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Eröffnung des Beethovenfestes 2011: Festspielhaus: Nimptsch bleibt vage

Eröffnung des Beethovenfestes 2011 : Festspielhaus: Nimptsch bleibt vage

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hat sich in seiner mit Spannung erwarteten Rede für eine "neue architektonische Lösung" zur Pflege des Bonner Beethovenerbes ausgesprochen.

Bonn. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hat sich in seiner mit Spannung erwarteten Rede für eine "neue architektonische Lösung" zur Pflege des Bonner Beethovenerbes ausgesprochen.

"Wir wissen alle, dass wir mit unserer 50 Jahre alten Beethovenhalle, so wie sie jetzt ist, nicht die nächsten 50 Jahre zurechtkommen werden", erklärte er am Freitagabend. Nimptsch ließ aber völlig offen, wie er sich diese neue "Lösung" vorstellt. Es solle ein "Aufsehen erregendes Haus der Kultur für alle Generationen" werden. Er unterstrich, dass die "Bürgerschaft" sich einig sein müsse.

Meinung Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Hier und da und dort"Mit "Wehmut" habe er das Festspielhaus-Projekt im April 2010 "vorerst zurückgestellt", sagte der Oberbürgermeister. Zunächst habe geklärt werden müssen, wie die Stadt ihren Etat in den Griff bekommen und den Weiterbau des WCCB organisieren könne. Beides sei geschafft. An dieser Stelle raunte und lachte das Publikum.

"Bürgerschaft, Rat und Verwaltung sollten jetzt mit großer Kraft die wahrscheinlich größte Chance für die Entwicklung unserer Stadt nutzen", sagte Nimptsch. "Wenn wir uns 2020, zum 250. Geburtstag unseres größten Sohnes, der Welt nicht als strahlende Beethovenstadt präsentieren, wird Wien das übernehmen - und das Geschäft machen."

Nach GA-Informationen hatte der OB noch vor wenigen Tagen vor, in seiner Rede drei mögliche Standorte zu nennen: die Oper, die alte Beethovenhalle und die Rheinaue. Am Freitagabend vermied er jedes Wort dazu. Der Standort gehört ebenso wie die Frage der Finanzierung zu den Knackpunkten: Ursprünglich hatten drei Unternehmen zugesagt, ein Festspielhaus (als reines Konzerthaus) zu bauen, das je nach Ausführung zwischen 80 und 100 Millionen Euro kostet.

Nach dem Absprung von Postbank und Telekom steht nur noch die Deutsche Post als Investor bereit - wohl mit rund 40 Millionen Euro, sofern die Bedingungen stimmen. Fanden sich die Kernpunkte in der Nimptsch-Rede wieder? Eine kurze Übersicht:

  • Finanzierung des Neubaus? Dazu sagte der OB nichts.
  • Standort und Architektur? "Ob die notwendige neue architektonische Lösung hier stehen wird und außen noch so aussieht wie jetzt, aber innen ganz anders, ob sie auch außen ganz anders aussehen wird, oder ob sie vielleicht gar nicht hier, sondern da oder dort stehen wird, das werden wir alles zusammen herausfinden können, wenn wir uns denn einig sind in einem Punkt: Bonn braucht, wenn wir die Chancen als Beethovenstadt nicht vertun wollen, eine andere architektonische Lösung (als die alte Beethovenhalle - d.R.)." Ob die bisherigen Entwürfe von Zaha Hadid und Hermann & Valentiny eine Chance haben sollen, ließ Nimptsch offen. Weiter: "Warum soll unser Dialog im kommenden Jahr nicht mit einem anderen Ergebnis enden dürfen, als man es sich selbst am Anfang vielleicht überlegt hatte?"
  • Wie sieht der Zeitplan aus? "Lassen Sie uns das jetzt mit den Partnern aus Bund, Land, unserer Sparkasse, dem Rhein-Sieg-Kreis und der Wirtschaft anpacken. Entscheidend ist, dass alle Partner in diesem Jahr das Bekenntnis aus Bonn erwarten "Ja - wir sind die Beethovenstadt!" und das gilt insbesondere für den Bund, der seine 39 Millionen Euro zur Stiftungsgründung kaum noch einmal von Haushalt zu Haushalt schieben wird."
  • Wie stark dürfen Betriebskosten eines solchen Hauses den Stadtetat belasten? Müsste anderswo gespart werden? Dazu sagte der OB nichts.
  • Und der Entscheidungsweg? "Bedeutsam ist nur eines: Die Bürgerschaft muss sich einig sein im Bekenntnis zur Beethovenstadt und zu einer neuen architektonischen Lösung." Unklar blieb, wie die Bürger genau beteiligt werden sollen.
  • Nutzungskonzept: Konzerthalle oder eine (teurere) Mischnutzung für Konzert und Oper? Auch dazu sagte der OB nichts.

Erste Reaktionen auf die Rede des OberbürgermeistersDie Fest.Spiel.Haus.Freunde zeigten sich erfreut und warben nach der Rede für eine "parteiübergreifende Initiative" des Rates und des Oberbürgermeisters, um "endlich die notwendigen Schritte zur Realisierung einzuleiten".

Alle Fraktionen sollten sich in einem Beschluss zum Festspielhaus bekennen, umgehend einen verbindlichen Zeitplan verabschieden, die Verhandlungen mit Bund und Sponsoren wieder aufnehmen und noch 2011 die Frage des Standorts klären.

Mit Kritik reagierte CDU-Fraktionschef Klaus Peter Gilles auf die Rede: "Ich glaube, dass es der Sache nicht dienlich war, dass wir so viele Turbulenzen hinsichtlich seiner Ankündigung hatten, sich an diesem Abend zum Festspielhaus zu äußern. Ich hätte mir gewünscht, dass wir in aller Ruhe nachdenken, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, anstatt so große Erwartungen zu wecken und dann nichts zu sagen."

"Der OB stellt sich klar hinter die Festspielhausidee", lobte der Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber (SPD) seinen Parteigenossen: "Er zeichnet ein Szenario vom neuen Gebäude bis zur Totalsanierung der Beethovenhalle. Der Rat kann sich am Jahresende nicht mit Prüfungsaufgaben herausreden. Er muss entscheiden."

"Diese Rede hat keinerlei Klarheit und Fortschritt für das Projekt Festspielhaus gebracht", urteilte Bernhard Wimmer vom Bürger Bund Bonn. "Man muss ein Eisen schmieden, solange es heiß ist." "Diese Rede führt doch nicht weiter", meinte Andreas Eckhardt, ehemaliger Direktor des Beethoven-Hauses. "Demnach könnte es auch die alte Beethovenhalle sein. Es könnte alles sein. Ich bin schon ziemlich enttäuscht."

"Ich begrüße zwar, dass der OB das Thema wieder auf die Tagesordnung setzen will", sagte FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich. "Die wichtigen Fragen nach Finanzierung, Standort und Konzept bleiben aber unausgesprochen. Er ist den Erwartungen nicht gerecht geworden. Vielmehr schadet er mit solchen Reden der Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt".