostenlose Essensausgabe für Obdachlose in Bonn ist nach Beschwerden ins Visier des Denkmalschutzes geraten. Der Truck musste seinen Standort wechseln, weil er den Blick aufs Poppelsdorfer Schloss gestört hat.

Der Schutz historischer Sichtachsen rund um die nach dem Zweiten Weltkrieg größtenteils wiederaufgebaute kurfürstliche Architektur ist der Stadt Bonn offenbar nicht nur wichtiger als Freizeitaktivitäten, sondern auch als die soziale Fürsorge für Bedürftige. Anders lässt sich ein Bescheid nicht deuten, den die Verwaltung mitten in den Wochen des Lockdowns der Gastronomin Irini Koutziari übermittelte. Ihre kostenlose Essensausgabe an Obdachlose in einem Foodtruck an der Quantiusstraße behindere die freie Sicht vom Kaiserplatz zum Poppelsdorfer Schloss.

Seit 2007 betreibt Koutziari mit ihrem Ehemann Prem Kapoor zwei Restaurants mit indischen Spezialitäten an der Rheingasse und in Kessenich. Seit drei Jahren stehen mittags auch „Taste of India“-Foodtrucks der beiden auf dem Bonner Markt und häufig vor dem Post Tower. Wie alle Gastronomen mussten auch Koutziari und Kapoor ihre Gaststätten von März bis Mai schließen. Anstatt die eigenen wirtschaftlichen Verluste zu beklagen, wurden sie in dieser Zeit karitativ tätig. „Die Tafeln hatten geschlossen, auch die City-Station der Caritas“, sagt Koutziari vor ihrem Stand auf dem Marktplatz, „Jörn Sloot, ein Freund von uns, verteilte deshalb am Kaiserplatz Lebensmittel und Hundefutter aus seinem Wohnwagen.“

Kein Mindestabstand

Der Foodtruck von „Taste of India“ gesellte sich alsbald sonntags dazu – mit Genehmigung der Stadt. Kostenlos gab es Basmati-Reis, Linsen und Gemüse. Einfache Kost, aber sättigend. Und nur für eine Stunde, von 17 bis 18 Uhr. Einen Bürger indessen störte der Andrang, denn die Essensempfänger hielten beim Verzehr nicht den damals geforderten Mindestabstand von 50 Metern zur Essensausgabe ein.

So musste der Truck auf Weisung der Stadt an den neuen Standort jenseits der Unterführung. Allerdings war er dort im Juli einem anderen Beschwerdeführer ein Dorn im Auge. Die Untere Denkmalschutzbehörde unter Stadtkonservatorin Katrin Bisping schritt ein, bestätigt das Presseamt. „Taste of India“ wurde ein neuer Standort zugewiesen, um die Sichtachse freizuhalten. „Die Poppelsdorfer Allee ist als Denkmal in der Denkmalliste der Stadt Bonn geführt, und die Sichtverbindung zwischen dem ehemals Kurfürstlichen Schloss am Hofgarten und dem Schloss Clemensruhe ist entsprechend  schützenswerter Bestandteil“, erläutert Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann.

Neuer Standort am Kaiserplatz

Auch die Bonner Eisbahn im Stadtgarten soll, wie berichtet, nach Bispings Wunsch in diesem Jahr kleiner ausfallen als in Vorjahren. Ein kleines Zelt hinter dem Hauptzelt behindere den Blick auf den Alten Zoll und das Koblenzer Tor. Allerdings stimmt das nur, wenn man vom Stadtgarten selbst in diese Richtung schaut, was in der kalten Jahreszeit vermutlich nur wenige Spaziergänger tun.

Einigen in der Verwaltung ist das Vorgehen offenbar unangenehm. So würdigt das Presseamt ausdrücklich den Wert der ehrenamtlichen Arbeit. „Das Engagement des Betreibers weiß die Stadt Bonn sehr zu schätzen“, sagt Hoffmann. Man hat Irini Koutziari auch schnell einen neuen Standort zugewiesen. Seit Ende Juli gibt es Reis und Dal sonntags wieder am Kaiserplatz.