Kanzlerbungalow, Kanzleramt und Co. Bonner besichtigen beim Fest der Demokratie die Stätten der Politik

Bonn · Mit der Feier zum 75. Geburtstag des Grundgesetzes öffneten die wichtigsten historischen Räumlichkeiten ihre Türen. Besucher konnten sich auf eine Zeitreise begeben und sich in den Lebensalltag der Kanzler hineinversetzen.

Bilder vom Fest der Demokratie in Bonn: Einblicke in Kanzlerbungalow und Kanzleramt
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So sieht es im Kanzlerbungalow und im Kanzleramt aus

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Auf den Spuren der ehemaligen Bundeskanzler. Begonnen mit Konrad Adenauer im Jahr 1949 beherbergte Bonn sechs Bundeskanzler – bis die Regierung im Jahr 1994 nach Berlin umzog. Zum 75. Jubiläum des Grundgesetzes öffneten Kanzlerbungalow, Kanzleramt, Villa Hammerschmidt, Bundesrat und Bundestag die Türen. Teilweise mehr als eine Stunde warteten die Tausende Besucher vor den historischen Stätten, um sich auf eine Zeitreise in ein Bonn als Bundeshauptstadt zu begeben und einen Einblick in Räume zu erhalten, die ansonsten verschlossen bleiben.

Am 16. September 1999 informierte Hannelore Kohl, Ehefrau von Ex-Kanzler Helmut Kohl das bereits nach Berlin umgezogene Bundeskanzleramt, über den Auszug aus ihrem Domizil: „Mein Mann und ich ziehen aus dem bislang bewohnten Bungalow des Bundeskanzleramtes in Bonn mit Wirkung zum 30. September 1999 aus“. Seitdem ist das Gebäude unbewohnt. Einige Möbel ließen die Kohls zurück, die nun zum Spekulieren über den Lebensalltag des Kanzlers animieren: Eine Sitzkuhle einer Sofagarnitur könnte auf seinen Lieblingsplatz hindeuten.

Aber nicht nur Kohls zogen in den Bungalow ein, Ludwig Erhardt machte 1964, nachdem er ihn ein Jahr zuvor in Auftrag gegeben hat, den Anfang. Danach folgte Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt – der allerdings nur seine Gäste im Bungalow empfing und sich lieber auf dem Venusberg aufhielt – und Helmut Schmidt, den man sich mit viel Fantasie spielend an seinem schwarzen Flügel vorstellen konnte.

Im Kanzlerbungalow fand die große Politik statt

Der Kanzlerbungalow ist ein schlichtes Gebäude im Bauhaus Stil umgeben von Grün mit Blick auf den Rhein: Der einzige Raum mit Tür ist das Arbeitszimmer des Kanzlers, der restliche Bau glänzt mit offener Architektur, bodentiefen Fenstern, die Innen und Außen nahtlos übergehen lassen. Vom großzügigen Esszimmer, an dem kurz vor der Wiedervereinigung der sowjetische Präsident Gorbatschow bei einem gemeinsamen Essen und anschließenden Gesprächen Vertrauen zu Helmut Kohl finden konnte, so Almuth Bartels, Historikerin des Hauses der Geschichte, gelangt man auf die mit Panzerglas gesicherte Terrasse. „Die Wiedervereinigung ist so sicher, wie das Wasser rheinabwärts fließt“, habe Kohl nach diesem historischen Treffen verkündet, sagt Bartels.

75 Jahre Grundgesetz in Bonn: Fest der Demokratie​
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Fest der Demokratie: 75 Jahre Grundgesetz

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Foto: Meike Böschemeyer

Versteckt im hinteren Bereich des verwinkelten Bauwerks findet sich anknüpfend an die Privaträume ein Pool – nicht groß, aber dennoch groß genug, um in den Sechzigerjahren für Kritik zu sorgen. „Da badet der Kanzler in seinem Palais Schaumbad“ musste sich Erhardt damals anhören, sagt Bartels. Dabei ist der Bungalow alles andere als dekadent, minimalistisch statt prunkvoll. Führungen mit begrenzten Plätzen durch den Kanzlerbungalow veranstaltet das Haus der Geschichte jeden Sonntag. Aufgrund von anstehenden Sanierungsmaßnahmen bleibt der Bungalow jedoch bis zum Frühjahr 2025 geschlossen.

Viel Andrang an der Villa Hammerschmidt

Zur Arbeit hatte es der Kanzler damals nicht weit – wenige Hundert Meter von seinem Schlafgemach entfernt, befand sich ab 1976 das Kanzleramt. Davor war das nebenstehende Palais Schaumburg der Dienstsitz des Kanzlers. Heute ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in die Räume gezogen – der Schreibtisch von Helmut Schmidt ziert dort noch immer das ehemalige Kanzlerarbeitszimmer in der zweiten Etage des Gebäudes. An den Wänden erinnern Bilder an die internationalen Gäste.

Als historische Stätte wird der Raum vom BMZ nicht benutzt, sowie auch das Kabinett ein Stockwerk tiefer im ehemaligen Kanzleramt, wo Schmidt 1977 die Krisensitzungen leitete, als palästinensische Terroristen am 13. Oktober die Lufthansa-Maschine "Landshut" nach Mogadischu entführten. Die in Terrakotta Farben gepolsterten Stühle und meterlange Besprechungstafel stehen als Zeitzeugen noch immer an Ort und Stelle. An Führungen durch die ehemaligen Räume des Bundeskanzleramts können Besucher am Samstag und Sonntag um 12.00 und 13.00 Uhr teilnehmen, die ebenfalls vom Haus der Geschichte organisiert werden. Anmeldung erfolgen über die Webseite.

Den größten Besucherandrang gab es vor der Villa Hammerschmidt, vielleicht mag das auch an der Anwesenheit des Bundespräsidenten gelegen haben – denn der Amtssitz von Frank-Walter Steinmeier dient ihm auch heute noch als Rückzugsort. Doch das weiße Gebäude ist kleiner, als es von außen wirkt. Erinnert es doch aus den richtigen Winkeln betrachtet an das Weiße Haus in Washington, stehen dem Bundespräsidenten und seinen Gästen im Erdgeschoss gerade einmal vier Räume zur Verfügung. Edle Kronleuchter, ausgefallene Gemälde und schwarze Polstermöbel bleiben in Erinnerung, als Wohnraum für den Präsidenten dient das Obergeschoss.

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Als Reisforscher erst um die Welt, dann nach Bonn Hochschullehrer aus Leidenschaft