Evangelische Großtaufe im Freien Evangelische Kirchen planen Tauffest in der Bonner Rheinaue

Die evangelischen Gemeinden in Bonn und Region laden für den 29. Juni zum Open-Air-Tauffest. Man kann sich sogar im Rhein taufen lassen und alles noch vor Ort entscheiden.

 Pfarrerin Katharina Ruhwedel tauft ein kleines Kind beim Tauffest im hessischen Bensheim 2022.

Pfarrerin Katharina Ruhwedel tauft ein kleines Kind beim Tauffest im hessischen Bensheim 2022.

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

Die Vorbereitungen für das große evangelische Tauffest für ganz Bonn und Region am 29. Juni in der Rheinaue laufen auf vollen Touren. „Wir haben aktuell schon über 100 Anmeldungen für Täuflinge“, erklärt Claudia Müller-Bück auf Anfrage.

Die Superintendentin des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel vertritt die leitenden Geistlichen der Bonner Region in der Steuerungsgruppe des Festes. Die meisten Taufaspiranten seien zwischen einem und elf Jahren alt. Einige Jugendliche und Erwachsene seien auch dabei. „Ein Baby wird im Mai zur Welt kommen, seine ältere Schwester wird ebenfalls getauft. Wir erwarten also eine bunte Mischung“, erläutert Müller-Bück.

Es stünden aber auch viele weitere Familien in den Startlöchern, das Fest im Grünen in sommerlicher Festival-Atmosphäre zu begehen. „Ihnen gefällt, dass wir einen großen Teil der Planung übernehmen und die Taufe auf der Picknickdecke auch finanziell gut machbar ist.“

Wie berichtet, ist das erste Bonner Open-Air-Tauffest an diesem Sommersonntag auf dem zentral gelegenen Gelände des Kunst!Rasens ab 11 Uhr geplant. Unter dem Motto „Dich hat der Himmel geschickt“ knüpfen die drei hiesigen Kirchenkreise rechts und links des Rheins damit an die guten Erfahrungen an, die die Kölner Gemeinden schon 2022 mit dem kostenfreien Format gemacht haben.

Nach einer feierlichen Eröffnung mit Posaunen und einem regionalen Kinderchor startet um 12 Uhr der Festgottesdienst. Ab 13 Uhr treten bei einem Picknick-Konzert Sängerin Judy Bailey, der Bonner Songwriter Max Scheer und Justus Cremer aus Niederkassel auf. Er war 2023 Finalist im Kika-TV-Wettbewerb „Dein Song“. Ab 14.45 Uhr wird der Taufsegen gesprochen. Alle Gemeinden werden dafür auf dem Gelände einen eigenen Bereich erhalten, erläutert Müller-Bück. Dort könnten die Tauffamilien ihren Pfarrer treffen. Und da finde dann auch die Taufe mit Wasser und einer Taufschale statt.

„Es ist auch möglich, dass im Rhein selbst getauft wird“, bestätigt die Superintendentin. Neben dem Gelände des Kunst!Rasens befinde sich ein Strand, der je nach Pegelstand größer oder kleiner werde. „Hier können wir parallel viele Menschen taufen. Aber der Rhein ist ein gefährliches Gewässer. Hier geht Sicherheit immer vor“, betont Müller-Bück.

Es gibt auch Tauferinnerungen

An einigen zentralen Stationen werde man zusätzlich Tauferinnerungen anbieten. Das sei ein Angebot für alle Menschen, die schon getauft sind: Sie bekommen mit Wasser ein Kreuz auf die Stirn gemalt und die feste Zusage zugesprochen: „Du bist ein Kind Gottes. Er lässt dich nicht allein.“

In der Taufe liege eine Antwort auf die Frage: Was trägt den Menschen, was gibt ihm Halt und Zuversicht, erläutert die Superintendentin den aktuellen Sinn des Festes. Wenn sie Taufwasser eingieße, dann erinnere sie an Gottes Liebe, die in Jesus Christus lebendig geworden sei. Die sei stärker als alles, was das Leben schwer mache. Auch stärker als der Tod. Taufe sei eng verbunden mit Jesu Tod und Auferstehung. „Das ist der Grund unserer Hoffnung in Zeiten von Krieg und Gewalt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Darum feiern wir fröhlich und trotzig das Leben.“

In einer Großveranstaltung wie dem Tauffest wollten alle evangelischen Gemeinden auf diese Liebe Gottes aufmerksam machen. „Wir werden ein bisschen untypisch, entspannt und dennoch feierlich taufen.“ Manche Familie habe ja den Zeitpunkt für das Fest während der Pandemie verpasst. Anderen erscheine die Taufe im klassischen Gottesdienst unpassend für ihre Lebenssituation, verweist Müller-Bück etwa auf Patchwork-Familien und Alleinerziehende.

„Im freundlichen Gewusel verschiedener Taufgruppen in der Rheinaue wird Platz für alle sein“, ist die Swistaler Pfarrerin überzeugt. Das Motto „Dich hat der Himmel geschickt!“ solle spürbar werden. „Und die Feier in einer großen Gemeinschaft wird uns sicher allen guttun.“

Immer mehr Anmeldungen

Zu den bislang gut 100 angemeldeten Taufen kämen fast stündlich neue hinzu, freut sich Müller-Bück. „Der Kunst!Rasen fasst noch mehr Menschen. Wir werben weiterhin aktiv für Anmeldungen.“ Kontakt aufnehmen könne man über die Webseite www.tauffest-bonn.de, aber auch bei allen Pfarrern. Sich spontan vor Ort zu entscheiden: „Auch das ist möglich“, bestätigt Müller-Bück. Festkoordinator Niels Wey rät dazu, sich dann Freunde und Verwandte als Paten mitzubringen. Wer davon nicht Mitglied in einer christlichen Kirche sei, könne Taufzeuge sein.

Vermutlich werde es für spontane Taufen eine gut erkennbare Anmeldestelle geben. „Hier werden die Daten aufgenommen, also Personalausweis mitbringen.“ Ein Pfarrer werde dann in einem kleinen seelsorglichen Gespräch erklären, was Taufe bedeutet. „Schließlich kann man das nicht rückgängig machen“, so Pfarrer Wey. „Und dann geht’s frisch und fröhlich los mit dem Wasser.“

Im vergangenen Jahr seien in den drei Kirchenkreisen Bonns und der Region rund 1.000 Menschen evangelisch getauft worden, rechnet sie vor. „Gut ein Fünftel war im ersten Lebensjahr. Der Großteil, fast 70 Prozent, waren Kinder von eins bis 14.“ Ältere Jugendliche und Erwachsene machten neun Prozent aus. „Unser Eindruck ist: eine ähnliche Mischung wie beim Tauffest.“

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