Bonner Rheinaue Federvieh und ein dicker Nutria

BONN · Die Rheinaue erwacht aus dem Winterschlaf. Hobbyfotograf Volker Braun hat die Fauna im Fokus.

 Einer der mächtigen Höckerschwäne landet auf dem Rheinauensee.

Einer der mächtigen Höckerschwäne landet auf dem Rheinauensee.

Foto: Volker Braun

Mit leicht hochgeklappten Flügeln gleitet der Schwan majestätisch über den Rheinauensee. Von einem Geräusch aufgeschreckt, erhebt er sich plötzlich Flügel klatschend aus dem Wasser. Drüben stakst ein Reiher durch die kleinen smaragdgrünen Uferwellen. Und wenn man genau hinschaut, entdeckt man sogar einen dicken langbärtigen Nutria, wie er sich ganz langsam zurück ins Wasser gleiten lässt.

All das ist dem scharfen Auge und der Fotolinse des St. Augustiner Hobbyfotografen Volker Braun nicht entgangen, der sich fast täglich mit seiner Canon-Bridge-Kamera auf Fotopirsch in die Rheinaue aufmacht. „Und es ist jeden Tag aufs Neue wieder spannend, wem ich da begegne.“

Ja, es gebe durchaus eine reiche Fauna in der im Zuge der Bundesgartenschau von 1979 gestalteten Parklandschaft, erklärt Marc Hoffmann, stellvertretender Stadtsprecher. Man gehe allein von rund 170 Gänsen aus, darunter 130 Graugänse, 16 Canadagänse, die nicht ständig vor Ort blieben, und etwa 30 Nilgänse.

Auf Fotopirsch in der Rheinaue
7 Bilder

Auf Fotopirsch in der Rheinaue

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Jede Menge Stockenten und eine kleine Anzahl anderer Entenarten stecken ihre Köpfe ins Wasser. Dazu kommen acht Höckerschwäne und eine ganze Reihe Kormorane und Reiher, die in den hohen Pappeln auf der Insel brüteten.

Man finde Fischreiher, Blässhühner, Möwen, Rabenvögel und natürlich andere Singvögel vor. An Haarwild könne der, der im Landschaftsschutzgebiet geduldig aufpasse, das Kaninchen, den Fuchs, den Dachs, den Marder und das Eichhörnchen entdecken.

In der Rheinaue gibt es laut Hoffmann keine Hegemaßnahmen. „Das Wild vermehrt sich ganz natürlich und wird durch Beutegreifer wie Fuchs, Raubvögel, Krähen und Marder dezimiert.“ Enten- und Gänsegelege können überall im Park vorkommen. Die Schwanengelege befinden sich meist auf den Inseln oder in der Nähe des Wassers.

„Die Besucher sollten also ihre Hunde auf keinen Fall jagen lassen“, stimmen Hoffmann und Alexander Heid vom Naturschutzbund Bonn (Nabu) überein. Gäste sollten auch das Füttern der Tiere unterlassen, denn durch nicht aufgenommene Reste werde das Seewasser belastet. „Zu Fressen haben die Tiere genug.“

Heid, der Naturschützer, freut sich besonders darüber, dass die Verwaltung schon aus Kostengründen ein gutes Drittel der Wiesen in der Rheinaue nicht mehr regelmäßig mäht. So könnten Blumen wachsen, Insekten fliegen, und die könnten wiederum Vögel anlocken. Der Naturkreislauf könne funktionieren.

Der Bestand der Tiere resultiert aus guten Bedingungen: der weitläufigen Parkanlage mit viel Wasser, Wiesenflächen als Futtergrundlage, den Gehölzflächen und Inseln, die als Versteck dienen.

Zugvögel aus Südeuropa und Nordafrika kommen zum Brüten vorbei, so Heid. Und kleine Säuger wie Kaninchen, die keine überfluteten Bauten vertragen, blieben automatisch in den nicht hochwassergefährdeten Bereichen. Viele Tiere der Rheinaue seien selbst oder ihre Vorfahren dem Menschen einmal ausgebüxt oder von ihm ausgesetzt worden, nimmt Heid an.

Der Nutria mit dem mächtigen Schnäuzer, diesen „Riesen-Johnny“, den Hobbyfotograf Braun vor die Linse bekam, den hatten jedoch weder der Nabu noch die Stadt bisher auf ihrer Rechnung.

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