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Evangelischer Kirchenkreis Bonn: Etwa Hälfte der Pfarrstellen fällt weg

Änderungen im Evangelischen Kirchenkreis Bonn : Etwa die Hälfte der Pfarrstellen fällt weg

Das Parlament des Evangelischen Kirchenkreises Bonn tagte erneut online. Und es stellte sich einem heiklen Punkt: Bis 2030 sollen die derzeit 26 nicht refinanzierten Pfarrstellen auf 14,5 reduziert werden.

Dass er vor schwierigen Themen zurückschrecke, das kann man dem Evangelischen Kirchenkreis Bonn nicht nachsagen. Denn das evangelische Entscheidungsgremium stellte sich einen Morgen lang seiner derzeit härtesten Aufgabe: Die landeskirchliche Zukunftsplanung sieht nämlich wie in anderen Kirchenkreisen auch in Bonn-Stadt, Alfter und Bornheim eine drastische Einsparung von Pfarrstellen vor. In den zwölf Gemeinden des Kirchenkreises müssen bis 2030 die derzeit 26 nicht refinanzierten Pfarrstellen auf nur 14,5 reduziert werden. Und da gehört sogar die seit 2020 hauptamtliche Superintendentenstelle dazu.

„Wir stehen in Bonn und der Region zweifellos vor einer schwierigen Situation“, erklärte Superintendent Dietmar Pistorius. Es gehe aber nicht darum, Gemeinden aufzulösen. „Wir haben durchaus verschiedene Optionen.“ Und die stellte er mit einer seit Monaten tätigen Steuerungsgruppe vor. Bonns 84 gewählte Gemeindevertreter hatten also die Wahl zwischen einem mathematischen Modell, nach dem der Stellenabbau rein nach dem prozentualen Anteil von Gemeindemitgliedern an der Gesamtzahl im Kirchenkreis angegangen werden soll, und kooperativen Modellen. Bei denen sollen Kirchenkreis und Gemeinden schon frühzeitig auf Augenhöhe über „sinnvolle und tragfähige Kooperationsräume“ verhandeln, die auch Gemeindegrenzen ändern könnten. Die Synode entschied sich schließlich mit großer Mehrheit für die zweite Variante. Und plädierte dafür, bei der Landeskirche auszuhandeln, zumindest die Seelsorge an den Universitätskliniken unabhängig von diesen 14,5 Stellen besetzen zu dürfen. Der endgültige Beschluss soll auf der Herbstsynode 2022 folgen.

Die kontroverse Diskussion zeigte, welche Sorgen die evangelischen Bonner derzeit umtreiben. Das Beispiel der katholischen Kirche, die schon länger Neustrukturierungen betreibe, zeige doch „immense Nachfolgeschäden“, warnte ein Gemeindevertreter. „Durch die Zerschlagung von Gemeinden verliert man nur noch mehr Mitglieder.“ Er plädiere dafür, kirchliche Stärke weiter vor allem aus intakten Ortsgemeinden zu beziehen. Könne sie ihre Gemeinde nach dem Kooperationsprozess überhaupt noch wiedererkennen, werde es dort nicht zu „anonym“, fürchtete eine Delegierte. Man könne sich nicht `rausreden, „tatsächlich ist das ein Abbau“, gab der Superintendent zu. Gleichzeitig sehe er in einer Neuorientierung aber auch Chancen, kreative Optionen zu finden, „wie wir nach wie vor in Bonn und der Region wirksam und präsent bleiben.“

Zahlreiche Synodale stimmten ihm zu, dass man angesichts des landeskirchlichen Rotstifts „mit kleinen Schritten nicht mehr vom Fleck kommt“: Eine Tabula-rasa-Lösung, also reinen Tisch zu machen, sei unumgänglich. Der Nachbarkirchenkreis An Sieg und Rhein zeige, wie Strukturveränderungen heute klappen könnten, verwies Pistorius auf Erfahrungen in dortiger Gemeindezusammenlegung. Eine weitere Bonner Synodale warnte davor, zu sehr die Pfarrstellendiskussion in den Fokus zu stellen. „Wir müssen aufpassen, dass wir den Menschen nicht den Kirchturm vor Ort wegnehmen“, warnte sie. Letztlich gehe es in der aktuellen Diskussion nicht um Ämter, sondern darum, „Räume anzubieten, wo christlicher Glaube weiterhin auftankbar bleibt.“