Clubszene in Bonn Fête du Bermudadreieck überzeugt mit Workshops und Musikvielfalt

Bonn · Die Bonner Clubszene hat schon bessere Zeiten erlebt. Um wieder mehr Feiernde in Bonn zu halten, soll das Event "La Fête du Bermudadreieck" helfen. Die Veranstalter planen bereits an einer weiteren Ausgabe.

 Fête du Bermudadreieck: Im Namenlos wird aufgelegt.

Fête du Bermudadreieck: Im Namenlos wird aufgelegt.

Das Bonner Nachtleben darf nicht sterben – da sind sich Julius Klüver und David Statthalter sicher. Um die inzwischen überschaubare Partyszene in Bonn anzukurbeln, haben sie sich etwas ganz Besonderes überlegt: Das Event „La Fête du Bermudadreieck“ soll gleich in zweierlei Hinsicht neuen Schwung ins Bonner Nachtleben bringen. Zum einen erwartet die Gäste für acht beziehungsweise zehn Euro an der Abendkasse die Möglichkeit, gleich in den vier Locations Nachtschicht, Namenlos, Nachtlounge und Frittebud zu feiern. Gleichzeitig ist die Veranstaltung auch ein Teil der Nachwuchsförderung. Denn zwischen 20 und 22 Uhr konnten Interessierte verschiedene Workshops in den Clubs besuchen, die es ihnen erleichtern soll, einen beruflichen Zugang zum Nachtleben oder zumindest ein neues Hobby zu finden: „In Bonn gibt es ein riesengroßes Nachwuchsproblem“, weiß Klüver und erklärt: „Die Branche hat ihre eigenen Regeln. Da kommt man nur durch Kontakte rein. Zudem ist der Altersdurchschnitt der DJs hier bei Mitte 30.“ Daher haben sich einige junge Leute zu den Workshops eingefunden.

Im Namenlos erfahren sie etwas zu Management, in den beiden anderen Clubs dürfen sie mit den DJs selbst mal auflegen. In der Nachtschicht auf Vinyl, in der Nachtlounge auf einem kleinen DJ-Pult. Alle neun DJs der Veranstaltung sind dabei weiblich – auch ein Punkt der Nachwuchsförderung: „Ich persönlich finde, dass sich Female-Artists mit dem identifizieren, was sie tun und sehr akribisch arbeiten. Allerdings sind sie deutlich in der Unterzahl.“ Bei der Fête du Bermudadreieck durften sie das Abendprogramm ohne männliche Unterstützung gestalten und zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig Clubmusik sein kann: Eine Poplist mit Afro- und Latineinflüssen ist ebenso vorhanden wie House, Techno und anspruchsvoller HipHop.

Das Konzept scheint offensichtlich anzukommen, denn neben den etwa 30 Workshopteilnehmern sind bereits am frühen Abend etliche Gäste, meist Anfang bis Mitte 20, an der Frittebud und feiern vor. Darunter auch Mia (24) und Paula (23). Die beiden Studentinnen haben sich als DJs versucht und wollen im Anschluss noch die Partys unsicher machen – dank Workshopteilnahme kostenlos.

Party bringt Schwung in die eingerostete Bonner Clubszene

„Hinter dem Auflegen steckt mehr Arbeit als ich dachte. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich so krass konzentrieren muss“, sagt Paula zu dem Workshop, der ihr viel Spaß gemacht hat. Vom Konzept der Partys sind beide begeistert. Nicht nur wegen der Workshops, sondern gerade weil es eine Abwechslung in der überschaubaren Bonner Clubszene ist: „In Bonn gibt es nicht wirklich tolle Partys. Die Clubs sind eher negativ konnotiert, es ist alles etwas eingerostet“, stellt Mia klar und findet die Musik grundsätzlich auch „zu Techno lastig“.

Die Fête du Bermudadreieck sei dagegen anders und würde dank der Vielfalt der Musik „ein bisschen Köln- oder Berlin-Vibes“ haben. Als Nächstes soll es zu einem Aperol Spritz in die Nachschicht gehen, später noch mal in die Frittebud: „Jeder, der Tanzen geht, holt sich in der Nacht noch was zu Essen. Von daher ist es mega cool, hier die Möglichkeit zu haben“, sagt Mia.

Um die Ecke herrscht ebenso reger Betrieb – vor dem Eingang der Nachtschicht. Denn eine Sängerin gibt ein Life-Konzert und begeistert die Partygäste mit ruhigeren Indie- und Oldschool-Klängen. In Hintergrund ertönt der Bass aus den Clubs. Henning (18) und Vincent (19) aus Hamburg lauschen dem Konzert. Ihr Fazit: „Kiez oder Schanze ist schon was anderes. Aber das hier ist auch ganz cool, irgendwie familiär.“

Feedback, über das sich Veranstalter Statthalter freuen kann. Ebenso wie über die knapp 500 Gäste, die die Fête du Bermudadreieck besucht haben. Laut Kollege Klüver soll es nicht die letzte Ausgabe gewesen sein.

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