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Fahrraddemo in Bonn: „Tausend Fahrräder auf dem Tausendfüßler“

„Tausend Fahrräder auf dem Tausendfüßler“ : Mehr als 300 Bonner demonstrieren für bessere Fahrrad-Infrastruktur

Gut 300 Bonner haben bei einer Fahrraddemo mehrerer Initiativen gefordert, statt des Autos das Fahrrad mehr in den Blick zu nehmen. Auf dem „Tausendfüßler“ durften sie nicht wie zunächst geplant demonstrieren.

Was wird ein sechsspuriger Ausbau des „Tausendfüßlers“ bringen? Mehr Verkehr auf der Autobahn und in Bonn, befürchten die, die sich am Sonntag an der Fahrraddemo durch Bonn beteiligten. 200 Mitfahrer waren zunächst angekündigt, das Ordnungsamt gestattete während der Eröffnungskundgebung auf dem Uni-Campus Poppelsdorf noch 50 weitere, weil das Corona-Schutzkonzept das zuließ. Die Polizei schätzt, dass etwa 300 Personen an der Fahrraddemo teilgenommen haben.

Man wollte gerne auch über den Tausendfüßler fahren, aber wie berichtet, wurde das gerichtlich verboten. Mit wenig zufriedenstellender Argumentation, kritisierte Jacques Jassoy von „Parents for Future“, die mit „Moratorium A565“, dem ADFC und vielen anderen Gruppen die Demo unter dem Motto „Tausend Fahrräder auf dem Tausendfüßler“ organisiert hatten.

Mit der Begründung, der entstehende Stau berge Unfallgefahr, habe es sich die Obrigkeit zu einfach gemacht, beklagte er. Und die Aussage im Beschluss des Gerichts, eine solche Aktion schade nur den Sympathiewerten der Initiativen, sei ebenfalls dürftig, so Jassoy. So fuhr der Fahrradkorso quer durch die Stadt, übers Endenicher Ei, Auf dem Hügel und den Bonner Norden zur Nordbrücke, danach war geplant, südwärts bis zur Reuterbrücke und zurück nach Poppelsdorf zu fahren. An drei Stationen gab es kleinere Kundgebungen.

Er erwarte von der neuen Oberbürgermeisterin Katja Dörner, dass sie die Anliegen der Initiativen ernst nimmt und ihrer Aussage, gegen den Ausbau zu sein, auch Taten folgen lässt, auch wenn das viel Verwaltungsaufwand erfordere. „Wenn wir flüssigen Verkehr wollen, brauchen wir ein anderes Konzept.“ Annette Quaedvlieg, Vorsitzende des Bonner ADFC, forderte, dass der Tausendfüßler nur für einen Radweg verbreitert werden solle.

Generell sollten Radfahrer im Straßenverkehr mehr berücksichtigt werden, sagte Teilnehmer Ruben Joos. Das Auto stehe zu sehr im Mittelpunkt. In Tübingen habe man festgestellt, dass eine autofreie Innenstadt keineswegs die Menschen von dort fern halte – das gehe auch für Bonn. Er wünschte sich außerdem, dass der ÖPNV ausgebaut werde und die Fahrradmitnahme kostenlos werde.

Das Klima stand für Juliane (10) im Mittelpunkt. „Man sollte die Umwelt bewahren.“ Deshalb: Kein Autobahnausbau, keine Autos in der Innenstadt. Ihre Mutter Ute Hub war der Ansicht, „dass die Stadt definitiv mehr für sicheres Radfahren tun sollte“. Autofreie Innenstadt, das sei wohl unrealistisch. „Aber je besser die Alternativen sind, desto eher weichen die Leute auf Öffis oder das Rad aus.“

Eine bessere Fahrradinfrastruktur wünschte sich auch Dominik Becker, der mit Tochter Ronja (3) mitfuhr. „Der Tausendfüßler steht stellvertretend für das fehlende Bewusstsein, was im Verkehr gemacht werden muss“, sagte er. „Ich möchte, dass sich meine Tochter eines Tages frei in Bonn bewegen kann.“

Die Bonner Polizei war mit vielen Einsatzfahrzeugen dabei und musste zwischenzeitlich die Autobahnauffahrt Auerberg für eine halbe Stunde sperren, wodurch sich der Verkehr etwas staute. Laut Pressesprecher Frank Piontek gab es keinen Anlass, die Demo nicht starten zu lassen. Die Teilnehmer hätten sich an die Regeln gehalten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mehr als 300 Teilnehmer bei Fahrraddemo in Bonn