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Explosion in Beirut: Bonner leitet Einsatz der Hilfsorganisation Help

Einsatz mit Hilfsorganisation : Wie ein Bonner die Lage in Beirut erlebt

Nach der Explosion im Hafen von Beirut richtet die Organisation Help eine Soforthilfe für Betroffene ein. Ihr stehen dafür 500.000 Euro zur Verfügung. So erlebt Einsatzleiter Kayu Orellana aus Bonn die Lage vor Ort.

Am vergangenen Dienstag hat eine schwere Explosion in Beirut Menschen getötet und verletzt, Hunderttausende wurden obdachlos. Einen Tag später reiste ein Team um den Bonner Kayu Orellana vom Frankfurter Flughafen in den Libanon.

Der Programmkoordinator für den Nahen Osten und Einsatzleiter vor Ort bei der Hilfsorganisation Help berichtete per Telefon am Montag, dass nun alles in die Wege geleitet sei, um die Menschen vor Ort nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu unterstützen. Zu tun gebe es reichlich: „Die Explosion hat noch Kilometer vom Hafen entfernt Häuser und Mobiliar zerstört“, beschreibt Orellana. Fenster seien ebenso zertrümmert wie Türen.

Bislang hätten die sommerlichen Temperaturen die Situation erträglich gehalten, auch wenn die Krankenhäuser völlig überlastet seien. Zuletzt habe starker Regen eingesetzt. „Wir wollen die Betroffenen darin unterstützen, das Herzstück ihres Lebens möglichst schnell wieder aufbauen zu können“, erklärte der Entwicklungshelfer.

Nach derzeitigem Stand stünden etwa 500.000 Euro zur Verfügung, Förderungen durch den Bund könnten folgen. Help sei auf Spenden angewiesen. Material für die Reparaturen sei nicht einfach zu bekommen, aber die Organisation habe Möglichkeiten, auch weil sie über frisches Geld in harter Währung verfüge. Der Libanon befindet sich in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Die landeseigene Währung werde von vielen Unternehmen nicht akzeptiert, weil sie jederzeit an Wert verlieren kann.

Godesberger sorgt sich um Familie in Beirut

Der Ansatz von Help sieht vor, den Beirutern Soforthilfe zukommen zu lassen, entweder für Material oder auch für handwerkliche Dienstleistungen durch Firmen im eigenen Land. Zehn Mitarbeiter von Help übernehmen die Koordination, den Papierkram und bewilligen Anträge. Der Plan, so Orellana, sehe vor, noch zwei Wochen selbst vor Ort zu bleiben.

Bis dahin soll ein lokales Management für die weitere Hilfe installiert sein. Doch könnte das mit dem Coronavirus zusammenhängende Einreiseverbot diesen Ansatz verzögern: Einige künftige Einsatzkräfte sollen aus umliegenden Ländern des Nahen Ostens zusammengezogen werden.

Die politische Stimmung beschreibt der Entwicklungshelfer als „äußerst angespannt“. Die Explosion, möglicherweise entzündete sich eine große Menge gelagertes Ammoniumnitrat, habe „zu einer Explosion der Stimmung geführt“. Die Beiruter demonstrierten auf der Straße gegen die Regierung. Noch nehme die Gewalt nicht überhand, doch hält der Nahost-Experte eine Verschärfung der politischen Lage durchaus für möglich.

Große Sorgen macht sich Farid Saad um seine Familie. Mutter und vier Geschwister des Bad Godesberger Friseurs leben nahe dem Hafen. Wie Orellana berichtet Saad von permanenten Stromausfällen. Nachschub mit Frischwasser sei kaum zu bekommen. Der Müll werde in dem Viertel, in dem seine Angehörigen leben, seit der Explosion nicht abgeholt. „Meine Mutter hört nach dem Knall nichts mehr, mein Bruder hat Glassplitter abbekommen“, berichtet Saad.

Help ist für die Soforthilfe auf Spenden angewiesen. Informationen sind auf der Internetseite www.help-ev.de zu finden.