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Offene Tür: Experimente fürs All beim DLR in Beuel

Offene Tür : Experimente fürs All beim DLR in Beuel

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat erstmals seine Türen geöffnet. Mehr als 1000 Neugierige kamen zum Bonner Bogen, um sich übers All zu informieren.

Die Internationale Raumstation ISS zieht rund 400 Kilometer von der Erde entfernt ihre Bahnen – doch eine Bonner Einrichtung behält sie im Blick: Was genau am Bonner Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) passiert, wollte die Einrichtung in Oberkassel am Sonntag zeigen. Mehr als 1000 Besucher informierten sich zum ersten Mal auf dem neuen DLR-Campus am Bonner Bogen und beteiligten sich an Spielen und Mitmach-Aktionen.

Zum Standort gehören drei verschiedene Einrichtungen mit insgesamt 1300 Mitarbeitern. Einer von ihnen ist Johannes Weppler, Gruppenleiter beim DLR Raumfahrtmanagement, für das rund 300 Menschen arbeiten. „Wir nehmen die deutschen Interessen innerhalb der Europäischen Weltraumorganisation Esa wahr“, erklärte er.

„Unsere Delegierten bestimmen etwa in Entscheidungsgremien mit, welche Experimente auf der ISS durchgeführt werden.“ In Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftsministerium achteten sie besonders darauf, deutsche Wissenschaftler zu fördern und auch Interessen der Industrie zu berücksichtigen.

Forschungsvorhaben deutscher Wissenschaftler gesucht

Für die Mission „Horizons“ des deutschen Esa-Astronauten Alexander Gerst im nächsten Jahr suchen Weppler und seine Kollegen zum Beispiel Forschungsvorhaben deutscher Wissenschaftler: „Es ist natürlich eine europäische Mission, aber sie soll einen gewissen deutschen Charakter haben. Wir suchen daher Experimente aus der deutschen Wissenschaftsgemeinde, um sie finanziell zu fördern.“

Für die „Horizons“-Mission wird zum Beispiel ein wissenschaftliches Projekt zu künstlicher Intelligenz unterstützt: „Dabei geht es um künstliche Intelligenz in der Größe eines Fußballs, die frei in der Raumstation schweben soll“, so Weppler. Das Gerät soll die Astronauten bei ihren Aufgaben unterstützen, etwa indem sie mit ihm sprechen können. Auf einer Seite soll ein Display Zeitpläne oder Arbeitsschritte anzeigen können.

Das Raumfahrtmanagement ist zudem für das europäische Satellitennavigationssystem „Galileo“ zuständig oder den Heinrich Hertz-Kommunikationssatelliten, der in drei Jahren starten soll. Auch deutsche Unternehmen sollen ihn als Testfläche für Versuche nutzen können.

DLR Projektträger

Ganz anderen Themen widmen sich die rund 850 Mitarbeiter der Abteilung DLR Projektträger – etwa auf den Gebieten Bildung, Innovation, Gesundheit und Umwelt. „Auch bei uns geht es hauptsächlich darum, Forschung zu fördern“, erklärte Projektmanager Frank Otten. Er stand neben einem alten VW-Bus – die Besonderheit daran versteckte sich unter der Motorhaube. „Bei diesem Projekt “lokSMART Jetzt!„ geht es darum, lokal energieautark zu arbeiten und zu fahren“, so Otten.

Das Projekt entwickelt Steuerungen für feste und mobile Stromspeicher – genauer gesagt: „Wenn etwa ein Wohnhaus mit Solarzellen oder Windenergie Strom erzeugt, soll dieser auf einem Speicher im Keller aufbewahrt werden.“ Allerdings ist dieser Speicher nicht sehr groß – stattdessen gibt es einen zweiten, der im elektrisch fahrenden Auto sitzt, etwa dem VW-Bus. „Und dann muss die Elektronik entscheiden: Wie ist das Wetter gerade? Wird jetzt das Auto aufgeladen oder später? Denn das System weiß, wann ich wegfahre und wie weit.“

Auch die dritte und kleinste DLR-Einrichtung in Bonn stellte sich am Sonntag auf dem Campus vor: beim Projektträger Luftfahrtforschung und -technologie arbeiten etwa 50 Mitarbeiter. Sie unterstützen unter anderem die Umsetzung des nationalen zivilen Luftfahrtforschungsprogramms des Bundes.