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Bonn: Familienkreis hilft überlasteten Eltern

Bonn : Familienkreis hilft überlasteten Eltern

40 ehrenamtliche Helfer unterstützen unbürokratisch. Zu den Projekten gehören die Huckepack-Patenschaft für psychisch Kranke und „Großeltern auf Zeit“.

Seit vierzehn Jahren unterstützt und berät der Verein Familienkreis-Bonn Familien in belasteten Lebenssituationen. Mittlerweile setzten sich rund 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großem Eifer in verschiedenen Projekten ein. Der Bedarf an weiteren Freiwilligen ist allerdings noch längst nicht gedeckt. Jeden ersten Dienstag im Monat wird daher in den Vereinsräumen ein Informationsabend veranstaltet. Interessierte sind stets willkommen.

Gegründet wurde der Familienkreis 2006 von Anja Henkel. Die Diplom-Pädagogin leitet den Verein bis heute, übernimmt die Koordination der ehrenamtlichen Mitarbeiter und führt auch durch die Informationsabende. „Unser Ziel ist es, Eltern zu entlasten und zu stärken“, erklärte Anja Henkel ihren Zuhörerinnen am Dienstag, „bisher sind wir im Verein fast nur Frauen, aber das kann sich ja in Zukunft ändern“.

Um besser auf individuelle Bedürfnisse einzelner Familien eingehen zu können, haben sich im Laufe der Jahre vier eigenständige Engagementfelder des Vereins entwickelt. Begonnen hat der gemeinnützige Verein seine Aktivitäten mit der Elternhilfe für Schwangere und belastete Familien mit Kindern bis zu drei Jahren. Die Ehrenamtlichen, die sich in diesem Feld engagieren, übernehmen in der Regel einmal wöchentlich individuelle Unterstützung wie Kinderbetreuung oder Begleitung zu behördlichen Terminen.

Angesichts der Einreise vieler zugewanderter Familien nach den Jahren der Flüchtlingswellen wurde das speziell auf deren Bedürfnisse ausgerichtete Projekt „NewComer“ ins Leben gerufen. „Die Elternhelferinnen und -helfer übernehmen hier eine Orientierungs- und Lotsenfunktion“, erklärte Anja Henkel, „besonders bei der Begleitung zu Ämtern, der Suche nach einem Kindertagesplatz oder dem Ausfüllen von Formularen. Beispielsweise kann eine Geburt in Deutschland, insbesondere für Migranten, sehr bürokratisch sein.“

Wichtig sei es jedoch, keine Abhängigkeiten entstehen zu lassen. Daher gelte bei beiden Engagementfeldern für die Betreuungsdauer das Prinzip „So lange wie nötig, so kurz wie möglich“. Anders sieht es aus bei den im letzten Jahr eingeführten „Huckepack“-Patenschaften für die Kinder von psychisch erkrankter Eltern. Das Angebot sei besonders auf Kinder zugeschnitten und richte sich vor allem an alleinerziehende Eltern. Viele von ihnen seien im Alltag überfordert, und allein das führe bei ihnen häufig zu psychischen Belastungen.

Bei dem Patenprojekt bestehe keine Altersbegrenzung. Die Patinnen und Paten übernehmen Alltags- und Freizeitbeschäftigungen und sollen zu verlässlichen Bezugspersonen für die Familie werden. Daher werde hierbei sehr auf Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit geachtet, Abbrüche der Beziehungen sollen möglichst vermieden werden. „Bei Huckepack ist der Vermittlungsprozess hochschwelliger und dauert länger. Es muss auch wirklich passen. Aber wenn es erst einmal gefunkt hat, ist es eine enorm wertvolle Ressource für das Kind“, erklärte Henkel, die bereits auf zahlreiche erfolgreich vermittelte und andauernde Patenschaften des Familienkreises verweisen kann.

Zuletzt entstand im Verein das Projekt „Großeltern auf Zeit“. Die Idee: Den Austausch von Generationen fördern. „Das Projekt läuft seit diesem Jahr und wir haben bereits 25 ‚Großeltern-Familienpaare‘ zusammengebracht. Die sind alle richtig verliebt und feiern zum Teil sogar Geburtstage und Weihnachten miteinander“, so Henkel. „Die Erfahrungsberichte, die wir auf unseren Reflexionstagen hören, sind teilweise sehr rührend“, erklärte sie. Viele weitere Elternanfragen seien bereits eingegangen.

Wie auch beim „Huckepack“-Angebot gebe es keine zeitliche Begrenzung der Betreuungsdauer. „Es dauert immer so lange, wie es für alle Beteiligten passt“, fasste es Henkel zusammen.