Ergebnisse der Europawahl CDU in Bonn stärkste Kraft vor den Grünen

Bonn · Vor fünf Jahren haben die Grünen bei der Europawahl in Bonn die meisten Stimmen geholt. 2024 liegt die Partei nur noch auf Platz zwei. Ein Blick auf die Ergebnisse in Bonn sowie Stimmen zum Ausgang der Wahl.

Axel Voss von der CDU freut sich über das Ergebnis der Europawahl in Bonn.

Axel Voss von der CDU freut sich über das Ergebnis der Europawahl in Bonn.

Foto: Benjamin Westhoff

Es ist 21.40 Uhr, als an diesem Sonntag das vorläufige Endergebnis der Europawahl in Bonn feststeht: Die Nase vorn hat dieses Mal die CDU mit 24,62 Prozent. Bei 23,07 Prozent liegen die Bonner Grünen. Vor fünf Jahren lag die Ökopartei Europawahl mit fast 32 Prozent in der Bundesstadt weit vor der CDU, die damals auf 23 Prozent kam. Weiterhin ein Kellerkind bleibt die SPD: Sie rutscht nochmals unter ihr Ergebnis von 2019 (15,4 Prozent) auf etwa 14 Prozent. Die Bonner AfD bleibt deutlich unter dem Ergebnis ihrer Bundespartei, klettert aber von damals sechs Prozent auf 6,7 Prozent. Die Linken verlieren und holen 3,2 Prozent. Die FDP liegt bei 7,76 Prozent. Das neu angetretene Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kommt auf 3,9 Prozent. Zugewinne konnte die Europapartei Volt verbuchen, die 7,1 Prozent holte. In Bonn liegt die Wahlbeteiligung bei 70,1 Prozent. 2019 lag sie bei 69,5 Prozent. Erstmals konnten jetzt auch Jugendliche ab 16 zur Wahlurne gehen.

Unabhängig vom Abschneiden der Grünen in der Bundesstadt zieht die Bonnerin Alexandra Geese über ihren Bundeslistenplatz 11 wohl wieder ins EU-Parlament ein – wenn auch knapp. Laut vorläufiger Sitzverteilung erhalten die Grünen aus Deutschland zwölf Sitze. Es ist Geeses erste Wiederwahl. Axel Voss kann sich bereits nach der ersten Hochrechnung seiner vierten Amtszeit als EU-Abgeordneter sicher sein. Der Christdemokrat kandidierte auf der NRW-Landesliste auf Platz 5. Und noch ein Bonner hat allen Grund sich zu freuen: Erstmals Mitglied des EU-Parlaments wird der Musikwissenschaftler und Stadtverordnete Hans Neuhoff (AfD).

OB Dörner wertet Ergebnis der AfD „als absolutes Warnsignal“

Geese freut sich zwar über ihren vermutlich erneuten Einzug ins Brüsseler Parlament. „Mit dem Wahlergebnis der Grünen auf Bundesebene können wir aber nicht zufrieden sein“, sagt Geese. Erschrocken sei sie über das gute Abschneiden der AfD. Einordnen wollte sie das Ergebnis noch nicht. „Dafür ist es zu früh.“ Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner wertet das für die AfD starke Ergebnis in ostdeutschen Ländern „als absolutes Warnsignal“. Ob und inwiefern die Kommunalpolitik unter Führung einer Koalition aus Grünen, SPD, Linken und Volt auch das Europawahlergebnis beeinflusst haben könnte, darüber ließe sich noch keine Aussage treffen.

Neben Voss und Geese wird auch der Bonner AfD-Politiker Hans Neuhoff sicher über Listenplatz 8 ins Europaparlament einziehen. Der Musikwissenschaftler ist am Wahltag in Berlin. Am Telefon sagt der dem GA: „Wir sind stolz auf das Wahlergebnis, insbesondere bei den jungen Wählern.“ Die Grünen seien abgestraft worden.Friederike Dietsch ist Grünen-Ratsfraktionschefin und wertet das Ergebnis grundsätzlich positiv. „Wir behaupten uns in Bonn, auch wenn die Zeiten mal schwerer sind.“

Erst in Düsseldorf, dann später im Zeughaus der Bonner Stadtsoldaten feiert Axel Voss seinen glatten Wiedereinzug ins EU-Parlament. „Ich freue mich sehr, dass die CDU in NRW sogar über dem Ergebnis ihrer Bundespartei liegt“, so Voss. Die CDU habe erneut gezeigt, dass sie eine Europapartei sei. Voss: „Nicht beruhigen kann uns allerdings das Ergebnis der AfD im Bund.“

Bonner CDU zieht positives Fazit

Der stellvertretende Vorsitzende der Bonner CDU, Christan Weiler, zieht vorbehaltlich des endgültigen Wahlergebnisses ein verhaltenes, wenn auch positives Fazit. „Erst einmal freuen wir uns sehr, dass wir bei dieser Wahl wieder vor den Grünen liegen. Das gibt uns viel Rückenwind für die Kommunal- und Bundestagswahl im nächsten Jahr.“ CDU-Ratsfraktionsvorsitzender Guido Déus (MdL), der 2025 als OB-Kandidat in Bonn antritt, freut sich auch, dass die Wahlbeteiligung gestiegen sei. „Das macht Mut.“ Die Veränderung der Ergebnisse in Bonn zugunsten seiner Parteien seien „ganz sicher auch auf den kompromisslosen Politikstil hier in Bonn zurückzuführen“, so Déus.

Geknickt ist SPD-Unterbezirksvorsitzender Gabriel Kunze. Wie auf Bundesebene fahren auch die Bonner Sozialdemokraten ein schlechteres Ergebnis ein als noch vor fünf Jahren. „Das Ergebnis ist nicht berauschend und natürlich hätten wir uns mehr gewünscht. Als Bonner SPD hoffen wir zurzeit, dass es am Ende reicht, damit mit Claudia Walther wieder eine SPD-Abgeordnete aus der Region Mittelrhein ins Europa-Parlament zieht. Damit hätten wir zukünftig auch unsere Vertreterin aus der Region in Brüssel.“ Kunze dankt den beiden Bonner SPD-Kandidaten Yasmin Zair und Ronie Makhoul. Sie hätten der Bonner SPD-Kampagne ein Gesicht gegeben. Als einen Höhepunkt wertet er das gemeinsame Plakat der demokratischen Parteien in Bonn „Für Demokratie gegen Rassismus“. So etwas hat es bisher nicht gegeben.“ so Gabriel Kunze, Co-Vorsitzender der Bonner SPD.

Werner Hümmrich ist langjähriger Ratsfraktionsvorsitzender der Liberalen und verfolgt mit dem Bonner EU-Kandidaten Michael To Vinh, Sachkundiger Bürger im Wirtschafts- und Europaausschuss, am Wahlabend im Ratssaal die Bekanntgabe der Bonner Ergebnisse. Realistische Chancen, ins Parlament einzuziehen, hatte er nie, Aber: „Ich freue mich, dass wir auf Bundesebene ein stabiles und mit fast 8 Prozent in der Kommune ein starkes Ergebnis erzielt haben.“ Auch Hümmrich ist guter Dinge. „Ich bin sehr stolz auf das Ergebnis, damit sind wir in Bonn wieder viertstärkste Kraft. Das macht Mut für die Kommunalwahl.“

Für die Linken sei das Ergebnis „bitter“, sagt ihr Bonner Ratsfraktionschef Michael Faber. Nach der Parteispaltung mit der Gründung des Bündnisses Sahra Wagenknecht aber „auch keine völlige Überraschung“. „Wir fokussieren uns als Bonner Linke jetzt auf die Kommunalwahl nächstes Jahr. Da haben wir in der Vergangenheit schon mehrfach auch schwierigen Trends getrotzt“, so Faber.

Auf den ersten Blick punkten die Grünen vor allem im Stadtbezirk Bonn, wo sie mit 25,9 Prozent sogar vor der CDU liegen, die dort auf 21,2 Prozent kommt. Im Hardtberg ist die CDU traditionell weit vorne: Dort fährt sie 29,3 Prozent ein. Auf dem zweiten Platz folgen die Grünen mit 16,7 Prozent und die SPD mit 13,9 Prozent. Ebenfalls stärkste Kraft ist die CDU in Bad Godesberg und Beuel.

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