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Feuerwehr in Bonn und Region: Einsatzkräfte registrieren viele Fehlalarme

Feuerwehren in Bonn und der Region : Feuerwehren in der Region registrieren viele Fehlalarme

Rund 100.000 Notrufe gehen jährlich bei der Leitstelle des Rhein-Sieg-Kreises ein. Ein großer Teil davon sind Fehlalarme. Nur in bestimmten Ausnahmefällen haftet der Auslöser des Einsatzes. Doch dann kann es teuer werden.

Katharina Knoch ist Feuerwehrfrau bei der Freiwilligen Feuerwehr in Rheinbach. Jäh wird das Interview mit ihr unterbrochen. Der Alarm tönt am anderen Ende der Telefonleitung, ein Einsatz wartet. Hektisch entschuldigt und verabschiedet sich die Sprecherin der Rheinbacher Feuerwehr. Ob es sich um einen gefährlichen Brand oder doch nur einen Fehlalarm handelt, weiß Knoch nicht. Das ist auch unerheblich: "Lieber ruft jemand einmal zu viel als einmal zu wenig an".

Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis sowie die Feuerwehr Bonn registrieren eine hohe Zahl an Fehlalarmen. Eine konkrete Einschätzung geben die Feuerwehren in Königswinter und Bonn. Der Anteil der Falschalarme mache rund ein Viertel der Notrufe aus.

Wie kommen die vielen Falschalarme zustande?

Den höchsten Anteil an Fehlalarmen tragen laut mehreren Feuerwehrsprechern  Brandmeldeanlagen, sagen mehrere Feuerwehrsprecher. Diese sind in größeren Gebäuden wie Gewerbebetrieben, Hotels, Krankenhäusern oder Altenheimen installiert und direkt mit der Leitstelle verbunden. In vielen Fällen melden sie einen Brand, wo keiner ist: Etwa wenn bei Bauarbeiten viel Staub entsteht, Essen auf dem Herd qualmt oder Wasser von der Decke in den Brandmelder läuft.

In Troisdorf ist der Anteil falscher Alarme bei Brandmeldeanlagen erheblich, sagt Feuerwehr-Sprecher Peter Kern. Unter 123 Alarmierungen durch Brandmeldeanlagen im vergangenen Jahr gab es 84 Fehlalarme. In Königswinter sieht man das Problem von der positiven Seite. "Wenn wir mehrfach bei einer Anlage anrücken, ohne dass ein Brand vorzufinden ist, lernen wir wenigstens das Gelände für einen Ernstfall schon mal kennen“, sagt Sprecher Lutz Schuhmacher.

Ein häufiges Beispiel für Fehlalarme sei auch eine unklare Rauchentwicklung, etwa auf einem Ackerfeld oder in der Nachbarschaft. In vielen Fällen gebe es dann keinen Brand oder die Situation entpuppe sich als ungefährlich. Es sei im Zweifel aber immer richtig, die Feuerwehr zu rufen, so Schuhmacher. Diese Falschalarmierungen nähmen die Feuerwehren "billigend in Kauf", es gehe im Zweifel schließlich um Menschenleben.

Wann sollte die Feuerwehr nicht gerufen werde?

Nur in seltenen Fällen sei es unangebracht, die Feuerwehr zu rufen. "Neulich haben uns Menschen angerufen, die haben zwei Vogelbabys außerhalb ihres Nestes gefunden. Davor hat uns ein Großhandel alarmiert, weil sich ein Vogel in deren Gebäude verirrt hat", berichtet Pressesprecher Ulrich Breuer von der Feuerwehr Bornheim. Er rät in speziellen und weniger akuten oder gefährlichen Fällen dazu, kurz zu überlegen, ob es sich wirklich um einen Notfall für die Feuerwehr handele. In solchen Situationen seien andere Experten gefragt, etwa die Wildtierhilfe. Grundsätzlich betont Breuer aber: "Im Zweifel immer anrufen! Dazu möchten wir jeden ermutigen. Das Risiko ist in der Regel größer als der bei uns entstehende Schaden bei einem Fehlalarm."

In welchen Fällen haftet der Alarmierer?

In den meisten Fällen hat der Anrufer, der das unnötige Anrücken der Feuerwehr auslöst, keine Kosten zu befürchten. Ruft etwa der Nachbar wegen eines piepsenden Heimrauchmelders oder aufsteigenden Qualms die Einsatzkräfte, entstehen keine Kosten. Es gibt aber Ausnahmen.

In Fällen von Alarmierungen durch Privatpersonen haften diese nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit, etwa, wenn man einen Berg Wäsche auf einen angeschalteten Herd stelle oder im geschlossenen Raum ein Feuer lege, so Schuhmacher. Außerdem haften Gewerbetreibende und Institutionen mit Brandmeldeanlagen bei technischen Defekten, die die Fehlalarmierungen auslösen.

Nur in seltenen Fällen wird ein Fehlalarm böswillig und damit vorsätzlich ausgelöst. In allen befragten Kommunen - Bonn, Rheinbach, Troisdorf, Bornheim und Königswinter - gibt es nur wenige Fälle, in denen der Knopf an der Meldeanlage mutwillig eingedrückt, ohne dass dafür eine Notlage besteht. In solchen Fällen wird es schnell teuer für den Verursacher. Die Kosten hängen von der Größe des Einsatzes ab. Auch von Kommune zu Kommune sind die Preise unterschiedlich. Frank Frenser von der Feuerwehr Bonn: "Das geht bei 400 Euro los und kann, je nach Einsatz, schnell über Tausend Euro kosten."

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